Erweiterte Funktionen


Der Ausverkauf der Lira bleibt ein türkisches Phänomen




31.08.18 11:18
Degroof Petercam

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Nach Monaten der allmählichen Abwertung hat sich der Wertverfall der türkischen Währung in den vergangenen Tagen weiter beschleunigt, so Michiel Verstrepen, Volkswirt bei Degroof Petercam AM.

Die Probleme der Türkei hätten ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Seit einiger Zeit sei klar, dass das Land zu den fragilsten Schwellenländern gehöre. Das starke Wachstum sei zuletzt durch Leistungsbilanzdefizite finanziert worden. Gleichzeitig sei die Türkei stark von ausländischen Energieimporten abhängig. Die gestiegenen Energiepreise der vergangenen Monate hätten die Handelsbilanz zusätzlich belastet. Die wirtschaftliche Expansion sei durch eine expansive Fiskalpolitik unterstützt worden. Doch die Veränderungen im äußeren Umfeld hätten die Verwundbarkeit des türkischen Aufschwungs zunehmend deutlich gemacht. Die Türkei sei innerhalb der Schwellenländer aufgrund ihrer hohen Verschuldung im Ausland besonders anfällig für steigende Energiepreise und habe globale Finanzbedingungen verschärft.

Immer wieder stehe die Frage im Raum, ob dies der Beginn einer neuen Krise der Emerging Markets sein könnte. Heute würden die Schwellenländer jedoch nicht mehr alle im selben Boot sitzen. Viele der aufstrebenden Staaten hätten ihre makroökonomischen Rahmenbedingungen verbessert, unter anderem durch den Einsatz umfangreicher Reservepuffer, finanzieller Sicherheitsnetze und flexibler Wechselkurse. Da flexible Wechselkurse grundsätzlich volatil und anfällig sein könnten, müssten sie von einer unabhängigen und glaubwürdigen Zentralbank begleitet werden. Die Türkei habe diese Standards zuletzt jedoch immer weniger erfüllt.

Seit Jahresbeginn habe die Zentralbank in Ankara ihre Zinssätze trotz fallender Lira und steigender Inflation nicht rechtzeitig und wesentlich erhöht. Bereits zuvor habe Staatspräsident Erdogan der Glaubwürdigkeit der türkischen Geldpolitik geschadet, indem er Zinserhöhungen in öffentlichen Erklärungen als "Mutter und Vater allen Übels" bezeichnet habe. Der Verdacht der Einmischung in die Zentralbankpolitik sei noch verstärkt worden, als Erodgans Schwiegersohn Berat Albayrak an die Spitze des türkischen Finanzministeriums berufen worden sei. Als die Lira weiter abgestürzt sei und die Inflation angestiegen sei, habe die Zentralbank von angemessenen Reaktionen abgesehen. Der Handelsstreit mit den USA habe schließlich die Finanzkrise in der Türkei verschärft.

Die Experten würden meinen, dass es sich beim Ausverkauf der Lira um ein rein türkisches Phänomen handle. Die meisten Politiker in anderen Schwellenländern seien derweil nicht bestrebt, die Gesetze der Wirtschaft auf Kosten ihrer Bürger infrage zu stellen. Hoffen wir, dass die türkische Politik die Situation bald ändert, bevor sich der wirtschaftliche Schaden noch weiter ausdehnt, so Michiel Verstrepen, Volkswirt bei Degroof Petercam AM. (31.08.2018/ac/a/m)






 
Finanztrends Video zu


 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...