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Anleger müssen ihre Portfolios für die Herausforderungen im neuen Zyklus neu gestalten




18.11.20 13:55
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management wird der im Zuge der Pandemie begonnene neue Konjunkturzyklus durch die umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen besonders geprägt sein.

In einer umfangreichen Analyse würden sie der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken zur Bewältigung der COVID-19-Krise auf Volkswirtschaften und Kapitalmärkte haben würden. Während sich die langfristigen Wachstums- und Inflationsprognosen kaum ändern würden, würden die Renditeerwartungen für die Anleihen- und Aktienmärkte deutlich sinken, weshalb Anleger gefordert seien, neue Ertragsquellen zu erschließen.

"Um das neue Jahrzehnt erfolgreich zu meistern, wird es für Investoren notwendig, ihr Portfolio neu auszurichten. Wenn traditionelle 'sichere Anlagehäfen' keine Erträge mehr generieren, gilt es umzudenken und eine breitere Diversifizierung, beispielsweise in alternative Anlagekassen, in Betracht zu ziehen. Investoren müssen die Chancen auf Portfolioebene erweitern und versuchen, verschiedene Risikoprämien zu monetarisieren", erläutere Jens Schmitt, Leiter Institutional Sales in Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan Asset Management.

Dies sei eine der zahlreichen Erkenntnisse des aktuell veröffentlichten langfristigen Kapitalmarktausblicks (Long-Term Capital Market Assumptions - kurz LTCMA) von J.P. Morgan Asset Management. Seit nunmehr 25 Jahren werde für diese umfangreiche Publikation die Expertise der globalen Investment- und Strategieteams gebündelt und ein Blick über einen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren in die Zukunft geworfen. In den Researchprozess würden quantitative und qualitative Analysen sowie Erkenntnisse von mehr als 30 Experten einfließen. Basierend auf diesen Annahmen würden die langfristigen Kapitalmarkt- und Risikoerwartungen für 200 Anlageklassen und Strategien festgelegt, die dazu beitragen würden, strategische Asset Allokation von J.P. Morgan Asset Management und den Investoren zu unterstützen.

Die aktuelle 25. Auflage der LTCMA zeige sich deutlich geprägt durch die Pandemie, die nicht nur für die heftigste Rezession, sondern für die schnellste Erholung aller Zeiten gesorgt habe. Der neue Konjunkturzyklus sei nun durch eine einmalige synchronisierte Geld- und Fiskalpolitik gekennzeichnet. "Angesichts der niedrigeren Ausgangswerte infolge der von COVID-19 verursachten Rezession konnten wir den meisten BIP-Wachstumsprognosen einen kleinen konjunkturbedingten Bonus hinzufügen. Unsere Wachstumsprognosen für Schwellenländer übertreffen dabei weiterhin die der Industrieländer, da sich die Produktivität der Schwellenländer allmählich dem Niveau der Industrieländer annähert", führe Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, aus.

So würden die Erwartungen für das reale globale Wachstum dieses Jahr etwas optimistischer ausfallen und die Prognose für das globale Wachstum liege mit 2,4 Prozent für die nächsten zehn bis 15 Jahre um zehn Basispunkte (BP) höher als in der Vorjahresschätzung. Grund sei die Anhebung der Prognose für die Industrieländer um 0,1 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent. Diese spiegele wiederum vollständig den zyklischen Wachstumsvorteil wider, den die Experten von J.P. Morgan Asset Management den Volkswirtschaften zuschreiben würden, die sich aus der Rezession befreien und ihre Produktionslücken schließen würden. Die Prognose von J.P. Morgan Asset Management für die Schwellenländer liege unverändert bei 3,9 Prozent. Der leichte Rückgang des Trendwachstums werde durch einen zyklischen Bonus ausgeglichen.

Ähnlich wie die Wachstumsprognosen hätten sich auch die Inflationsprognosen kaum geändert. Der Ausblick für die globale Gesamtinflation bleibe mit 2,2 Prozent intakt. Die meisten der Inflationsprognosen für Industrieländer seien unverändert, und die Prognose für Schwellenländer bewege sich trotz geringfügiger Abwärtskorrekturen für einige Länder mit 3,3 Prozent ebenfalls seitwärts.

Für die kommende Dekade würden die Experten allerdings aktivere Maßnahmen zur Konjunkturbelebung erwarten, als sie jemals in der modernen Finanzgeschichte in Friedenszeiten gesetzt worden seien. Die Finanz- und Geldpolitik dürfte sich dabei synchron in die gleiche Richtung bewegen, um die gesetzten wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. "Dies bedeutet eine deutliche Veränderung gegenüber den letzten Jahrzehnten, in denen eine expansive Zentralbankpolitik häufig durch Haushaltskonsolidierungen oder staatliche Sparprogramme ausgeglichen wurde. Höhere Staatsausgaben sind im nächsten Zyklus unvermeidlich. Wir begrüßen diese Entwicklung vorsichtig, in dem Bewusstsein, dass eine schlecht umgesetzte finanzpolitische Expansion verheerende Sekundäreffekte haben kann", führe Tilmann Galler aus.

Als Folge der bisher nie gesehenen Hilfspakete dürfte das Umfeld mit erhöhter Verschuldung voraussichtlich noch einige Zeit erhalten bleiben. "Die Zentralbanken haben kaum eine andere Wahl, als sich weniger auf die Eindämmung der Inflation und vermehrt auf die Bewahrung der Finanzstabilität zu konzentrieren. Dies ist eine bedeutende Änderung, und die Anreize der Zentralbanken werden sich möglicherweise zunehmend stärker an Emittenten als an Inhaber von Schuldtiteln richten", erläutere Galler.

Aktien: Die Auswirkungen erhöhter Bewertungen seien bei US-Large-Caps am stärksten ausgeprägt. Hier werde die langfristige Ertragsprognose um 1,5 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent gesenkt. Dies bedeute einen Rückgang der globalen Aktienrenditen um 1,2 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. Parallel werde die Prognose für globale Aktien außerhalb der USA um 0,7 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent gesenkt, trotz eines Renditezuwachses in einigen Märkten außerhalb der USA.

Anleihen: Unternehmens- und Schwellenländeranleihen würden ein Lichtblick bleiben. Angesichts der extrem niedrigen Anfangsrenditen sei jedoch zu erwarten, dass die meisten Staatsanleihen in den nächsten zehn bis 15 Jahren negative Realrenditen erzielen würden. Die Schätzungen der Gleichgewichtsrenditen würden für den Geldmarkt und 30-jährige Anleihen in den meisten Währungen unverändert bleiben, seien jedoch im 10-jährigen Bereich etwas niedriger, um eine höhere strukturelle Nachfrage im "Bauch" der Kurve zu berücksichtigen, wenn die Bilanzen der Zentralbanken wachsen würden. "Da die globalen Zentralbanken für einen längeren Zeitraum niedrige Zinssätze festgeschrieben haben, erwarten wir eine Normalisierung der Zinssätze frühestens im Jahr 2024. Sobald die Zinssätze jedoch angehoben werden, dürften sie rasch steigen, vor allem wenn infolge der fiskalischen Anreize eine gewisse Reflation eingetreten ist", betone Galler.

Alternative Anlagen: Bei den "Real Assets" hätten sich die Erträge bemerkenswert gut behauptet. Die Prognosen für Kernimmobilien in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum würden um 0,1 Prozentpunkte auf 5,9 beziehungsweise 6,6 Prozent steigen, während die Kernimmobilien in Europa (ohne Großbritannien) unverändert bei 5,0 Prozent lägen. Insbesondere die Sektoren Infrastruktur und Transport würden Anlegern langfristig herausragende Erträge bieten: So seien die Renditeprognosen für Core-Infrastruktur bei der diesjährigen Betrachtung um 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent und für die neu in diesem Jahr aufgenommene Anlageklasse Core-Transport auf 7,6 Prozent gestiegen.

Die Prognosen für Private Equity würden um 1,1 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent gesenkt. Gründe hierfür seien höhere Bewertungen und der Wettbewerb unter potenziellen Käufern sowie eine Verlangsamung der Mittelbeschaffung und zunehmende Marktverwerfungen. Dem gegenüber stehe eine leichte Verbesserung der Alpha-Erwartungen basierend auf der Fähigkeit, Liquiditätsreserven in einer aus den Fugen geratenen Wirtschaft und zur Umschichtung in wachstumsstärkere Sektoren produktiver einzusetzen.

Die Prognosen für Hedgefonds-Strategien seien in diesem Jahr angesichts des niedrigeren Ertragspotenzials an den öffentlichen Kapitalmärkten gesenkt worden. Die Experten würden jedoch glauben, dass sich die Bedingungen für die Alpha-Generierung derzeit verbessern würden, was die Bedeutung der Managerauswahl erhöhen werde.

Die Ertragserwartungen für ein 60/40 Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen würden für Euro-Investoren deutlich von 3,2 Prozent auf 2,7 Prozent fallen. Die Effizienzgrenze zwischen Aktien und Anleihen sei in diesem Jahr ebenfalls auf ein sehr niedriges Niveau gefallen. So laute Jens Schmitts Fazit: "Bisher ging es im frühzyklischen Stadium weitgehend um eine Ausdehnung des Risikoengagements, um Erträge abzuschöpfen. Heute stehen Investoren vor dem strukturellen Problem niedriger Renditen verbunden mit erhöhten Bewertungen. Sie müssen unangenehm hohe Marktrisiken in Kauf nehmen, um eine akzeptable Rendite zu erzielen. Doch es mag effizientere Wege geben, das Risiko-Ertragsspektrum des Portfolios auszunutzen. Erfahrene externe Partner können helfen, den Blick auf neue Anlageklassen und alternative Marktsegmente zu richten, um Wege aus dem Dilemma des neuen Zyklus zu finden." (18.11.2020/ac/a/m)






 
 
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