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Kolumnist: Geldanlage-Report

Auf nach Amerika: Warum Trading mit deutschen Aktien immer schwieriger wird!




15.04.13 17:09
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de/


Lieber Geldanleger,


ich handle Aktien schon seit über zehn Jahren bevorzugt am US-Markt. In letzter Zeit merke ich, dass immer mehr Konkurrenz-Briefe umschwenken und sich stärker dem amerikanischen Aktienmarkt widmen.


Warum dieser Trend sich fortsetzen dürfte und Trading mit deutschen Aktien immer schwieriger wird...


Im Rahmen meiner täglichen Recherchen nach deutschen Trendwerten führe ich eine Top-Liste mit den 100 besten Performern am deutschen Aktienmarkt. Über meinen Broker, Interactive Brokers, habe ich damit alle Werte ständig mit Echtzeitkursen im Blick, die in den letzten 52 Wochen deutlich zugelegt haben. So entgeht mir keine Kursrakete mehr - und meinen Lesern beim Trend Trader und Nebenwerte-Trader natürlich auch nicht!


Zuletzt ist mir dabei aufgefallen, dass die Handelsvolumina bei deutschen Nebenwerten immer mehr austrocknen. Beispiele gefällig: Pulsion Medical, nach vier Handelsstunden am Freitag 939 Stück gehandelt, Teles 220 Stück (bei einem Kurs von 0,36 Euro ist das quasi null Umsatz), Adler Real Estate 475 Stück, Alphaform 36 Stück, Dresdner Factoring 60 Stück, Marseille Kliniken 208 Stück. Selbst beim TecDAX-Kandidaten Nemetschek sind bis zum Mittag gerade mal 2.824 Stück gehandelt worden.


Dabei läuft der aktuelle Bullenmarkt ja bereits seit über vier Jahren, die Umsätze sollten also nahe zyklischer Hochs sein. Das Gegenteil ist der Fall!


Die Folgen für ambitionierte Privatanleger, die ihr Depot selber in die Hand nehmen und gerne auch mal etwas größere Positionen eingehen, sind gravierend. Die fehlenden Volumina führen zu höheren Spreads. Bereits kleinere Orders katapultieren die Kurse zehn Prozent und mehr ins Plus oder ins Minus. Ein sinnvolles Positionsmanagement via Stopp-Loss wird quasi unmöglich.


Aber auch für Fonds, die in mittelgroße und kleinere deutsche Werte investieren, steigen die Kosten. Auch sie haben mit den hohen Differenzen zwischen An- und Verkaufskurs zu kämpfen, die letztlich auf Kosten der Rendite gehen. Viele fundamental und charttechnisch attraktive Aktien können die Fonds wegen der fehlenden Marktliquidität gar nicht mehr kaufen.


Die Strategie, die eigenen Käufe streng zu limitieren und sich am unteren Ende der Handelsspanne auf die Lauer zu legen, um eine günstige Ausführung zu erhalten, geht ebenfalls immer seltener auf. Automatische Tradingbots der Market Maker sorgen dafür, dass deren Gebot automatisch knapp über dem eigenen Kauflimit liegen und daher zuerst bedient werden.


Ebenfalls nervig sind ausbleibende Ausführungen selbst wenn man bereit ist, den Briefkurs zu bezahlen. Dann wird einfach kurzfristig der Kurs nach oben gezogen und der Privatanleger schaut in die Röhre.


So ist eine Abwärtsspirale in Gang gekommen. Durch die beschriebenen Praktiken werden immer mehr Trader frustriert und wandern ab. Die Handelsumsätze werden noch niedriger und das Problem verschärft sich. Hinzu kommt, dass die Handelsgebühren in Deutschland in den letzten Jahren ebenfalls deutlich gestiegen sind. Auch bei Billiganbietern warten oft versteckte Kosten auf die Anleger.


Natürlich kann man sich als Anleger auf Standardwerte aus dem DAX und dem MDAX beschränken, aber hier ist es wesentlich, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen, weil die Marktineffizienzen sehr gering sind. Zudem sind die Bewertungsniveaus beispielsweise im MDAX exorbitant hoch.


Trader- und Firmenparadies USA


Wer es mit seinen Aktieninvestments wirklich ernst nimmt, flüchtet daher in die USA. Eine unglaubliche Auswahl an Werten (rund 8.000 börsennotierte Aktien) mit überwiegend hohen Handelsvolumina, niedrigen Spreads, sehr niedrigen Ordergebühren (sofern man sich für Interactive Brokers, Lynxbroker oder andere auf Trading spezialisierte Broker entscheidet) und spannenden Unternehmensstories (siehe auch Teil 2 des heutigen Updates) locken die Anleger nach Übersee.


Interessanterweise ist das aktuell nicht nur bei Aktieninvestoren der Fall sondern auch bei Unternehmen. Beispielsweise bietet Texasbillige Energie, Meereszugang (Golf von Mexiko) und eine wirtschaftsfreundliches Umfeld mit niedrigen Steuern. Europäischen Konzernen wird quasi der rote Teppich ausgelegt.


Jüngstes Beispiel ist der Linzer Stahlkonzern voestalpine, der in Corpus Christi eine halbe Milliarde Euro investiert. Gebaut wird ein hochautomatisiertes Werk, in dem Stahl aus Eisenschwamm produziert wird. Das ist kostengünstiger und umweltfreundlicher als herkömmliche Produktionsverfahren. Statt Koks kommt dabei übrigens Erdgas zum Einsatz.


Apropos Erdgas: Während Europa noch überlegt, ob Fracking verboten wird oder nicht, startet die USA durch und senkt seine Energiekosten dramatisch durch billiges Gas (lesen Sie hierzu auch die Geldanlage-Report-Ausgabe vom 09. Februar 2013).


Umgekehrt schrecken US-Investoren immer mehr vor Europa zurück. Der US-Reifenhersteller Titan International weigerte sich vor Kurzem eine Fabrik im sozialistischen Frankreich zu übernehmen. Titan-CEO Maurice Taylor klagte nach einem Werksbesuch, dass die Nettoarbeitszeit französischer Arbeiter nur noch bei drei Stunden pro Tag liege. Diese Aussage mag überzogen sein, einen Funken Wahrheit enthält sie aber mit Sicherheit.


Dass wir uns nicht falsch verstehen: Das Problem sind nicht französische Arbeiter und Angestellte sondern falsche Anreize des Staates, die dafür sorgen, dass sich Leistung nicht mehr lohnt. In Deutschland würde eine Regierungsbeteiligung der Linken höchstwahrscheinlich zu ähnlichen Entwicklungen führen.


Auf den Punkt gebracht: Europa muss aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren.


Enorme Wirtschaftsmacht


Gegen die amerikanischen Weltkonzerne wie Apple, Google, Microsoft, Visa, MasterCard, Coca-Cola, McDonalds oder General Electric sehen deutsche DAX-Unternehmen ohnehin fast wie Zwerge aus. 50 Prozent der Weltmarktkapitalisierung aller Aktien entfallen immer noch auf die USA.


Der wieder auflebende Immobiliensektor sorgt indirekt für eine höhere Kaufkraft der Verbraucher, weil die privaten Vermögen steigen. Während Kommunen und Bundesstaaten auch in den USA unter einer hohen Schuldenlast ächzen, sind die Verschuldungen bei den Unternehmen rückläufig. Letztere sind so produktiv wie nie zuvor.


Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 15,8 Billionen US-Dollar in 2012 ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten immer noch die größte Volkswirtschaft der Welt. In globalen Krisensituationen schaut die Welt nicht nur wegen der politischen Vormachtstellung nach Amerika, auch die Geldströme weisen dann wieder in Richtung Übersee.


Das hängt mit der Strukturierung der privat organisierten Pensionskassen in den USA zusammen, das heißt es fließt vor allem amerikanisches Kapital, das sich im Ausland befindet zurück. Dennoch spiegelt die dann regelmäßig wiederkehrende US-Dollar-Stärke auch das Vertrauen der Anleger in den Standort USA wider.


Der größte Trumpf für die Zukunft aber ist die auf Hochtouren laufende Reindustrialisierung. In zehn Jahren könnten die USA energieautark sein und damit die Abhängigkeit von arabischen Staaten, inklusive des daraus resultierenden Konfliktpotenzials, ad acta legen. Die Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit wäre gar nicht hoch genug einzuschätzen.


Auch im südlich gelegenen Mexiko tut sich einiges. Immer mehr nach Indien und China ausgelagerte Dienstleistungen werden zurückgeholt, weil durch das gestiegene Lohnniveau in den Emerging Markets Südamerika wieder konkurrenzfähig ist. Wegen des niedrigen Lohnniveaus und geringerer Transportkosten lassen auch viele Autobauer wieder in Mexiko produzieren.


Angesichts dieser Rahmenbedingungen sollte sich niemand über die erstklassige Entwicklung des US-Aktienmarktes wundern. Während der DAX bereits mehrmals an der 8.000er-Marke gescheitert ist, haben S&P 500 und der Dow Jones längst neue Allzeit-Hochs markiert.


Dennoch abschließend ein Wort der Warnung: Auch der US-Markt hat vier Jahre Bullenmarkt hinter sich und die Bewertungsniveaus sind insbesondere bei Technologie-Aktien teilweise sehr hoch. Bei der Auswahl der Einzelaktien sollte man derzeit also sehr selektiv vorgehen.


Leerverkäufe einfacher


Doch selbst, wenn der Bullenmarkt ein Ende findet und es kräftig abwärts gehen sollte, hat die USA für Aktieninvestoren einiges zu bieten. So lassen sich über Interactive Brokers die allermeisten US-Aktien ganz einfach shorten und das fast ohne Zusatzkosten. Sie können also bequem über einen längeren Zeitraum auf fallende Kurse setzen, ohne sich von Optionsscheinen, Hebelzertifikaten und den Bedingungen der jeweiligen Emittenten abhängig zu machen.


Sie brauchen sich nicht herumzuschlagen mit steuerlichen Besonderheiten (ausländischer) Investmentfonds oder mit anderen häufig komplex aufgebauten Derivaten. Stattdessen können Sie bequem und nur mit Aktien ihre eigenen Hedgingstrategien (Long/Short) entwickeln und umsetzen.


Apropos Steuer: Ein weiterer gewaltiger Vorteil ist der Wegfall der automatischen Gewinnbesteuerung. Sie können das ganze Jahr lang ihre erwirtschafteten Gewinne reinvestieren, ohne dass der Fiskus sofort im Rahmen der Abgeltungssteuer darauf zugreifen würde (wie es in Deutschland der Fall ist).


Sie können ihre Gewinne ganz einfach im Rahmen der Steuererklärung angeben. Das heißt: Sie können viel länger mit ihnen arbeiten und damit unter dem Strich höhere Renditen erzielen.


MEIN FAZIT:


- Während es hierzulande in den Mainstream-Medien en vogue ist auf die USA einzudreschen, bauen die Nordamerikaner ihre wirtschaftliche Vormachtstellung gegenüber Europa immer weiter aus.


- Die wirtschaftliche Stärke der USA ist nach wie vor enorm und die Energierevolution durch günstiges Erdgas wird die Vormachtstellung weiter ausbauen.


- Sie sollten zumindest einen Teil ihres Kapitals direkt in den USA investieren.


- Der US-Markt bietet eine größere Auswahl an Werten, eine hohe Liquidität, niedrige Spreads, niedrige Handelsgebühren und den Vorteil, dass der Staat keinen direkten Zugriff auf Tradinggewinne über die Abgeltungssteuer nehmen kann.



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