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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Entspannungssignale




08.09.19 09:50
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Auf die neue italienische Koalition, die mögliche Brexit-Verschiebung und die angedachte Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen China und den USA reagieren Anleger mit Verkäufen von Staatsanleihen. Nach der Sommerpause refinanzieren sich Konzerne wie Siemens, Hochtief und Thyssen erfolgreich am Markt.


6. September 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Im Zeichen der Entspannung hinsichtlich politischer Baustellen treiben – zumindest kurzfristig - die Renditen für Staatsanleihen. Nach einem Rekordtief von minus 0,74 Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen am Dienstag bringen die Papiere am Morgen minus 0,59 Prozent Ertrag. Anleger reagieren mit Erleichterung auf die neue Regierung in Italien und die für Anfang Oktober geplante Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen China und den USA. Auch der mögliche Brexit-Aufschub bis Anfang nächsten Jahres und Meldungen über die Rücknahme des umstrittenen Auslieferungsgesetzes in Hongkong dürften Händler zufolge zur Beruhigung an den Finanzmärkten beigetragen haben.


US-Zinssenkungen erst später?


Die heute anstehenden US-Arbeitsmarktdaten könnten Wasser auf die Mühlen der Währungshüter sein, die für eine Pause bei den Leitzinssenkungen plädieren. Der am Mittwoch veröffentlichte ADP-Bericht hatte mit mehr neu geschaffenen Stellen als erwartet positiv überrascht. Ebenso legte der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe deutlicher als erwartet zu. „Durch die besseren Wirtschaftsdaten stehen die Notenbanker nicht so unter Druck, die Zinsen zu senken“, schätzt Arthur Brunner von der ICF Bank.


Die HSBC rechnet indes nach wie vor im September und Oktober mit weiteren Reduzierungen der Fed Funds-Rate um jeweils 25 Basispunkte. Einen Hinweis darauf wie die Zentralbanker geldpolitisch reagieren werden, könne bereits der am Abend anstehende Vortrag von Federal Reserve-Chef Jerome Powell in Zürich liefern.


Arthur BrunnerBrunner


Neuemissionen überschreiten eine Billionen Euro

Nach der Sommerpause erhöht sich die Zahl der Firmen, die sich über den Kapitalmarkt zu günstigen Konditionen refinanzieren. Wie gern Unternehmen derzeit die Finanzmärkte anzapfen, verdeutlichen die jüngsten Bloomberg-Zahlen. Demnach überstieg die Emission neuer Anleihen in Europa am gestrigen Donnerstag eine Billion Euro in diesem Jahr. Damit sei die Marke sechs Wochen früher als 2018 und zwei Wochen schneller als im Rekordjahr 2017 geknackt worden.


Siemens platziert erfolgreich vier neue Bonds

Unter anderem platzierte Siemens (WKNs A2R68J, A2R68K, A2R68L, A2R68M) vier neue Bonds mit Laufzeiten bis 2021, 2025, 2029 und 2024, wie Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank aufzählt. Während der deutsche Industriekonzern für die zwei- und fünfjährigen Anleihen keine Zinsen zahlt, kommt das zehnjährige Papier auf einen Kupon von 0,125 Prozent und der Bond mit 15-jähriger Laufzeit auf 0,5 Prozent.


Rainer PetzPetz


Hochtief mit zwei neuen Emissionen erfolgreich

Mittels zwei neuer Bonds sammelte Hochtief Petz zufolge in dieser Woche insgesamt 750 Millionen Euro am Markt ein. Für eine Anleihe mit einer Laufzeit bis 2027 (WKN A2YN2U) zahlt das Unternehmen jährlich 0,5 Prozent. Ein in 2031 fälliger Wert (WKN A2YN2V) ist mit einem Kupon von 1,25 Prozent ausgestattet. Die Anleihen sind durch den Emittenten vorzeitig kündbar.


Neue Thyssen-Anleihe beliebt


Privatanleger legten sich Brunner zufolge zudem gern einen neuen, insgesamt eine Milliarde Euro schweren Bond von Thyssen (WKN A2YN6V) ins Depot. Der in 1.000 Euro gestückelte Wert bringt einen Kupon von 1,875 Prozent und ist am 6. März 2023 fällig. Aktuell ist der Wert für 100,50 Prozent zu haben. Das Essener Unternehmen beschäftige sich derzeit gezielt mit dem Verkauf der Aufzugsparte, für den sich unter anderem die finnische Kone, Hitachi und Finanzinvestoren interessierten.


Eyemaxx und Euroboden mit neuen Bonds


Seit gestern bis voraussichtlich 19. September können Anleger eine neue fünfjährige Anleihe von Eyemaxx Real Estate (WKN A2YPEZ) zeichnen. Der Immobilienentwickler plant die Aufnahme von bis zu 50 Millionen Euro und bietet Anlegern dafür jährlich 5,5 Prozent Zinsen. Inhaber der am 31. März 2020 fälligen Anleihe des Unternehmens (WKN A12T37) mit einem Kupon von 8,0 Prozent können diese bis zum 13. September im Verhältnis eins zu eins in die neue Anleihe tauschen. Im Gegenzug dazu erhalten Investoren die aufgelaufenen Stückzinsen der Anleihe sowie zusätzlich 22,50 Euro je umgetauschter Anleihe in bar. Dies entspricht Eyemaxx zufolge einer Einmalzahlung von zusätzlich 2,25 Prozent.


Bis zu 40 Millionen Euro plant Euroboden über eine fünfjährige Anleihe (WKN A2YNXQ) ab dem 16. September einzusammeln. Der Bond bringt Anlegern jährlich ebenfalls 5,5 Prozent Zinsen, die halbjährlich ausgezahlt werden.


Bonds von Otto, FCR Immobilien und Ekosem-Agrar gefragt


Im Handel mit bestehenden Unternehmensanleihen registriert Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Nachfrage nach einer seit April handelbaren, siebenjährigen Anleihe von Otto (WKN A2TR80) mit einem Kupon von 2,625 Prozent. „Hier verbuchen wir Käufe und Verkäufe.“ Der aufgestockte Wert (WKN A2YN2Y) lande hingegen zumeist in den Depots.


Ebenso würde ein bis 2024 laufender Bond der FCR Immobilien (WKN A2TSB1) mit einer jährlichen Verzinsung von 5,25 Prozent immer mal wieder gekauft. Das gelte auch für eine unbesicherte, vorzeitig kündbare Ekosem-Agrar-Anleihe (WKN A2YNR0) mit einem Kupon von 7,5 Prozent. „Das Papier hat kein Rating“, erinnert der Händler.


von: Iris Merker


6. September 2019, © Deutsche Börse AG


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