Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Anleihen: Als wäre nichts gewesen




19.12.20 10:03
Redaktion boerse-frankfurt.de

Buchstaben die zusammen das
                    Wort "Anleihen" bilden, im Handelssaal

Nach dem alles überschattenden Pandemieschock im März stehen die Kurse vieler Bonds dank großzügiger Hilfen fast wieder auf dem Vorkrisenniveau. Ausfälle gibt es in diesem Jahr so wenig wie seit 20 Jahren nicht.



18. Dezember 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Pandemie und ihre Folgen für die Wirtschaft war und ist für Akteure an den Kapitalmärkten wohl ein Ereignis, das alles andere in den Schatten stellt. Mit dem Crash an den Aktienmärkten im März ging ein beispielloser Abverkauf von Anleihen jeder Bonität einher. „So etwas habe ich in meiner Zeit als Händler noch nicht erlebt“, beschreibt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. „Die Nerven vieler Anleger lagen komplett blank.“ Viele Verkaufsaufträge hätten damals nicht ausgeführt werden können. Der ganze Spuk habe etwa zwei Wochen gedauert.


Mit der Ankündigung massiver Hilfsprogramme hat sich die Lage dann beruhigt, wie Arthur Brunner von der ICF Bank feststellt. Regierungen, Brüssel und die Europäische Zentralbank steuern seitdem mit viel Liquidität und einem neuen Anleihen-Kaufprogramm gegen. Erst am vergangenen Donnerstag beschlossen die Hüter der Gemeinschaftswährung, das so genannte PEPP – das steht für Pandemie Emergency Purchase Programme – um 500 Milliarden auf insgesamt 1,85 Billionen Euro aufzustocken. Gleichzeitig soll die Maßnahme bis Ende März 2022 verlängert werden.


Verschuldung steigt rasant


Die Notenbanken sorgen Brunner zufolge mit 0 Prozent Zinsen oder darunter dafür, dass sich Corona in der Realwirtschaft nicht so stark widerspiegelt. Für große Konzerne mit guter Bonität ist die Situation nach Ansicht des Händlers gar fantastisch. Neue Bonds landeten direkt bei der Europäischen Zentralbank. Auch Staaten deckten sich in größerem Stil mit günstigem Fremdkapital ein. „Deutschland emittierte in diesem Jahr Staatsanleihen im Volumen von rund 406 Milliarden Euro, vergangenes Jahr waren es 202 Milliarden Euro.“ In anderen Ländern sehe es ähnlich aus. Der Trend werde 2021 vermutlich fortgesetzt.


Arthur Brunner

Brunner


Risiken werden aus dem Markt genommen


Dass die EZB mit ihren Maßnahmen ein stabiles Umfeld schafft, macht Brunner auch an den Renditen für zehnjährige Bonds der Peripheriestaaten fest. Portugiesische und spanische Staatsanleihen rentierten gegenwärtig um 0 Prozent, italienische Papiere kämen auf einen Ertrag von 0,55 Prozent. „Damit bekommt selbst Italien das Geld mittlerweile fast geschenkt.“


Bislang kaum Ausfälle


Trotz wirtschaftlicher Härten in einigen Branchen gibt es laut Creditreform mit voraussichtlich 16.300 Pleiten in diesem Jahr so wenige Unternehmensinsolvenzen wie seit 20 Jahren nicht. „Behrens (WKN A2TSEB) gehört dazu und Dr. Wiesent Sozial gemeinnützige GmbH (WKN A1XFUZ) hat in dieser Woche einen Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt“, ergänzt Brunner. Experten rechnen damit, dass es im nächsten Jahr mehr Ausfälle geben wird. Die Gefahr bestehe natürlich, dass weitere Anleihe-Emittenten die Reißleine ziehen müssen. Tilmann Galler von JP Morgan erwartet bei mittleren und größeren Unternehmen dennoch weniger Insolvenzen als bei einer Rezession üblich.


Das sieht Christopher Smart von Barings Investment Institute ähnlich. "Es gibt Zeiten, in denen es schwierig ist, ein Unternehmen über Wasser zu halten, und dann gibt es die aktuelle Pandemie, in der es offensichtlich schwer ist, bankrott zu gehen.“ Um eine eventuelle Überschuldung müssten sich Firmen derzeit nicht sorgen. Die Politik habe dafür gesorgt, dass viele Unternehmen mit Liquidität überschwemmt werden. Was passiert, wenn die Welt zur Normalität zurückkehrt und die systemischen Hilfen allmählich versiegen, bleibe abzuwarten.


Daniel


Weniger neue Bonds von Mittelständlern


Unterm Strich wurden in Deutschland bis Ende November mit 27 neuen Mittelstandsanleihen vier Bonds weniger begeben als im Gesamtjahr 2019, wie Klaus Rainer Kirchhoff von Kirchhoff Consult berechnet. Das Emissionsvolumen in Höhe 938 Millionen Euro falle im Vergleich zum Vorjahr 33 Prozent geringer aus. Der Anteil der Vollplatzierungen liege mit 37 Prozent deutlich unter dem Vorjahresniveau von 65 Prozent. Unterm Strich hätten Unternehmen 74 Prozent des angestrebten Volumens erreicht, nach 81 Prozent in 2019. Der durchschnittliche Kupon habe sich mit 5,5 Prozent nicht verändert.


Den Hauptgrund für rückläufige Emissionen und Volumina auch im Investment-Grade-Bereich im vierten Quartal sieht Carsten Stäcker von PwC im Ansturm auf Liquidität im ersten Halbjahr. Unternehmen und Kapitalmärkte hätten diese Zeit aktiv genutzt, um ihre Liquiditätspuffer für künftige Unsicherheiten aufzufüllen.


von: Iris Merker
18. Dezember 2020, © Deutsche Börse AG




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