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Ausblick für 2020: Chancen und Vorsicht in unsicheren Zeiten




03.12.19 15:05
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Anleger in aller Welt sehen sich außergewöhnlichen wirtschaftlichen, politischen und finanziellen Marktbedingungen gegenüber, wodurch die Welt in eine gefährliche Phase abgleiten könnte, so Michael Hasenstab, Chief Investment Officer, Templeton Global Macro.

Besonderes Augenmerk richte Michael Hasenstab vor allem auf die folgenden Problemfelder: (1) zunehmende geopolitische Gefahren sowie Handelsspannungen; (2) sich ausbreitender Populismus und stärkere politische Polarisierung; (3) unbeschränkte Defizitfinanzierung in Industrieländern; (4) unterschätzter Inflationsdruck in den USA; sowie (5) niedrige Leitzinsen, die die Anleger in riskantere Anlagen treiben und somit in vielen Marktsegmenten zu Überbewertungen führen würden. Er betrachte das neue Jahr als eine Zeit möglicher Unsicherheiten, aber auch bedeutender Anlagechancen für die Investoren. Seiner Meinung nach sollten sich die Anleger auf die Herausforderungen des Jahres 2020 vorbereiten, indem sie sich auf Allokationen konzentrieren würden, die eine echte Diversifizierung gegenüber stark korrelierten Risiken in vielen Anlageklassen böten.

Momentan herrsche starke Uneinigkeit darüber, welche wirtschaftlichen und politischen Paradigmen in der kommenden Generation vorherrschen würden. Die Annahmen würden von Kapitalismus bis hin zu Sozialismus, von Demokratie bis hin zu Autoritarismus reichen. Die Veränderung der strukturellen Machtverhältnisse zwischen den wichtigsten Akteuren der Welt erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines geopolitischen Ereignisses, das in einer Vielzahl von Bereichen wie Handel oder Militär eintreten und die Finanzmärkte empfindlich treffen könnte. Zwei bedeutende Beispiele dafür seien die in letzter Zeit zunehmenden Spannungen im Nahen Osten und die Streitigkeiten zwischen den USA und China. Die Geschichte zeige, dass Verlagerungen der Vormachtstellung oft Instabilität auf den Finanzmärkten mit sich bringen würden. Sie würden daher genaue Aufmerksamkeit verdienen.

Außerdem gebe es immer mehr populistische Regierungen, was - im Zusammenspiel mit der weltweiten Tendenz zur extremen Polarisierung - zu größeren Schwankungen in der Wirtschaftspolitik und ganz allgemein zu undisziplinierten Wirtschaftsstrategien führe. In den USA sei die Gesellschaft stärker gespalten, als es in der jüngeren Geschichte jemals der Fall gewesen sei, was eine starke Polarisierung der politischen Parteien zur Folge habe. Die Wirtschaftspolitik berufe sich zunehmend auf zum großen Teil unbewiesene wirtschaftliche Theorien, etwa auf die moderne Geldtheorie, wonach die Ausweitung der Haushaltsausgaben durch das Drucken von Geld finanziert werden sollte.

Diese populistische Welle bringe in den Industrieländern eine steigende Schuldenlast und die entsprechenden finanziellen Risiken mit sich. Die Defizitfinanzierung der USA habe bedeutend zugenommen: Das durchschnittliche Haushaltsdefizit der nächsten zehn Jahre werde 1,2 Bio. US-Dollar betragen, was 4,7% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspreche und eine massive Defizitfinanzierung durch US-Staatsanleihen erfordere. Die nationalistischen Parteien in Europa würden den zersplitternden Euroraum in ähnlicher Weise auf die Probe stellen. Sie würden den politischen Zusammenhalt herausfordern, der heute für die Haushaltsdisziplin notwendig sei und auch in Zukunft unverzichtbar sein werde, damit die Europäische Union Krisen gemeinsam durchstehen könne.

Wie würden die Zentralbanken reagieren? Die US-Notenbank (FED) und die Europäische Zentralbank (EZB) hätten sich noch vor einem Jahr mit Möglichkeiten zur Normalisierung der Geldpolitik beschäftigt. 2019 hätten sich jedoch sowohl die Fed als auch die EZB wieder in Richtung einer stärkeren geldpolitischen Lockerung bewegt. Die Weiterführung dieses lockeren geldpolitischen Ansatzes, ohne dass tatsächlich eine Krise eingetreten wäre, dränge die Anleger immer weiter zu riskanteren und weniger liquiden Investitionen. Die Welt sei inzwischen überflutet mit über 14 Bio. US-Dollar an negativ verzinsten Anleihen - sprich mit Wertpapieren, die eine Rendite von weniger als nichts einbringen würden. Da sich die Volkswirtschaften bei Versäumnissen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik immer stärker auf ihre Zentralbanken verlassen würden, seien Politikinstrumente, die einst als in höchstem Maße unkonventionell gegolten hätten, heute der Normalfall.

Die Kombination einer sehr lockeren Zentralbankpolitik mit einem stärker regulierten Bankensystem vervielfache das Kreditrisiko im Bereich der Schattenbanken. Dementsprechend würden die weniger transparenten Bereiche der US-Kreditmärkte seit zehn Jahren ein bedeutendes Wachstum verzeichnen. Dabei handle es sich um private Emissionen mit eingeschränkter Finanzberichterstattung und weniger strengen Kreditvereinbarungen. Die Jahre des billigen Geldes, von dem vor allem die Kreditnehmer profitieren würden, hätten die Disziplin auf den Märkten verwässert. So seien die Kreditgeber immer weniger in der Lage, auf angemessener Finanzberichterstattung und strengeren kreditsichernden Klauseln zu bestehen. All dies möge funktionieren, solange die Kreditmärkte wachsen würden. Doch sobald sich die Kreditbedingungen umkehren würden, würden die Kosten für Liquidität exorbitante Höhen erreichen. Die Experten würden beim Übergang ins Jahr 2020 wachsam gegenüber den Kredit- und Liquiditätsrisiken der globalen Anleihenmärkte bleiben und es für wichtig halten, dass sich die Anleger dementsprechend positionieren würden.

Angesichts der andauernden Spannungen zwischen den Weltmächten scheine die Wahrscheinlichkeit eines geopolitischen Ereignisses höher als seit mehreren Jahrzehnten. Außerdem würden Populismus und politische Polarisierung strategische Entscheidungen behindern, was ein erhöhtes Risiko für einen großen politischen Fehler zur Folge habe. Die massive Defizitfinanzierung in den Industrieländern höhle zudem viele der Ressourcen aus, mit denen auf einen zukünftigen finanziellen oder wirtschaftlichen Schock reagiert werden könnte. Auch der starke Rückgriff auf geldpolitische Instrumente als Mittel gegen jeden kleinen Rückschlag, den die Wirtschaft erleide, mindere die Wirksamkeit dieser Instrumente im Fall einer echten Krise.

Kurz gesagt: Es bestehe die Gefahr, dass sich die Industrieländer haushalts- und geldpolitisch vorausgegeben hätten, sodass Risikoanlagen extrem anfällig gegenüber einem Ereignis auf den Finanzmärkten würden. Angesichts dieser Risiken würden die Experten als sicher wahrgenommene Vermögenswerte für sinnvoll halten, insbesondere in Japanischem Yen, Norwegischer Krone und Schwedischer Krone.

Die niedrigen Renditen von US-Staatsanleihen würden den Experten angesichts steigender Defizitfinanzierung und höherer Schulden extrem anfällig gegenüber einem möglichen Zinsschock erscheinen. Mit Blick auf die außergewöhnlich angespannte Lage auf dem US-Arbeitsmarkt (zurückzuführen auf die restriktive Einwanderungspolitik und Unterbrechungen in den Lieferketten) werde ihres Erachtens zudem das Inflationsrisiko von den Märkten in bedeutendem Maße unterbewertet. Zusätzlich sei die Fähigkeit der FED in Gefahr, die sehr aggressiven Erwartungen der Märkte in Bezug auf Lockerungen der Geldpolitik zu erfüllen. Diese Erwartungen seien aber in die Zinsstrukturkurve der Staatsanleihen bereits eingepreist.

Ein Inflationsanstieg könnte die Märkte mit der schwierigen Aufgabe konfrontieren, sich mit einer geringeren Lockerung als erwartet zufriedengeben zu müssen. Die kurzfristigen Zinsen könne die FED zwar sehr wirksam steuern, aber den wirtschaftlichen und technischen Druck am längeren Ende der Kurve habe sie nicht immer unter Kontrolle. Die Experten würden erwarten, dass die Zinsstrukturkurve von US-Staatsanleihen in den kommenden Quartalen steiler werde, wenn die längerfristigen Renditen steigen würden. Nach Ansicht der Experten sollten die Anleger eine Diversifizierung gegenüber den Zinsrisiken der verschiedenen Anlageklassen erwägen.

Obwohl die Experten beim allgemeinen Ausblick für die Schwellenmärkte im Ganzen vorsichtiger geworden seien, würden sie weiterhin Spielraum für höhere Bewertungen bestimmter Länder bei bestimmten Alpha-Quellen erkennen. Sie würden weiterhin die risikobereinigten Renditen in bestimmten Bereichen der Märkte für auf Lokalwährungen lautende Staatsanleihen gegenüber den Kreditmärkten mit ausgereizten Bewertungen bevorzugen. Diese Chancen seien je nach Land und Risikoengagement extrem unterschiedlich, sodass eine sorgfältige Auswahl entscheidend bleibe. Insgesamt würden die Experten weiterhin eine Reihe lokaler Märkte erkennen, die höhere Renditen bringen würden und ihrer Einschätzung nach im kommenden Jahr die Rentenmärkte der Kernländer übertreffen dürften. (Ausgabe Dezember 2019) (03.12.2019/ac/a/m)






 
 
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