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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen-Rückblick 2017: Noch ein Jahr der Zentralbanken




31.12.17 10:10
Redaktion boerse-frankfurt.de

Im zu Ende gehenden Jahr gaben abermals EZB und Fed den Takt vor. Während sich Griechenland am Kapitalmarkt zurückmeldete, sorgte die Pleite Venezuelas für Furore.


 


Am Anleihemarkt wird auch das Jahr 2017 als Jahr der Notenbanken und der Niedrigzinsen in Erinnerung bleiben. "Mario Draghi hat das Heft weiter fest in der Hand", kommentiert Arthur Brunner von der ICF Bank. "Außerdem hat sich dieses Jahr gezeigt, dass - im Gegensatz zu den Notenbanken - die Politik keinen Einfluss auf die Märkte hat", ergänzt der Händler mit Blick auf die zahlreichen politischen Ereignisse, die von den Märkten gelassen hingenommen wurden.


 


Von einer Zinswende kann in Europa weiterhin nicht die Rede sein: Ab Januar wird das Volumen der monatlichen EZB-Anleihekäufe zwar von 60 auf 30 Milliarden Euro verringert. Ob das Kaufprogramm im September 2018 aber wirklich auslaufen wird, ist ungewiss, eine erste Zinserhöhung wird am Markt erst für 2019 erwartet. Etwas gestiegen sind die langfristigen Zinsen auf Jahressicht aber schon: Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell 0,42 Prozent ab nach 0,21 Prozent vor einem Jahr. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future liegt zum Jahresende bei 161,73 Prozent, vor einem Jahr waren es 164,15 Prozent.


 


Bei den Renditen zehnjähriger US-Treasuries hat sich zwar nicht viel getan, diese liegen aktuell mit 2,42 Prozent sogar etwas niedriger als vor einem Jahr. Klar gestiegen sind aber die Renditen zweijähriger US-Anleihen, und zwar von 1,19 auf 1,85 Prozent. Die Fed hat in diesem Jahr den Leitzins dreimal angehoben: im März, Juni und zuletzt im Dezember.


 


Griechenland-Zinsen auf Mehrjahrestief


 


Unterdessen scheint die Griechenland-Krise endgültig überwunden - jedenfalls am Kapitalmarkt. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen liegt nur noch bei 4,12 Prozent - das ist der tiefste Stand seit Ausbruch der Krise. Zum Vergleich: Noch im Sommer 2015 waren es 14,6 Prozent. Auch Papiere mit anderen Laufzeiten erholten sich deutlich: Der Kurs der 2023 fälligen Anleihe mit Kupon von 3 Prozent (WKN A1G1UA) kletterte von 81 Prozent Ende 2016 auf 97 Prozent aktuell.


 


Im Sommer gelang Griechenland zudem die Rückkehr an den Kapitalmarkt: Im Juli wurden mittels einer fünfjährigen Anleihe mit 4,625 Prozent Kupon insgesamt 3 Milliarden Euro eingesammelt. Im November bot das Land dann den Umtausch von 20 Anleihen in neue, festverzinsliche Papiere an, die liquider sein sollen. Die neuen Bonds haben eine Laufzeit von fünf bis 25 Jahren. Der Zinssatz variiert je nach Laufzeit zwischen 3,5 und 4,2 Prozent.


 


Venezuela-Bonds im Sturzflug


 


Für viel Aufregung sorgte in diesem Jahr die Staatspleite Venezuelas: Anfang November kündigte Präsident Nicolas Maduro eine Umstrukturierung der Auslandsschulden an. Die Umsätze mit Venezuela-Anleihen schossen in die Höhe, die Papiere verloren deutlich an Wert: "Es ist ein Blutbad", kommentierte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank damals. Die bis 2028 laufende Anleihe mit Kupon von 9,25 Prozent (WKN A0TU0G) fiel von 35 auf 22 Prozent, die mit Laufzeit bis 2027 und Kupon von 9,25 Prozent (WKN 195081) von knapp 39 auf 23 Prozent. Seitdem geht es unter Schwankungen seitwärts.


 


Zeichen des Anlagenotstands: hundertjährige Anleihen


 


Einige Länder nutzten die Tiefzinsära zur Ausgabe extremer Langläufer. "Normalerweise ist das ein Zeichen für eine Wende am Markt", kommentiert Brunner. So emittierte Österreich im September eine hundertjährige Anleihe (WKN A19PCG) und holte sich damit 3,5 Milliarden Euro für 2,1 Prozent im Jahr. Der Bond kam extrem gut an: Mittlerweile liegt der Kurs bei 105 Prozent.


 


In der Eurozone war Österreich das erste Land mit so lange laufenden Bonds. Zwar emittierten Belgien und Irland bereits 2016 solche Papiere - allerdings via Privatplatzierung, zudem waren die Emissionsvolumen mit jeweils 100 Millionen Euro klein. Eine "Methusalem-Anleihe" über 2,75 Milliarden US-Dollar brachte im Juni 2017 auch Argentinien auf den Markt und folgte damit Mexiko, dass bereits im April 2015 eine hundertjährige Anleihe emittiert hatte.


 


Viele neue Unternehmens-Bonds


 


Nicht ausgezahlt haben sich in diesem Jahr Anleihen in Fremdwährungen, wie Daniel erklärt. "Der Euro hat 2017 zum Beispiel gegenüber der türkischen Lira, dem südafrikanischen Rand, dem Neuseeland-Dollar, dem brasilianischen Real und auch dem US-Dollar zugelegt." Was die US-Währung angeht, rechnen viele Anleger aber offenbar mit einer Wende. Auf US-Dollar lautende Unternehmensanleihen werden immer beliebter, wie Petz berichtet. "Die machen gefühlt mittlerweile ein Viertel unseres Geschäfts aus, nach vielleicht 10 Prozent in den Vorjahren." Es werde auf einen wieder stärkeren US-Dollar gesetzt. "Außerdem sind die Kupons interessanter, die Stückelung ist mit meist 2.000 US-Dollar privatanlegerfreundlicher."


 


Pleiten überschatten den Markt


 


Einige Anleger wurden Brunner zufolge aber auch schon zu arglos. "Das zeigt der Fall Steinhoff." Die bis Januar 2025 laufende Anleihe des südafrikanisch-deutschen Möbelhändlers mit Kupon von 1,875 Prozent (WKN A19LXV), die Anfang Dezember noch bei knapp 90 Prozent gehandelt wurde, fiel aufgrund von Vorwürfen wegen fragwürdiger Bilanzierungspraktiken innerhalb kurzer Zeit auf 43 Prozent, aktuell sind es 47 Prozent.


 


Als "dramatisch" bezeichnet Petz die Pleite von Air Berlin (WKN AB100B, AB100L, AB100N). "Das hat viele Anleger getroffen. Es war doch immer gehofft worden, dass der Hauptaktionär Etihat einspringen wird." In der Tat hatte sich der Kurs der Anleihen in der Vergangenheit immer wieder erholt, nachdem die Golf-Airline neue Kredite vergeben hatte. Als Etihad aber die Reißleine zog und Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann Antrag auf Insolvenz in Eigenregie stellte, ging es rapide nach unten.


 


Stabilisierung bei Minianleihen


 


Nach vielen schwierigen Jahren scheint am Markt für Mittelstands- bzw. Minianleihen etwas Ruhe eingekehrt zu sein. "Der Markt ist nicht tot, es hat nur eine Bereinigung stattgefunden", meint Petz. Auch Brunner spricht von einer Marktbereinigung und einem Umdenken der begleitenden Häuser. "Aus Fehlern wurde gelernt." Eine Reihe von Emittenten konnte sich überraschend problemlos neu finanzieren, so etwa Eterna Mode (WKN A2E4XE), Hohmann (WKN A2E4NW) und Metalcorp (WKN A19MDV, A19JEV). "Auch unter den ‚alten’ Emittenten gab es positive Überraschungen", wie Brunner bemerkt: So sei die Anleihe von Travel24.com (WKN A1PGRG) im September voll zurückgezahlt worden. Mit der Pleite von Travel24-Hauptaktionär Unister waren die Zweifel daran zuvor groß gewesen.


 


Währungsanleihen kein gutes Geschäft


 


Nicht ausgezahlt haben sich in diesem Jahr Anleihen in Fremdwährungen, wie Daniel erklärt. "Der Euro hat 2017 zum Beispiel gegenüber der türkischen Lira, dem südafrikanischen Rand, dem Neuseeland-Dollar, dem brasilianischen Real und auch dem US-Dollar zugelegt." Was die US-Währung angeht, rechnen viele Anleger aber offenbar mit einer Wende. Auf US-Dollar lautende Unternehmensanleihen werden immer beliebter, wie Petz berichtet. "Die machen gefühlt mittlerweile ein Viertel unseres Geschäfts aus, nach vielleicht 10 Prozent in den Vorjahren." Es werde auf einen wieder stärkeren US-Dollar gesetzt. "Außerdem sind die Kupons interessanter, die Stückelung ist mit meist 2.000 US-Dollar privatanlegerfreundlicher."


 


Von: Anna-Maria Borse


29. Dezember 2017, © Deutsche Börse AG



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