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Kolumnist: Ralf Flierl

Apple: Gewinnwarnung durch „iVirus“?




20.02.20 14:40
Ralf Flierl


 
Gewinnwarnung mit Ansage



Diese Gewinnwarnung kam fast schon mit Ansage. Denn Bereits Ende Januar dominiert der Coronavirus die Nachrichten. Diverse Experten diskutieren daher seit Wochen, welche Folgen das Virus auf die Weltwirtschaft hat, schließlich legt es derzeit die „Fabrik der Welt“ weitestgehend lahm. Dass sich Apple* dieser Entwicklung völlig entziehen konnte, war also nicht zu erwarten. Apple steht fast schon mustergültig für die Arbeitsteilung der globalisierten Wirtschaft. In den Zulieferbetrieben des Unternehmens im Reich der Mitte dürften Millionen Menschen arbeiten, daneben erzielt das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino auch noch rund 40 Mrd. USD Umsatz in China. In den letzten Wochen ist die Produktion in einigen Fabriken zum Erliegen gekommen, die glamourösen Apple-Stores sind größtenteils geschlossen oder haben nur stundenweise geöffnet. Bereits Ende Januar hatte das Unternehmen bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen aufgrund der Situation in China daher eine ungewöhnlich breite Spanne die geplanten Umsätze im laufenden Quartal abgegeben (63 bis 67 Mrd. USD). Seit zwei Tagen ist nun klar, dass diese Prognose nicht zu halten ist. Zwar laufe die Produktion in China langsam wieder an, allerdings deutlich langsamer als zuvor angenommen. Erstaunlich ist jedoch vor allem, wie gelassen die Börse diese Nachricht aufgenommen hat. Als Apple vor etwas mehr als einem Jahr zum letzten Mal eine Gewinnwarnung ausgesprochen hat, gab die Aktie an einem einzigen Tag knapp 9% nach. Und dies nachdem sich der Titel zuvor bereits rund 30% vom Hoch abgegeben hatte. Danach passierte jedoch, was kaum jemand für möglich gehalten hatte.


Falsche Wahrnehmung



Apple setzte (mal wieder) zu einer Rekordjagd an und konnte vom Tief gesehen 135% zulegen – obwohl die Zahlen 2019 unter Strich sogar stagnierten. Dies dürfte an mehreren Faktoren gelegen haben: Apple baut massiv das hochmargige Servicegeschäft aus, statt einem Einbruch des iPhone-Absatz sieht es zuletzt nach neuen Rekordumsätzen aus. Im Herbst steht mit dem ersten 5G-iPhone eine völlig neue Generation an Geräten an, die sogenannten Wearables (Apple Watch oder AirPods) zeigen eindrucksvoll, wie groß der Lock-In-Effekt ist, den Apple bei seinen Kunden hat. Die Börse hat diese Gelddruckmaschine in der Vergangenheit vermutlich einfach falsch bepreist – nämlich als Elektronikkonzern, der seinen Zenit überschritten hat. Viel eher dürfte Apple jedoch wie eine Mischung aus einem Digitalkonzern und einem hochmargigen Konsumgüter- oder Luxusgüterhersteller anzusehen sein, dessen Netzwerkeffekt noch lange wirken könnte. Mit einem geschätzten 2021er KGV von etwas mehr als 20 ist die Aktie angesichts der Stabilität und der Ausichten noch immer relativ moderat bewertet. Nur zum Vergleich: Nestlé wird für 2021 ein KGV von 23,2 zugestanden. Natürlich wird der Coronavirus seine Spuren in den Zahlen des aktuellen Quartals hinterlassen, möglicherweise sogar im nächsten. Doch eine Aktie wird nicht anhand der Ergebnisse der nächsten sechs Monate bewertet, sondern der der nächsten Jahre. Und diesbezüglich hat die Börse in den letzten zwölf Monaten erneut so viel Vertrauen aufgebaut, dass dies kurzfristiger Gegenwind kaum zerstören kann.





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Goldvirus



In der letzten Woche gab es einige bemerkenswerte Einzelbewegungen an den Märkten. Nicht alles passt auf den ersten Blick zusammen. Zuletzt zeigten Edelmetalle eine erstaunliche Stärke, wobei hier insbesondere die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung eine Rolle gespielt haben dürfte. Im Moment ist schwer abzuschätzen, welche Spuren die Maßnahmen der chinesischen Führung zur Eindämmung des Covid-19-Virus in den Quartalsbilanzen der Unternehmen und auch darüber hinaus noch hinterlassen werden. China ist fest und auf vielfältigste Weise in die internationale Arbeitsteilung eingebunden und der teilweise Ausfall der dortigen Produktion wird von den Märkten mit erstaunlicher Gelassenheit hingenommen. Allerdings sollte man auch nicht erwarten, dass sich eine reale Situation immer direkt in Kursbewegungen übersetzen ließe. Eine entscheidende Rolle spielen neben der Bewertung durch die Marktteilnehmer auch deren Glaubenssätze, die ähnlich einem Vexierbild relativ ansatzlos kippen können. Auch kann man die Macht der Notenbanken gar nicht hoch genug einschätzen, denn gerade in dieser insgesamt kritischen Situation stehen sie Gewehr bei Fuß, um zumindest monetär jederzeit eine Entlastung der Märkte herbeizuführen. So wird dann letztlich doch verständlich, woher die Edelmetalle ihren frischen Schub bekamen: Während die Liquidität an den Aktienmärkten – trotz neuer Allzeithochs – per Saldo eher verhalten wirkte, verfielen Edelmetallinteressenten in einen kleinen Kaufrausch.


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Schwieriger ist es dagegen, sich auf die Stärke vieler Bankaktien einen Reim zu machen. Im noch jungen laufenden Jahr ist ausgerechnet die vielgeschmähte Aktie der Deutschen Bank* der mit Abstand stärkste DAX-Titel, und das sogar, obwohl die Kurse hier in den letzten Tagen wieder etwas abbröckelten. Selbst die Commerzbank konnte nach Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen einen kräftigen Satz nach oben machen. Diese Kursschübe wollen nicht recht zu einer epochalen europäischen Bankenkrise passen, deren Ausbruch einige Beobachter noch für dieses Jahr erwarten. Möglicherweise war es aber gerade die überwältigend und einseitig negative Stimmung zu Deutsche Bank & Co., die hier den Boden für steigende Kurse bereitete. Ganz im Sinne der Contrary Opinion bedarf es dann nur eines kleinen Funkens, damit sich ein regelrechtes Kursfeuerwerk entlädt. Wie nachhaltig diese Bewegung sein wird, lässt sich im Moment allerdings nicht seriös beurteilen. Man sollte sich angesichts der enormen Schubkraft aber davor hüten, die Sache vorschnell als reines Strohfeuer abzutun. Je länger Kurse steigen, desto mehr Argumente werden dafür dann auch gefunden.





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Zu den Märkten



Das hierzulande beherrschende Nachrichtenthema bleibt neben dem irrlichternden Parteiengeplänkel in Berlin und Erfurt der Verlauf des Covid-19-Ausbruchs in China. Zwar deutet die Nachrichtenlage aktuell auf etwas Entspannung, echte positive Nachrichten – also mehr als das bloße Ausbleiben weiterer Hiobsbotschaften – muss man aber weiter mit der Lupe suchen. Umso wackerer halten sich die Aktienmärkte, DAX inklusive. Denn der verläuft weiter über dem markanten Hoch aus dem ersten Quartal 2018 (vgl. Abb., blaue Waagrechte), wenn auch in einer negativ zu interpretierenden Keilformation (rote Begrenzungen). Zwar verunsicherte am Dienstag die Gewinnwarnung des Flaggschiffunternehmens Apple zunächst auch die Anleger hierzulande – der DAX eröffnete mit einem Abwärts-Gap –, aber schon heute ging man wieder zur Tagesordnung über. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob dieses Anlegerverhalten rational ist, aber man ist im Allgemeinen gut beraten, erst einmal zu akzeptieren, dass die Marktteilnehmer diese Nachricht insgesamt gut verdaut haben. Alleine, dass ein direkt betroffenes Gigaunternehmen die möglichen Konsequenzen quantifiziert, nimmt Unsicherheit aus der Lagebeurteilung. Das wiederum ist ein Wert an sich. Darüber hinaus hatte man wohl Schlimmeres befürchtet. Zumindest den Test dieser Momentaufnahme haben die Märkte bestanden. Nach und nach werden aber weitere Unternehmen ihre Anleger über die Konsequenzen der COVID-19-Epidemie informieren. Naturgemäß wird da nicht jeder Bericht positiv ausfallen. Denn Börse bleibt vor allem ein Spiel mit Erwartungen und die sind nach den Apple-Zahlen wieder positiver geworden, was leider im Gegenzug bedeutet, dass auch das Enttäuschungspotenzial gewachsen ist.


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Smart Investor 2/2020


Titelstory: Emerging Markets – zwischen Tradition und Moderne

Zyklen: Von der Kunst, die Märkte zu lesen

Cannabisaktien: Ist die Zeit nun reif für den Einstieg?

Schlüsselwährungen: Mehr als ein Bonmot:
„Geld regiert die Welt“



Fazit

Auf die Apple-Gewinnwarnung reagierte der Markt in Saldo mit Erleichterung – es hätte schlimmer kommen können …


Christoph Karl, Ralph Malisch




       

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