Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Anleger blicken gespannt auf Jackson Hole




26.08.18 09:43
Redaktion boerse-frankfurt.de


Das derzeitige Treffen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzelite in den USA steht bei Investoren im Vordergrund. Es könnte Aufschluss über die künftige Geldpolitik in den Vereinigten Staaten liefern. Im Handel mit Unternehmensanleihen platzierte die Deutsche Bank erfolgreich Senior Preferred Bonds.


 


Vor dem heutigen Auftritt von Jerome Powell scheinen sich Bond-Anleger tendenziell zurückzulehnen. Im Rahmen des jährlichen Stelldicheins wichtiger Notenbanker mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in Jackson Hole wird der Chef der Federal Reserve nach Meinung von Arthur Brunner am Nachmittag mehr Klarheit über die erwartete Zinserhöhung im September schaffen. "Die Rede wird mit Spannung erwartet", schätzt der Händler der ICF Bank. Gleichzeitig werde Powell vermutlich etwaige Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Zentralbank aus dem Weg räumen. Diese habe Präsident Trump mit der Forderung eines niedrigeren Zinsniveaus in Frage gestellt.


 


Bei den Auslassungen des Zentralbankers zum Thema "Anforderungen an die Geldpolitik im Umfeld sich verändernder Rahmenbedingungen im Bankensektor und bei der Regulierung" werden Marktteilnehmer laut Brunner zudem ganz genau hinhören, ob es Hinweise auf einen Tempowechsel bei weiteren Zinserhöhungen geben wird. Viele rechneten bis Sommer 2019 mit vier Anhebungen des Fed Funds Rate-Zielbereichs um jeweils 25 Basispunkte auf 2,75 bis 3 Prozent. Für größere Reaktionen an den Zins- und Devisenmärkten bedarf es nach Ansicht der HSBC einer Änderung des aktuellen Dreimonatsturnus oder einer Andeutung des absehbaren Endes der graduellen Leitzinserhöhungen. Beides halten die Analysten der Großbank aufgrund der robusten US-Wirtschaft für wenig wahrscheinlich.


 


Italienische Staatsanleihen bleiben unter Druck


 


Die hohe Verschuldung Italiens ist Thema im Bond-Handel und sorgt für Abgabedruck italienischer Staatsanleihen, wie Gregor Daniel anmerkt. Statista listet die derzeitigen Schulden des Landes mit 129,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit dem anstehenden Haushalt für 2019 befürchteten Anleger eine weitere Aufstockung der Verbindlichkeiten. "Aktuell liegt die Rendite zehnjähriger Papiere bei 3,08 Prozent", berechnet der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Ertrag für Bundesanleihen gleicher Laufzeit käme zum Vergleich auf 0,34 Prozent.


 


Italienische Staatspapiere stehen seit geraumer Zeit auf der Abgabenseite. Bereits im Mai und Juni erreichten die Verkaufszahlen italienischer Bonds mit 34 und 38 Milliarden Euro laut Europäische Zentralbank Rekordwerte. "Jetzt signalisierte Donald Trump, er wolle Italien zukünftig mit dem Kauf von Bonds zur Seite stehen", weiß Daniel. Allerdings sei der US-Präsident nicht für seine Verlässlichkeit bekannt.


 


Erfolgreiche Emission von Senior Preferred Bonds


 


Nach der Sommerpause steigen laut Brunner die Neuemissionen. Ab kommende Woche werde ein Senior Preferred Bond der Deutschen Bank im Volumen von einer Milliarde Euro an der Börse Frankfurt handelbar sein. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren biete das Papier einen Kupon von 1,125 Prozent und komme in für Privatanleger bevorzugten Stücken von 1.000 Euro. Senior Preferred Bonds können hierzulande seit Juli emittiert werden und gelten durch ihre Vorrangigkeit im Insolvenzfall als besonders sicher.


 


Setzen auf die Erholung der türkischen Lira


Im Handel mit Fremdwährungsanleihen in türkischer Lira verbucht die ICF Bank ansehnliche Bewegung in beide Richtungen. "Unterm Strich nutzen spekulative Anleger das niedrige Niveau zum Einstieg", schätzt Brunner Feiertagsbedingt halte sich die türkische Währung gegenüber dem Euro um sieben Lira recht stabil.


 


Eine mit 1,75 Prozent verzinste Hochtief-Anleihe (WKN A2LQ5M) bewege weiterhin die Anlegergemüter. Die eingestürzte Brücke in Genua gehöre dem italienischen Straßenbetreiber Autostrade. Dieser wiederum gehöre zu Atlantia, die mit dem spanischen Albertis-Konzern und Hochtief fusionieren wollen.


 


Kaum Augen für Commerzbank-Bonds


 


Das Interesse an zwei neuen Commerzbank-Bonds hält sich Daniel zufolge bislang in Grenzen. Die teilstaatliche Bank habe diese Woche 1,75 Milliarden Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro über den Kapitalmarkt aufgenommen. Für eine fünfjährige Anleihe (WKN CZ40M2) biete die Commerzbank jährlich 0,5 Prozent, ein zehn Jahre laufender Wert (WKN CZ40M3) bringe 1,5 Prozent.


 


Abgabedruck registriert Daniel für griechische Anleihen, nachdem Hellas in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen worden sei.


 


von: Iris Merker


24. August 2018, © Deutsche Börse AG



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