Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Leichte, aber wacklige Stabilisierung




28.03.20 07:42
Redaktion boerse-frankfurt.de

image-4875

Der rapide Kursverfall von Unternehmensanleihen ist zwar erst einmal gebremst, der Markt bleibt aber hochvolatil. Staatsanleihen aus Europas Peripherie profitieren von den EZB-Anleihekäufen.



27. März 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wie am Aktienmarkt scheint auch der Anleihemarkt Boden gefunden zu haben – vorerst jedenfalls. Rainer Petz von Oddo Seydler spricht von einer „leichten, aber wackligen Stabilisierung“. „Das kann sich aber ganz schnell ändern.“ Dass es derzeit nicht weiter nach unten geht, liegt seiner Ansicht nach auch daran, dass jeder verkauft hat, der verkaufen will.


Das sieht auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank so. Er verweist außerdem auf die Anleihekäufe der EZB, die am gestrigen Donnerstag begonnen haben. „Alle Papiere, die die EZB kauft, sind schwer zu bekommen, alles was die EZB nicht kauft, schwer zu verkaufen.“ Die europäischen Notenbanker hatten als Notmaßnahme gegen die Corona-Krise das sogenannte Pandemic Emergency Purchase-Programm angekündigt: den Kauf von Anleihen im Volumen von 750 Milliarden Euro. Die bisherige Regel, dass die EZB maximal ein Drittel aller Staatsanleihen eines Eurolandes kaufen darf, wurde aufgehoben.


„Alles was die EZB nicht kauft, ist schwer zu verkaufen“


Notprogramm der EZB lässt Peripherie-Renditen fallen


Dass die enormen Mengen an neuen Staatsanleihen, die viele Länder – auch Deutschland – zur Finanzierung der Krisenmaßnahmen begeben wollen, am Markt gut ankommen werden, bezweifelt Daniel. „Wer will schon italienische Staatsanleihen kaufen?“, fragt er. Erstmal sorgte das Notprogramm der EZB aber für sinkende Renditen südeuropäischer Anleihen. Bundesanleihen sind zwar noch gefragt, aber nicht mehr so stark wie vor einigen Wochen. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt am Freitagmorgen bei minus 0,44 Prozent, vor einigen Wochen waren es noch minus 0,9 Prozent – ein Rekordtief.


Gregor Daniel

Daniel


Unterdessen geht die Diskussion um die sogenannten Corona-Bonds weiter, also gemeinsame Bonds der Eurozonenländer zur Finanzierung der Corona-Folgekosten. Kanzlerin Angela Merkel erteilte der Forderung allerdings eine klare Absage.


 „Spreads von bis zu 5 Prozentpunkten“


Die An- und Verkaufs-Spreads von höherverzinslichen Anleihen haben sich im Zuge der Krise deutlich ausgeweitet. „Wir sehen Spreads von bis zu 5 Prozentpunkten“, berichtet Gregor Daniel. Die fehlende Liquidität am Anleihemarkt wirkt sich im Übrigen auch auf Anleihe-ETFs aus. Auch dort sind die Spreads weit auseinandergegangen. „Die ETFs sind so liquide wie die Papiere, die sie abbilden“, bemerkte ETF-Händler Andreas Bartels diese Woche. „Die Liquidität der ETFs ist aber noch gewährt.“


Kräftiges Kursplus bei vielen Corporates


Hybridanleihen und Unternehmensanleihen besonders betroffener Branchen wie Luftfahrt und Autoindustrie haben sich Petz zufolge gut erholt. So war die Hybridanleihe der Lufthansa mit Kupon von 5,125 Prozent (WKN A161YP) vergangene Woche bei unter 60 Prozent gehandelt worden, jetzt sind es wieder 71 Prozent. Der Coco-Bond der Deutschen Bank (WKN DB7XHP) war auf 50 Prozent gefallen, aktuell sind es wieder 70,50 Prozent, Hybridanleihen von VW (WKN A1ZE21) steigen von 84 auf 98 Prozent.


Rainer Petz

Petz


Zu den wenigen Bonds, die Anleger derzeit noch kaufen, gehört laut Daniel etwa eine am 25. November fällige ThyssenKrupp-Anleihe mit Kupon von 1,75 Prozent (WKN A14J57). Auch er meldet Käufe von VW-Anleihen (WKN A2LQ6C). „Ich denke, dieser Konzern ist ‚too big to fail‘“, bemerkt der Händler. 


Klar erholt hätten sich darüber hinaus Papiere von Semper idem Underberg (WKN A2YPAJ) und Hapag-Lloyd (WKN A2GSC0). Bei der Otto-Anleihe (WKN A2LQ0B) würden die Kurse um 92 Prozent aber zum Ausstieg genutzt. „Einige Bonds, die Richtung 95 Prozent tendieren, auch Ekosem-Agrar (WKN A2YNR0) und DIC Asset (WKN A2NBZG), werden verkauft“, stellt Daniel fest. „Das ist für Anleger offenbar ein verkraftbarer Schaden.“


„Hoffnungen auf eine Rally bei Unternehmensanleihen verfrüht“


Nach Ansicht von Anleiheanalyst Cem Keltek von der Commerzbank sind Hoffnungen auf eine Rally bei Unternehmensanleihen übrigens verfrüht. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie würden die Unternehmen wohl noch einige Zeit belasten. „Die Welle von Rating-Downgrades steht wohl erst an ihrem Anfang, es sollte sogar zu einer beträchtlichen Zahl von Zahlungsausfällen kommen.“ Daher werde die Nachfrage der Investoren vorerst stark auf defensive Namen ausgerichtet bleiben.


von: Anna-Maria Borse, 27. März 2020, © Deutsche Börse AG




Disclaimer Inhalte des Onlineangebots Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes. 

Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht dafür, dass die folgenden Informationen vollständig oder richtig sind. Infolgedessen sollte sich niemand auf die hierin enthaltenen Informationen verlassen. Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden. 

Zum Handel an der FWB zugelassene Wertpapiere sowie Eurex-Derivate (mit Ausnahme des DAX®Future-, STOXX® 50 Future-, EURO STOXX® 50 Future-, STOXX 600 Banking Sector Future-, EURO STOXX Banking Sector Future- und Global Titans Future-Kontrakts und Eurex Zinssatz Derivaten) stehen derzeit nicht zum Angebot, Verkauf oder Handel in den Vereinigten Staaten zur Verfügung noch dürfen Bürger, die den US-amerikanischen Steuergesetzen unterliegen, diese Wertpapiere anbieten, verkaufen oder handeln. 

Die in XTF Exchange Traded Funds® gelisteten Fondsanteile sind zum Handel an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nutzer dieses Informationsangebotes mit Wohnsitz außerhalb von Deutschland weisen wir darauf hin, dass der Vertrieb der in XTF Exchange Traded Funds gelisteten Fondsanteile in diesem Land möglicherweise nicht zulässig ist. Die Verwendung der Informationen geschieht auf eigene Verantwortung des Nutzers. Verweise und Links Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Internetseiten ("Links"), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Autors liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Autor von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Autor erklärt daher ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf der verlinkten Seiten erkennbar waren. 

Der Autor hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der gelinkten/verknüpften Seiten. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. 

Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Mailinglisten. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist. Rechtswirksamkeit des Disclaimers Dieser Disclaimer ist ein Teil des Internetangebots, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern einzelne Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt. Einbindung von weiteren Inhalten Dritter Es ist möglich, dass innerhalb unserer Website Inhalte Dritter unter anderem im Form von sog. iFrames eingebunden werden. Die Anbieter dieser Inhalte werden technisch bedingt Ihre IP-Adresse erfahren, um ihre Inhalte an ihren Browser zu senden, eventuell Cookies setzen wollen oder Analyse-Tools einsetzen. Für den datenschutzgerechten Umgang mit ihren Daten sind diese Drittanbieter eigenverantwortlich. Zu den Kontaktmöglichkeiten des Anbieters, dessen Datenschutzbestimmungen und eventuell eingeräumte Widerspruchsmöglichkeiten verweisen wir auf das Impressum und die Datenschutzerklärung des jeweiligen Drittanbieters.




powered by stock-world.de




 

 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
98,29 € 98,50 € -0,21 € -0,21% 03.06./08:51
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000A2YNR08 A2YNR0 102,28 € 66,00 €
Werte im Artikel
86,49 plus
+2,23%
99,50 plus
+1,48%
104,30 plus
+0,16%
101,00 plus
0,00%
100,00 plus
0,00%
98,05 plus
0,00%
99,04 minus
-0,01%
103,89 minus
-0,07%
98,29 minus
-0,21%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
99,229 € 0,00%  02.06.20
Düsseldorf 98,00 € 0,00%  02.06.20
Frankfurt 98,98 € 0,00%  02.06.20
Hannover 97,50 € 0,00%  02.06.20
Berlin 98,29 € -0,21%  08:51
Hamburg 97,75 € -0,26%  08:04
München 96,75 € -0,26%  08:37
Stuttgart 97,60 € -0,91%  08:47
  = Realtime
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
Es ist noch kein Thema vorhanden.
RSS Feeds




Bitte warten...