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Ausblick 2019: Potenzial für spätzyklische Kursgewinne bei europäischen Aktien




04.12.18 12:38
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - 2018 hat sich in jederlei Hinsicht als enttäuschendes Jahr für die europäischen Aktienmärkte erwiesen, so Dylan Ball, ACA Executive Vice President, Head of European Equity Strategies Templeton Global Equity Group.

Die lang erwartete spätzyklische Erholung der regionalen Märkte habe sich immer weiter hinausgezögert, da viele Anleger schneller wachsende US-Unternehmen bevorzugt und sich um die politische Lage in Europa Sorgen gemacht hätten. Nichtsdestotrotz würden die zugrunde liegenden Fundamentaldaten des Markts nach Einschätzung der Experten auch weiterhin auf Potenzial für eine kurzfristige Erholung hindeuten. Die Unternehmensgewinne und Bewertungen in Europa hätten aus ihrer Sicht noch sehr viel Luft nach oben, während der Markt und der Konjunkturzyklus eine reifere Phase erreichen würden.

Die Experten von Franklin Templeton gehen davon aus, dass sich die Trends, die in den letzten Jahren dazu geführt haben, dass sich US-amerikanische Aktien stärker entwickeln als ihre europäischen Pendants, allmählich umkehren werden. Ultraniedrige Zinsen und Anleihenkäufe seitens der Zentralbanken hätten über Jahre hinweg zu Verzerrungen an den Märkten geführt, da hierdurch Aktien mit hohen Wachstumserwartungen begünstigt und Titel mit einem moderateren Wachstumsausblick abgestraft worden seien. Von diesem Trend hätten während der letzten Jahre vor allem große Technologiewerte in den USA profitiert. Zusätzlich verstärkt worden sei dieser Trend durch passive Anlageformen, da hierdurch mehr Kapital den Marktführern zufließe, während Werte mit sinkenden Kursen einen Kapitalabfluss verzeichnen würden. Dieser Prozess habe wenig mit Preisfindung und Bewertung zu tun, sondern sei nach Meinung der Experten sehr viel Stärker an Momentum und Trendfolge gekoppelt.

Die Experten von Franklin Templeton sind der Ansicht, dass diese Trends allmählich ein Ende finden, während die Zinsen in den USA steigen und die Zentralbanken beginnen, ihre außerordentlichen Anreizmaßnahmen zurückzufahren. Während weiter Liquidität abgezogen werde, sollten sich die Märkte einmal mehr auf Gewinne und Bewertungen konzentrieren. Da es unwahrscheinlich sei, dass sich das zuletzt in den USA vorgelegte Gewinnwachstum auch im Jahr 2019 fortsetze, könnte robustes Gewinnwachstum bei europäischen Unternehmen allmählich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Im Gegensatz zu den USA würden die europäischen Märkte eine größere Anzahl von Unternehmen umfassen, deren Gewinne empfindlich auf Zinssätze und Preiserhöhungen reagieren würden, wie etwa Banken und Rohstoffhersteller. Ein leichter Anstieg der Zinsen könnte beispielsweise positive Auswirkungen auf die Ertragslage von Banken haben, während sich die Vorteile höherer Rohölpreise allmählich in den Ergebnissen von Ölgesellschaften bemerkbar machen würden. Zudem könnten robuste Metallpreise europäischen Bergbaufirmen sowie den verschiedenen Unternehmen, die sie mit Ausrüstung und Dienstleistungen beliefern würden, Unterstützung bieten.

Des Weiteren seien die Bewertungen in Europa sehr viel attraktiver geblieben als in den USA. Die Unternehmen der Region seien zuletzt zu historischen Bewertungsabschlägen gegenüber ihren Pendants auf der anderen Seite des Atlantik gehandelt worden. So habe sich beispielsweise das rückblickende Kurs/Gewinn-Verhältnis in Europa allein in den letzten beiden Jahren halbiert, obwohl die Gewinne je Aktie zweistellig gestiegen seien.

Die Experten von Franklin Templeton sind der Ansicht, dass die Underperformance Europas teilweise auf wahrgenommene politische Risiken zurückzuführen ist, die insbesondere mit den Handelsspannungen, dem Brexit und der Lage in Italien zusammenhängen. Letzten Endes dürften diese Situationen ihrer Einschätzung nach jedoch jeweils ohne eine wesentliche Störung der globalen und europäischen Finanzmärkte beigelegt werden.

Die Experten würden davon ausgehen, das sich im Handelsstreit der USA mit China letzten Endes Pragmatismus durchsetzen sollte. Die beiden Seiten scheinen zwar weit voneinander entfernt zu sein, die Experten von Franklin Templeton glauben jedoch, dass sich die Trump-Regierung früher oder später auf eine Einigung einlassen wird. Die Beilegung dieses Konflikts sei für europäische Unternehmen wichtig, da sie stark auf den Export in die USA und Asien angewiesen seien.

Auch wenn in den Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union (EU) über die Bedingungen für den Austritt des Landes aus der Union zuletzt ein Durchbruch erzielt worden sei, dürfte die Unsicherheit nach Einschätzung der Experten hoch bleiben. Daher seien sie bezüglich des britischen Marktes weiterhin vorsichtig, insbesondere was inländisch orientierte Unternehmen anbelange. Sie würden den Markt während dieses laufenden Brexit-Prozesses als eine "Sondersituation" betrachten, die Anlegern mit dem richtigen Ansatz, Risikotoleranz und einem angemessenen Zeithorizont potenzielle Chancen eröffne.

In Italien gestalte sich die Lage ein bisschen schwieriger, insbesondere in Anbetracht der jüngsten Haushaltsverhandlungen zwischen der populistischen Regierung des Landes und der EU. Mit der vorgeschlagenen Anhebung seiner defizitfinanzierten Ausgaben zur Ankurbelung des Wachstums verstoße Italien gegen einige der Haushaltsvorschriften der EU.

Trotz der jüngsten Rhetorik glauben die Experten von Franklin Templeton allerdings nicht, dass dies zu einem Bruch zwischen Italien und Brüssel führen wird. Auf Basis der jüngsten Meinungsumfragen würden sie davon ausgehen, dass die meisten Italiener einen Verbleib des Landes im Währungsblock bevorzugen würden. Zudem würden sie kaum wirtschaftliche Argumente für eine Abspaltung sehen. Ganz im Gegenteil: Dank des starken Exportwachstums im dominanten Fertigungssektor im Norden des Landes genieße Italien sowohl einen Leistungsbilanz- als auch einen Handelsüberschuss, was nahe lege, dass es kaum Grund für eine wettbewerbsförderliche Abwertung der Währung gebe Darüber hinaus seien die Kreditkosten Italiens dank seiner Mitgliedschaft in der Eurozone sehr viel niedriger geblieben, als sie es wären, wenn das Land dieser Gruppe nicht angehören würde. Die italienische Politik könnte zwar auch weiterhin turbulent bleiben, nach Einschätzung der Experten dürfte dies jedoch keine gravierende politische Krise in Europa auslösen.

Sobald sich die Anleger bezüglich der politischen Verwerfungen und der Unsicherheit wieder beruhigt haben, dürften Fundamentaldaten aus Sicht der Experten von Franklin Templeton wieder wichtig werden, während der Zyklus in eine reifere Phase eintritt. Und da das Gewinnwachstum und die Marktbewertungen in Europa ihrer Ansicht nach im Vergleich zu anderen Regionen attraktiv seien, würden sie Potenzial für eine Erholung im Laufe des kommenden Jahres sehen. (Ausgabe Dezember 2018) (04.12.2018/ac/a/m)






 
 
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