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Aussichten für Tech-Aktien im Jahr 2019: Game Over für den Tech-Sektor?




06.12.18 14:07
Candriam

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Angesichts der Verzweiflung der Anleger über den Absturz der Kurse von Technologieaktien in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 ist ein gewisser Abstand nötig, um den Technologiesektor zu bewerten, so Johan Van der Biest, Portfoliomanager des Aktienfonds Candriam Robotics and Innovative Technologies.

Trotz des Kursrückgangs in der zweiten Jahreshälfte habe der Technologiesektor 2018 mit den globalen Aktienmärkten Schritt gehalten, und die langfristigen Aussichten seien nach wie vor weitgehend positiv.

2018: Ein Jahr der zwei Hälften

Nach einem Jahrzehnt mit nahezu kontinuierlich steigenden Technologiekursen, unter anderem mit außerordentlichen Kursgewinnen der sogenannten FAANG-Unternehmen (Facebook (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX, Ticker-Symbol: FB2A, NASDAQ Ticker-Symbol: FB), Apple (ISIN: US0378331005, WKN: 865985, Ticker-Symbol: APC, Nasdaq-Symbol: AAPL), Amazon.com (ISIN: US0231351067, WKN: 906866, Ticker-Symbol: AMZ, Nasdaq-Symbol: AMZN), Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN 552484, Ticker Symbol: NFC, NASDAQ-Symbol: NFLX) und Google (ISIN: US02079K3059, WKN: A14Y6F, Ticker-Symbol: ABEA, Nasdaq-Symbol: GOOGL)), habe der Technologiesektor Mitte 2018 eine abrupte Abwärtswende vollzogen.

Warum? Mit dem Anstieg der langfristigen Treasury-Renditen über drei Prozent würden die Anleger allmählich über eine attraktive risikolose Alternative verfügen und angesichts der Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China hätten die Anleger begonnen, die Gewinnschätzungen in Frage zu stellen. Etwa zur gleichen Zeit seien die Anleger durch eine Reihe von Gewinnwarnungen von Halbleiterunternehmen aufgeschreckt worden, und Apple habe seine Zulieferer gewarnt, ihre Umsatzerwartungen für das neueste iPhone zu senken. Hinzugekommen sei die wachsende - allerdings von den Marktsignalen nicht untermauerte - Besorgnis über eine künftige Rezession. Schon ergebe sich ein perfekter Sturm der Technologieängste.

Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass die Korrektur etwa 15 Prozent betragen habe. Das sei kein Crash und definitiv nicht mit der vom Technologiesektor angeführten Talfahrt des Jahres 2000 zu vergleichen.

2019: Geopolitik und Fundamentaldaten

Ein Reset sei unvermeidlich gewesen, da die Erwartungen an die Technologieunternehmen nicht nachhaltig gewesen seien. Dieser finde derzeit statt: Den Prognosen zufolge würden die Gewinne der Technologieunternehmen 2019 um eine moderatere hohe einstellige Zahl steigen, mehr oder weniger im Einklang mit den breiteren Märkten.

Der vielleicht wichtigste Impulsgeber im Jahr 2019 dürfte der Handelskrieg sein. Die Zölle würden sich direkt auf die Umsatzerlöse auswirken. Aber es gebe auch indirekte Effekte, denn viele chinesische Unternehmen würden Investitionen aufschieben. Dies belaste die Gewinne von US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen.

Eine längerfristige Folge sei, dass China gezwungen werde, seine eigene Halbleiterindustrie zu entwickeln. Unternehmen wie Tencent (ISIN: KYG875721634, WKN: A1138D, Ticker-Symbol: NNND, Hong Kong: 0700.HK) würden bereits mit der Entwicklung von Chips für künstliche Intelligenz beginnen. Wenn China gegenüber den USA aufhole, könnte sich dies mittel- bis langfristig auf die Gewinne von US-Halbleiterunternehmen auswirken. Kurz gesagt: Jeder Waffenstillstand zwischen den USA und China wäre eindeutig positiv für Technologieaktien.

Ein weiterer wichtiger Faktor sei das Wirtschaftswachstum. Technologieaktien würden als Erste unter einer Rezession und einer Verlangsamung des IT-Gewinnwachstums leiden, da die Anleger auf defensive Vermögenswerte umsteigen würden. Im Basisszenario von Candriam werde 2019 jedoch kein Rezessionsjahr.

Der dritte wichtige Treiber - der auch das langfristige Technologiewachstum antreibe - sei das Vordringen innovativer Technologien.

Welche Technologien würden die meisten Früchte tragen?

Candriam rechne mit Fortschritten im Internet der Dinge, während 5G (die fünfte Generation der Mobilfunkkommunikation, die einen geringeren Energieverbrauch, kürzere Latenzzeiten, eine massive Vernetzung unter den Geräten und höhere Datenraten bieten solle) ebenfalls im Jahr 2019 eingeführt werden sollte. Derzeit befinde sich 5G bei einigen Betreibern in der Testphase. Die breitere Einführung der Technologie dürfte dies jedoch vorantreiben.

Die Entwicklungen beim autonomen Fahren und bei Elektrofahrzeugen behalte Candriam ebenfalls aufmerksam im Auge. Das Wachstum von elektrischen und autonomen Fahrzeugen gehe mit einem parallelen Wachstum bei Halbleitern einher, auf die sie angewiesen seien.

In Bezug auf soziale Medien, die nicht angemessen auf Kritik wegen des Datenschutzes und Manipulationen reagiert hätten, sei Candriam etwas weniger zuversichtlich. Obwohl viele dieser Werte nach der Korrektur potenziell ein signifikantes Aufwärtspotenzial aufweisen würden, könnte das Wachstum im Bereich soziale Medien von der künftigen Regulierung und Rechtsstreitigkeiten behindert werden.

FAANGs seien keine wichtigen Werttreiber mehr

Es sei darauf hinzuweisen, dass die Geschäftsmodelle der FAANGs allmählich in die Jahre kommen und eine Verlangsamung ihres Umsatzwachstums zu erkennen sei. Bisher sei Alphabet (Google) pro Jahr um 20 Prozent gewachsen und Facebook um erstaunliche 45 Prozent. Ein klares Zeichen des nachlassenden Wachstums sei jedoch, dass für Facebook nur ein Wachstum von 35 Prozent im Jahr 2018 und 25 Prozent 2019 prognostiziert werde.

Die FAANGs würden zwar 2019 immer noch wichtig sein. Candriam sehe sie jedoch nicht mehr als entscheidende Treiber der Evolution in der Branche an.

Fazit

IT bleibe eine attraktive Anlagechance. Die Branche werde weiter von der zunehmend schnelleren Einführung weltverändernder neuer Anwendungen angetrieben, wie dem Internet der Dinge, fortschrittlicher Robotertechnik, 5G und OLED (Organic Light Emitting Diode), also organische Leuchtdioden. Anleger sollten die Entwicklung des Zollkriegs, des globalen Wirtschaftswachstums und der Regulierung für soziale Medien aufmerksam beobachten. Diese Faktoren dürften die größten kurzfristigen Auswirkungen auf den Sektor haben. (06.12.2018/ac/a/m)






 
 
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