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Kolumnist: Feingold-Research

Apple – Tech-Riese lässt die Muskeln spielen




15.09.20 13:33
Feingold-Research

Im Kampf um Marktanteile und Einnahmen aus dem Geschäft mit Apps spielt Apple seine exponierte Marktstellung aus. Bislang blieb der Konkurrenz nichts übrig, als die Politik des iPhone-Herstellers hinzunehmen. Die Aktionen Apples und die Gegenreaktionen der Konkurrenz haben zuletzt für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt. Der Streit entflammt sich an der Gebührenpolitik und der Nutzung persönlicher Nutzerdaten. Vontobel bietet unter der WKN VP7YGR eine Aktienanleihe in Zeichnung. 


 


App-Geschäft im Dauerwachstum

Seit der Vorstellung des ersten iPhone im Jahre 2007 sind Apps, die smarten Programme, die Smartphone-Usern den Alltag erleichtern sollen, Gegenstände des Alltags vieler Menschen geworden. Einkäufe erledigen, Video-Inhalte streamen oder Sport machen – Apps machen es möglich, dass man diese Dinge mit Hilfe seines Smartphones überall und zu jeder Zeit erledigen kann. Allein in Deutschland werden Prognosen zufolge dieses Jahr rund 2 Milliarden Euro durch das Geschäft mit Apps umgesetzt. Sollte sich diese Vorhersage bewahrheiten, würde die Marke von 1,6 Milliarden Euro, den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2019, um 25% gesteigert werden. „Der App-Markt ist im Dauerboom“, attestierte der Geschäftsführer des Digitalverbands Bitkom. Den größten Anteil des Gesamtmarktes an Apps für Smartphone-Benutzer machen Gaming-Apps aus. Sie erreichten die größten Umsätze. Inzwischen ist das Angebot an Apps aber stark ausdifferenziert. Es umfasst nahezu alle Lebensbereiche und Themen – von Bildung und Produktivität über Lifestyle und Reisen bis hin zu Fitness und Gesundheit. Neben der Entwicklung der Angebote hat sich auch die Art und Weise, wie App-Entwickler ihr Geld verdienen, gewandelt. Erlösten Entwickler in den ersten Jahren noch Gewinne durch die kostenpflichtigen Downloads der Apps, spielen diese heutzutage eine untergeordnete Rolle, da die meisten Apps kostenlos erhältlich sind. Auch die über Apps gestreute Werbung wird für Entwickler eine immer weniger wichtige Einnahmequelle. Der neue Erlösmotor der App-Entwickler heißt inzwischen In-App-Kauf. Die Nutzer zahlen dabei nach der Installation für die Bestellung zusätzlicher kostenpflichtiger Elemente. Große Beliebtheit haben bei Gaming-Apps beispielsweise kostenpflichtige Zusatz-Features, die die Stärke der Gaming-Avatare erhöhen oder ihre Darstellungsform verändert. Mehr als drei Viertel aller Umsätze – 1,55 Milliarden Euro – fallen inzwischen in die Kategorie der In-App-Käufe.


Streit über Erlösstrukturen aus Geschäft mit Apps

Der kalifornische Smartphone Hersteller Apple verlangt 30 Prozent der Umsätze, die App-Entwickler über die Plattformen des Unternehmens erzielen. Daran entzündete sich Mitte des vergangenen Monats ein Streit mit Epic Games, dem Entwickler des weltweit bekanntesten Spiels „Fortnite“. Grund des Streites ist das exorbitant gestiegene Geschäftsvolumen des App-Marktes. Epic Games war nicht mehr bereit, die hohen Gebühren an Apple abzutreten und will künftig mehr vom gestiegenen Gesamtvolumen des Marktes abschöpfen. Deshalb entwickelte man ein Update seiner App, das die Gebührenmechanismen Apples aushebeln sollte. Apple drohte damit, die Spiele des Entwicklers aus seinem App Store zu verbannen. Die Folge der Auseinandersetzung war eine öffentlich ausgetragene Debatte über den Einfluss großer Plattformen über die Regeln in der digitalen Welt, der sich kürzlich auch Facebook anschloss und Apples Gebühren-Politik kritisierte. Das Online-Netzwerk stellte am Wochenende eine neue Funktion vor: Die Möglichkeit, bei Facebook kostenpflichtige Veranstaltungen zu organisieren. Facebook versprach, dass die Unternehmer dabei nach dem Willen des Konzerns den gesamten Erlös bekommen sollen – außer von Nutzern auf Apples iPhones und iPads. Apple beharrt, aller Angriffe der Konkurrenz zum Trotz, auf der bestehenden 70% / 30% Gebührenpolitik.


Kampf der Tech-Unternehmen

Der Streit über die Gebührenpolitik der Apps aus dem App Store passt in den Verdrängungskampf der Tech-Unternehmen. In einer Zeit, in der die Nutzung der persönlichen Daten der Nutzer durch Apps und soziale Plattformen immer mehr öffentlich diskutiert wird und damit auch vermehrt ins Bewusstsein der Nutzer einprägt, hat Apple sich klar positioniert: «Wir verkaufen keine Nutzer-Daten” hat Apple-Chef Tim Cook zuletzt wiederholt versichert. Damit nahm man die Gegenposition zu den Konkurrenten Google und Facebook ein, deren Geschäftsmodell stark auf das Geschäft mit nutzerrelevanten Daten ausgelegt ist. Das für den Oktober geplante neue Apple-Betriebssystem iOS 14 soll nun von App-Betreibern verlangen, von Nutzern eine Zustimmung einzuholen, dass sie mithilfe eines Werbe-Trackers namens IDFA nachverfolgt werden. Diese Daten nutzt die Online-Werbebranche, um zielgruppenrelevante Werbung auszuspielen. Bisher hätten Nutzer dieses Tracking aktiv abschalten müssen, fortan müssten sie explizit zustimmen. Sollte Apple dieses Feature einbauen, hätte dies weitreichende Folgen: Analysten gehen davon aus, dass weltweit etwa 80 Milliarden USD ausgegeben werden, um Online-Werbung über Apps zu schalten. Facebook sieht nun einen Großteil des Geschäfts mit der Werbetreibenden-Branche durch Apples Beschluss gefährdet. Facebooks Dienst „Audience Network“, der von Nutzerdaten gespeist wird und Werbekampagnen, die auf Facebook und Instagram geschaltet werden, auf andere Apps ausweitet, würde empfindlich von Apples Plänen getroffen werden. Aus Sicht Apples ist dies ein strategisch intelligenter Schachzug, schwächt man damit einen Konkurrenten und wertet gleichzeitig die eigenen Werbeplätze auf. Mit diesem Schritt kann sich das iPhone-Unternehmen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.



 



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