Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Zustimmung für die FED - Kopfschütteln über die EZB – Bund Future als sicherer Hafen




19.12.21 08:10
Redaktion boerse-frankfurt.de

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                    Wort "Anleihen" bilden, im Handelssaal

Die Uneinigkeit der Notenbanken schürt Unsicherheit am Anleihenmarkt. Der Bund Future als sicherer Hafen ist in dieser Woche gesucht. Mittelstandanleihen werden gemieden.



17. Dezember 2021. Frankfurt (Börse Frankfurt). In der Woche der Zinsentscheide richten die Anleger ihre Aufmerksamkeit auf die Beschlüsse von FED, Bank of England und EZB zu Leitzinse, Inflation und Tapering – Omikron rückt in den Hintergrund.


Die FED reduziert die Anleihenkäufe um 30 Milliarden US-Dollar monatlich und plant drei Zinserhöhungen für 2022. Die EZB dagegen weitet ihr Anleihenkaufprogramm aus. Zugleich lässt sie das Notfallprogramm PEPP auslaufen, streckt aber die Reinvestitionsphase. Die Inflationsprognose wurde angehoben, Zinserhöhungen zurückgewiesen.


„Überraschend“ erhöht die Bank of England die Zinsen, trotz Omikron, sie scheine „durch die Coronavirus-Pandemie hindurchzublicken“, kommentiert die Deutsche Bank in ihrem Markt-Update „Märkte am Morgen“. Eine Leitzinserhöhung der Bank of England sei zu Beginn der Woche „lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 30 Prozent eingepreist“ gewesen, nach starken Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten habe sich die Waagschale „auf eine Fifty-Fifty-Entscheidung hinbewegt“. Die Mehrheit von acht zu eins Stimmen des geldpolitischen Rates für eine Zinserhöhung von 0,10 auf 0,25 Prozent sei „umso überraschender“.


In der Vergangenheit seien die Notenbanken „weitgehend“ einig über geldpolitische Lockerungen gewesen – jetzt gehe die FED „deutlich offensiver vor“, kommentiert Tim Oechsner von der Steubing AG das Notenbank-Geschehen. „Die Uneinigkeit schürt Unsicherheit bei den Anlegern.“ Der Bund Future sei als „sicherer Hafen gesucht“. Er gewinnt auf Wochensicht 30 Ticks. Die Rendite fiel im Wochenvergleich von -0,34 auf -0,37 Prozent.


Wie üblich seien auch US-Treasuries beliebt, so Oechsner, mit ihrem Mix aus Verzinsung, Stückelung und ohne Ausfallrisiko. Hier fiel vor allem ein zehnjähriges US-Papier mit 1,25 Prozent Kupon (US91282CCS89) auf. Oechsner sieht Umsätze im 10-jährigen Bereich bei 1,40% Rendite „auf beiden Seiten“, insbesondere, seitdem die FED „für mehr Klarheit in Bezug auf ihren zukünftigen geldpolitischen Kurs“ gesorgt habe.


Oechsner

Oechsner


Allerdings sei, so Oechsner, die Liquidität bei den Anleihen „mit zunehmender Nähe zu den Weihnachtstagen und dem Jahresende weiter gesunken“. Die Bid-Offer Spreads in der Preisquotierung seien „entsprechend breiter“, das Handeln sowohl auf der Geld- wie auf der Briefseite „entsprechend schwieriger“.


„Über die Entscheidung der EZB, aber insbesondere über die Inflationserwartungen von nur noch 3,2 Prozent 2023 darf man geteilter Meinung sein“, kommentiert Arthur Brunner von der ICF Bank. Trotzdem hielten sich die Märkte gut. „Selbst wenn die EZB zögert, der Tiefpunkt im Zinsbereich ist erreicht.“


2022 Verbesserungen der Geschäftsklimaindikatoren erwartet


Der zum sechsten Mal gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex hatte am Anleihenmarkt keine Auswirkungen. „Der Bund Future ist kaum verändert bei 174,30“, sagt Brunner. Angesichts der Rückgänge beim ZEW- und Einkaufsmanager-Befragungen sei der Rückgang im ifo-geschäftsklimaindex „nicht verwunderlich“, kommentiert Ralf Umlauf von der Helaba. Er deute „aber dennoch auf ein Nachlassen der wirtschaftlichen Erholungsdynamik“ hin. Coronamaßnahmen, Lieferkettenprobleme und hohe Preissteigerungen seien Belastungen, doch Umlauf erwartet Besserungen: „Im kommenden Jahr, wenn die Probleme an Bedeutung verlieren sollten, dürfte sich die konjunkturelle Entwicklung aber wieder beschleunigen. Verbesserungen der Geschäftsklimaindikatoren sollten dann ins Kalkül gezogen werden.“


Nach einer weiteren Zinssenkung durch die türkische Notenbank und Rekordtiefs der türkischen Lira kaufen Anleger Anleihen auf die türkische Währung. „Hier erwarten die Marktteilnehmer wohl Einsicht von staatlicher Seite nach der immensen Abwertung der Lira und setzen auf eine Gegenbewegung“, kommentiert Brunner. Am Freitag intervenierte die türkische Zentralbank am Devisenmarkt. „Die Marktteilnehmer fürchten wie schon 2001 angesichts der immer neuen Rekordtiefs der Türkischen Lira und der hohen Verschuldung des Landes eine weitere Türkei-Krise“, fasst Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Stimmung zusammen. Umsätze registriert er dennoch – sowohl auf Kauf- wie auf Verkaufseite: „Einige engagieren sich neu, andere ziehen die Reißleine.


Käufe verzeichnet Brunner bei den ICF Bank-Kunden in einer Nachrang-Anleihe Baden-Württembergs (DE000LB2CPE5) mit Mindestanlagesumme 200 Euro. Daniel verbucht kleine Umsätze in Titeln die von der European Investment Bank begeben wurden (<XS1807207581), (XS1861204938). Insgesamt überwögen jedoch Verkäufe.


Mittelstandstitel gemieden – Ausfälle und Negativschlagzeilen


Der Markt für Neuemissionen sei weiterhin „relativ ruhig“, sagt Brunner. Viele Marktteilnehmer hätten ihre Bücher bereits geschlossen. Ausfälle und weitere Negativ-Meldungen ließen jedoch trotzdem Käufer von Mittelstandsanleihen zurückschrecken: „Die große Mehrheit sind Verkäufer, im ganzen Sektor ist Vorsicht angesagt“, erklärt Brunner. So war die Deutsche Lichtmiete wegen Betrugsverdachts ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Deren Anleihen wie ein bis 2023 laufendes Papier mit 5,75 Prozent Kupon (DE000A2G9JL5) brachen auf unter 20 Prozent ein.


Verluste auf Wochensicht registrieren Anleger von FCR Immobilien (DE000A2TSB16). Zuletzt notiert das Papier unverändert bei 97,50 Prozent. „Der Kurs ist schon seit geraumer Zeit im Rückwärtsgang“, kommentiert Gregor Daniel. Die Umsätze seien „eher dürftig“. „Das würde ich eher als „Käuferstreik“ bezeichnen.“


Oechsner bestätigt eine „stabile Kursentwicklung und Retailnachfrage“in der Anleihe des Fintechs 4Finance mit 11,25 Prozent Zins und Fälligkeit 2025 (<XS1417876163>). 4finance ist Anbieter von mobilen und Online-Verbraucherkrediten. Die Anleihe handelt bei ca. 104% und findet entsprechend mehr Käufer als Abgeber.


Aves One, Investor in langlebige Rail-Assets, fokussiert auf Güterwagen für die Schiene und Wechselbrücken für die Straße kündigte u.a. die mit 60 Millionen Euro ausstehende Anleihe (DE000A289R74) mit 5,25 Prozent Kupon und Laufzeit 2025 zum 28.02.2022 zu 100,00%. „Entsprechend notiert die Anleihe nach Ankündigung um 100% nach 101,90%.“


Der Immobilienprojektentwickler Henri Broen plant nach eigenen Angaben einen IPO im Aktienbereichnoch 2021. Die Folge: Kursverluste in der 25 Millionen Euro großen Anleihe (DE000A283WQ2), bei relativ dünnen Umsätzen, von ca. 94 auf 80 Prozent. Oechsner sagt, es gab „mehr Verkäufer als Käufer zu niedrigeren Limits“. Zuletzt erholte sich das Papier und steht bei 83 Prozent.


Nach starker Erholung korrigieren Ekosen-Anleihen (DE000A2YNR08) (DE000A1R0RZ5) wieder.


von: Antje Erhard, 17. Dezember 2021, © Deutsche Börse




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