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Anleger blicken verhalten ins neue Jahr




05.12.18 14:45
Union Investment

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Stimmung unter deutschen Anlegern hat sich in diesem Quartal deutlich verschlechtert, so die Experten von Union Investment.

Sorgen würden ihnen unter anderem der geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie der hohe Schuldenberg der italienischen Regierung bereiten. Die Mehrheit der Befragten gehe davon aus, dass sich der Brexit auf mittlere Sicht negativ auf die Wirtschaft in Großbritannien und in den anderen EU-Staaten auswirken werde. Mit Blick auf die konjunkturelle Situation in Deutschland rechne bereits jeder Dritte (32 Prozent) mit einer Eintrübung im nächsten halben Jahr. Das seien sechs Prozentpunkte mehr als im letzten Quartal. Auch der Entwicklung am Aktienmarkt hierzulande stünden die Sparer eher skeptisch gegenüber, wie das aktuelle Anlegerbarometer von Union Investment zeige, bei dem Finanzentscheider in deutschen Haushalten befragt worden seien.

Hinsichtlich der allgemeinen wirtschaftlichen Lage würden die meisten Deutschen verunsichert in die Zukunft blicken. Die große Mehrheit (85 Prozent) gehe davon aus, dass der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union der britischen Konjunktur mittelfristig schaden werde. Acht Prozent der Befragten würden hingegen keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Vereinigten Königreichs erwarten. Fünf Prozent würden mit positiven Impulsen rechnen. Auch die Wirtschaft der verbleibenden europäischen Staaten werde durch den EU-Austritt der Briten auf mittlere Sicht in Mitleidenschaft gezogen werden, glaube mehr als jeder Zweite (55 Prozent). Gut ein Drittel (35 Prozent) erwarte dagegen keine Auswirkungen auf die konjunkturelle Situation der restlichen Mitgliedsländer. Sieben Prozent seien davon überzeugt, dass deren Wirtschaft durch den Brexit an Fahrt gewinnen werde. "Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass viele Menschen im britischen EU-Austritt mehrere Verlierer sehen. Dabei schätzen sie den wirtschaftlichen Schaden für Großbritannien im Vergleich zu den übrigen Ländern der Europäischen Union höher ein", sage Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Neben den Brexit-Verhandlungen drücke auch der aktuelle Streit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung um deren Haushaltsdefizit auf die Stimmung der Befragten. Italien weise nach Griechenland die zweithöchste Verschuldung in der Eurozone auf und beabsichtige, diese auszuweiten. 82 Prozent der Anleger würden sich deshalb besorgt zeigen. Nur 17 Prozent würden sich derzeit keine Sorgen um den hohen Schuldenberg Italiens machen. Zwei Drittel (67 Prozent) würden sogar ein Aufflammen der Euro-Krise wie im Jahr 2010 befürchten, sollte Italien an der geplanten Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das kommende Jahr weiter festhalten.

Mehr Anleger würden schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland erwarten

Da überrasche es nicht, dass die Deutschen auch beim Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land in den kommenden sechs Monaten skeptisch seien. Jeder Dritte (32 Prozent) rechne hierzulande mit einer Eintrübung der Konjunktur. Das seien sechs Prozentpunkte mehr als im Vorquartal und der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2016. Die Zahl der Optimisten betrage nahezu unverändert 13 Prozent. Zu Beginn des Jahres habe ihr Anteil mit 29 Prozent noch deutlich höher gelegen. Von einer konstanten wirtschaftlichen Situation in Deutschland im nächsten halben Jahr würden 56 Prozent der Befragten ausgehen (3. Quartal 2018: 61 Prozent). Auswirkungen auf ihre persönliche finanzielle Situation würden die Sparer allerdings nicht sehen. Zwei Drittel (67 Prozent) würden weiterhin damit rechnen, dass ihre eigene finanzielle Lage gleich bleibe (letztes Quartal: 68 Prozent). Rund ein Viertel (23 Prozent) erwarte immerhin eine Verbesserung (Vorquartal: 24 Prozent). Von einer Verschlechterung seiner finanziellen Situation in den nächsten sechs Monaten gehe lediglich jeder zehnte Sparer aus. Im dritten Quartal 2018 seien es acht Prozent gewesen. "Viele Menschen stehen derzeit in Lohn und Brot, weshalb sie auf absehbare Zeit keine finanziellen Einschnitte für sich persönlich befürchten", so Gay.

Aktienmarkt: Pessimisten würden die Oberhand gewinnen

Eher gedämpfte Erwartungen hätten die Befragten wiederum für den deutschen Aktienmarkt. Knapp ein Drittel (31 Prozent) gehe im kommenden halben Jahr von fallenden Aktienkursen aus. Das seien fünf Prozentpunkte mehr als im vorigen Quartal und 16 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig sei die Zahl der Optimisten von 24 Prozent auf 22 Prozent gesunken. Im vierten Quartal 2017 seien noch 36 Prozent der Sparer zuversichtlich gestimmt gewesen. Rückläufig sei mit 31 Prozent auch der Anteil der Befragten, die mit konstanten Aktienkursen in den nächsten sechs Monaten rechnen würden. Im letzten Quartal habe dieser noch 37 Prozent betragen. "Anleger sollten sich durch die politischen Streitigkeiten nicht verunsichern lassen, denn Aktien bieten auf lange Sicht die höchsten Renditechancen", sage Gay und rate im aktuellen Marktumfeld unter anderem zu defensiveren Mischfonds. Auch Fondssparpläne seien eine Option, mit denen Sparer in kleinen Schritten in den Aktienmarkt einsteigen könnten.

Seit Anfang 2001 ermittle das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt würden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen würden. Für das vierte Quartal habe Forsa die Daten vom 1. bis 10. November 2018 erhoben. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren würden, gebe die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an. (05.12.2018/ac/a/m)






 
 
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