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Alles in die Cloud




15.09.21 14:00
AnlegerPlus

München (www.aktiencheck.de) - Viele Jahre verursachte der Begriff "Cloud" in der deutschen Unternehmenslandschaft, die stark vom industriellen Mittelstand geprägt ist, eher Angstschweiß als Freudentränen, so Paul Petzelberger vom "AnlegerPlus News" in der aktuellen Veröffentlichung.

Mittlerweile, und dazu habe besonders die Corona-Pandemie beigetragen, würden die klassisch deutschen Datenschutzsorgen immer mehr an Relevanz verlieren und die mannigfaltigen Vorteile der Technologie würden in den Vordergrund treten: Die Cloud sei nicht nur in Pandemiezeiten ganz klar ein Wettbewerbsvorteil.

Der Markt sei vielfältig. Im ersten Schritt gehe es um die Auslagerung von Daten und Rechenkapazitäten. Dieser Hauptmarkt werde von den US-amerikanischen Mega-Bluechips Amazon (ISIN US0231351067/ WKN 906866) mit der Cloudtochter AWS, Microsoft (ISIN US5949181045/ WKN 870747) mit Azure und Alphabet (ISIN US02079K3059/ WKN A14Y6F) mit Google Cloud ganz klar dominiert. Die genannten Großkonzerne seien jedoch nichts anderes als kolossale Gemischtwarenläden. Selbst bei Marktführer Amazon habe die Cloud-Tochter AWS im Geschäftsjahr 2020 gerade einmal 12% zum Umsatz beigetragen. Die Experten würden den Blick deshalb auf spezialisierte Anbieter richten, sowohl im Bereich der Auslagerung von Daten als auch im Bereich von cloudbasierten Softwarelösungen und IT-Dienstleistungen.

Den meisten hierzulande bekannt und als unabhängiger Cloud-Anbieter bestens positioniert sei die US-Firma Dropbox (ISIN US26210C1045/ WKN A2JE48). Anwender könnten ihre Daten bequem in einem auf dem Server eingerichteten Cloud-Ordner ablegen und hätten zugleich auf allen synchronisierten Geräten Zugriff darauf. Mit einem KUV von knapp 7 (gemessen am Umsatz 2020) erscheine die aktuelle Bewertung vergleichsweise moderat.

Deutlich teurer werde es nämlich beim ebenfalls US-amerikanischen Player GoDaddy (ISIN US3802371076/ WKN A14QAF). Dieser gelte als der Marktführer im Bereich Webhosting. Kein anderes Unternehmen verwalte so viele Domains und Websites wie GoDaddy. Möglich sei dies natürlich nur durch die Cloud. Dieser lukrativen Positionierung messe die Börse derzeit ein KUV von 3,8 bei, wobei GoDaddy ein wenig langsamer als Dropbox wachse.

In Deutschland werde der größte Cloud-Speicher namens HiDrive von dem Unternehmen STRATO betrieben. Ähnlich wie GoDaddy liege zudem ein starker Fokus auf dem Webhosting. Ein direktes Investment sei noch nicht möglich, was sich aber bald ändern dürfte. Im Jahr 2016 habe der deutsche Internetkonzern United Internet den Cloudanbieter STRATO für 600 Mio. Euro von der Deutschen Telekom übernommen. Seitdem sei das Geschäft mit weiteren Zukäufen ausgebaut worden und solle nun im Laufe der nächsten zwei Jahre eigenständig an die Börse kommen. Bis dahin könnten sich Anleger mit der United Internet-Aktie begnügen, die im Falle eines lukrativen IPOs der Cloud-Tochter ebenfalls an Wert zulegen dürfte.

Daten würden oftmals als das Gold (oder das Öl) des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Nicht verwunderlich, dass die Datenauswertung einen eigenen, wichtigen Bereich innerhalb der Cloud-Welt darstelle. Schon allein die Marktkapitalisierung von über 90 Mrd. US-Dollar mache klar, dass Snowflake (ISIN US8334451098/ WKN A2QB38) hierbei der absolut dominierende Player sei. Gepaart mit der Tatsache, dass sogar Warren Buffett mit Berkshire Hathaway seit dem IPO den Aktionärskreis ziere, führe dies zu einem äußerst ambitionierten KUV von 159.

Eine ganz andere Bewertungssphäre zeige sich hingegen beim US-amerikanischen Konkurrenten Teradata (ISIN US88076W1036/ WKN A0M0ZR). Hier stehe nur ein KUV von rund 3 auf der Anzeigetafel, da der Umsatz aufgrund anderer Randbereiche im letzten Jahr sogar leicht rückläufig gewesen sei. Der Cloud-Umsatz sei jedoch stark um knapp 43% auf 224 Mio. US-Dollar angewachsen - kurzum: Mit einer Bewertung von "nur" 5,6 Mrd. US-Dollar im Vergleich zu Snowflake ein interessanter Aufholjäger auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt.

Auf dem deutschen Kurszettel finde sich seit letztem Jahr ein durchaus schillernder Player im Bereich der Datenauswertung: die Exasol AG (ISIN DE000A0LR9G9/ WKN A0LR9G). Die Gesellschaft gebe es bereits seit der Jahrtausendwende und mehr als eine Dekade sei an der Analysetechnologie gefeilt worden. Laut eigener Aussage würden die Deutschen alle großen US-Konkurrenten sowohl in Sachen Geschwindigkeit, Qualität als auch Preis schlagen, was schon eine kühne Ansage darstelle. Mit denen im Jahr 2020 beim IPO eingeworbenen 92 Mio. Euro Bruttoemissionserlösen solle nun die Expansion in die USA vollzogen werden, um Snowflake & Co. direkt vor der eigenen Haustür Konkurrenz zu machen. Sollte dies gelingen, hätte der Aktienkurs bei einer Marktkapitalisierung von derzeit nicht einmal 400 Mio. Euro wohl noch einiges Potenzial nach oben.

Neben der Auslagerung von Daten und Rechenleistungen revolutioniere die Cloud immer mehr auch klassische Arbeitsprozesse und Werkzeuge, wie unter anderem die Kommunikation. Mit der NFON AG und der EQS Group AG seien zwei deutsche Unternehmen in ihrer Nische jeweils zum Marktführer in Europa aufgestiegen und hätten nun große Zukunftspläne. Basis aller Wachstumsfantasien: die vielfältigen Skalierungsmöglichkeiten der selbst entwickelten Cloud-Plattformen.

Dass die Telefonie in die Cloud gehöre, davon sei man bei NFON (ISIN DE000A0N4N52/ WKN A0N4N5) bereits seit 2007 überzeugt. Mittlerweile würden die Münchner als europäischer Marktführer im Bereich der Cloud-Telefonie gelten. Müdigkeitserscheinungen seien dennoch nicht zu erkennen, ganz im Gegenteil, der Vorstand habe Großes vor. Neben Telefonie sollten künftig Video- und komplementäre Kommunikationsdienste angeboten werden. Das Ziel: Nicht nur im Teilbereich Telefonie, sondern umfassender auf dem Feld der Cloud-Geschäftskommunikation die Nummer 1 in Europa werden. Bei der Aktie schwinge zudem eine kaum übersehbare Übernahmefantasie mit. Seit Jahren würden die Großaktionäre MVC und AOC um die Mehrheit streiten und der Free Float liege mittlerweile bei deutlich unter 20%.

Viele Aktionäre und Stakeholder würden den DGAP-Service kennen, über den der Großteil der Unternehmen in Deutschland seine Unternehmensnachrichten veröffentliche. Eigentümer dieses Dienstes sei die Firma EQS (ISIN DE0005494165/ WKN 549416), die sich in den vergangenen Jahren als Cloud-Anbieter im Bereich Investor Relations etabliert habe. Nun hätten die Münchner ein weiteres großes Ziel vor Augen, nämlich den Bereich Compliance. Das neue Hinweisgebergesetz stampfe für EQS wie aus dem Nichts einen riesigen neuen Markt hervor. Vor ein paar Monaten habe der zweitgrößte Konkurrent in Europa, die deutsche Business Keeper GmbH, geschluckt werden können. Der Konkurrenz sei man nun erstmal weit enteilt und mit dem bald in Kraft tretenden Lieferkettengesetz tue sich womöglich bereits die nächste einzunehmende Nische auf. (Ausgabe 9/2021) (15.09.2021/ac/a/m)







 
Finanztrends Video zu NFON


 
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