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Aktuelle Dollar-Schwäche lässt Schwellenländer profitieren




14.01.21 11:24
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management sorgen große Krisen nicht nur für Volatilität an den Aktienmärkten, sondern bringen in der Regel auch einen Favoritenwechsel mit sich.

Das Ende der Dotcom-Blase habe beispielsweise das vorläufige Ende der Dominanz von Wachstums- und US-Aktien markiert. Die folgende Ära von Value-Aktien und Emerging Markets habe ihr krachendes Ende in der Finanzkrise gefunden.

Mit der globalen Pandemie könnte es nun an der Zeit für den nächsten Favoritenwechsel sein, so die Einschätzung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt: "Der US-Dollar neigt zur Schwäche - damit scheint der 10-jährige Bullenmarkt des Greenback zu Ende zu gehen, der seit der Finanzkrise stark, wenn auch fundamental gesehen teuer war. Nach den pandemiebedingten Zinssenkungen ist das Zinsdifferenzial zwischen US-Dollar und anderen Industrieländern wieder enger geworden - der US-Dollar hat als Anlagewährung an Attraktivität verloren. Mit einsetzender Erholung der Weltwirtschaft sollte dies den Kapitalstrom aus dem US-Dollar in andere Währungsräume beschleunigen", führe der Experte aus.

Nach den bisherigen Erfahrungen habe ein schwacher Dollar vor allem in den Schwellenländern für Rückenwind gesorgt. "Nachdem aktuell vor allem viele asiatische Volkswirtschaften fundamental überzeugen, sind die Voraussetzungen vielversprechend, dass wir nun am Anfang einer asiatischen Dekade stehen", so Galler.

Dafür gebe es zahlreiche kurz- und langfristige Argumente. In den nächsten zehn Jahren dürfte sich die Mittelschicht in Asien um schätzungsweise eine Milliarde Menschen vergrößern. Dies verspreche nach Einschätzung von Tilmann Galler ein enormes Wachstum des Konsums und des regionalen Binnenmarkts. Das jüngste Abkommen über die neue Freihandelszone RCEP dürfte die Asien-Pazifik-Region zudem weiter stärken, denn es sollte den regionalen Handel zwischen den Ländern fördern und dürfte die Wertschöpfungsketten innerhalb der 15 Vertragspartner vertiefen.

Doch auch aus kurzfristiger Sicht bestehe für Asien Optimismus: Die nordasiatischen Volkswirtschaften China, Korea und Taiwan, die den Großteil des investierbaren Universums repräsentieren würden, seien erfolgreicher darin gewesen, die Pandemie einzudämmen, als der Rest der Welt. Die Neuinfektionen mit COVID-19 hätten selbst in der Spitze nur einen Bruchteil der anderen Regionen betragen. "Aufgrund des begrenzten Ausbruchs in Kombination mit rigoroser Kontaktbeschränkung und Verfolgung von Infektionsketten konnte das Virus so weit zurückgedrängt werden, dass sich die Wirtschaft auf breiter Basis erholen konnte. Chinas Wirtschaft ist inzwischen wieder auf dem Vorkrisenniveau zurück - ein Zustand, von dem Europa und die USA bis jetzt nur träumen können", stelle der Marktstratege fest.

Trotz des stetig wachsenden Konsums seien die asiatischen Volkswirtschaften immer noch sehr abhängig von der Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. Aber was in den Jahren des eskalierenden Handelskonfliktes noch ein Malus gewesen sei, sei nach Analyse von Tilmann Galler in der jetzigen Phase ein Vorteil. "Es gelingt dem produzierenden Gewerbe viel besser, sich an das Pandemieumfeld anzupassen als beispielsweise dem Dienstleistungssektor. Und so wirkt sich die aktuell relativ bessere Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber den Dienstleistungen für Asien sehr positiv aus", erkläre Galler.

Chinas Nachfrage im Speziellen habe sich seit dem 2. Quartal 2020 deutlich erholt. Gestiegene Preise von Kupfer und Eisenerz seien nach Einschätzung des Kapitalmarktexperten ein klares Indiz dafür und sollten auch jene überzeugen, die den Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte eher misstrauen würden. Dennoch sollte man die Euphorie etwas bremsen. "Diesmal hat Peking die Wirtschaft, im Vergleich zu den früheren Schwächephasen, wo es eine enorme Kreditausweitung gegeben hat, nur relativ moderat gestützt. Das heißt, der positive Nachfrageimpuls aus China hat nicht die Kraft wie beispielsweise 2009 oder 2016, um das Wirtschaftswachstum weltweit zu beflügeln", sage Galler.

Die Sorge um die zukünftige Finanzmarktstabilität habe die Entscheidungsträger davon abgehalten, den Geldhahn weit aufzudrehen. Die Konsequenz sei, dass von der steigenden Nachfrage in China nur die Länder mit intensiven Handelsbeziehungen zu China profitieren dürften. Exportstarke Volkswirtschaften wie Taiwan und Korea würden über 25 Prozent ihrer Exporte nach China liefern und dürften wohl den stärksten Rückenwind für ihre Wirtschaft spüren. Japan liefere zwar rund 20 Prozent der Exporte nach China, aber der Gesamtanteil der Exporte am BIP liege bei nur 13 Prozent - in Korea sei es mit 33 Prozent ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Die Bewertung des japanischen Aktienmarkts habe nach Einschätzung von Tilmann Galler im Vergleich zu den Industrieländern ein sehr attraktives Niveau erreicht. Im Falle eines globalen Erfolgs im Kampf gegen die Pandemie könnte die Erholung der japanischen Wirtschaft auch zu einer kräftigen Erholung japanischer Aktien führen. Eine überdurchschnittliche Entwicklung wäre dann möglich, wenn der Japanische Yen in diesem Szenario nicht zu stark werde.

Nach Einschätzung von Tilmann Galler hätten asiatische Aktien trotz der guten Kursentwicklung immer noch das Potenzial, sich überdurchschnittlich zu entwickeln. "In unseren jährlich veröffentlichten langfristigen Ertragsschätzungen, den Long Term Capital Market Assumptions, erwarten wir über zehn bis 15 Jahre eine Überschussrendite von mehr als zwei Prozent pro Jahr gegenüber Industrieländeraktien", betone Galler.

Doch gelte es bei asiatischen Aktien gleichwohl zu differenzieren - denn die Pandemie habe die Aktienmärkte Asiens gespalten. Nordasien habe die Corona-Pandemie bisher besser gemeistert als die meisten anderen Länder der Welt. Aus diesem Grund seien die Unternehmensgewinne stabiler gewesen und die Wirtschaft habe sich auch nachhaltiger erholen können als beispielsweise in Europa oder den USA. Die Risiken neuer Pandemiewellen und weiterer Lockdowns seien demnach für diese Region auch im neuen Jahr viel geringer als für den Rest der Welt.

"Wir trauen Aktien aus China, Taiwan und Korea aufgrund dieser defensiven Qualitäten und dem besseren Wirtschaftswachstumsumfeld zumindest in der ersten Jahreshälfte eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu, solange es eben nicht sicher ist, dass die Pandemie nachhaltig überwunden wird", sage Experte Galler. Wer im Speziellen von der relativ starken Nachfrage in Chinas Wachstum profitieren wolle, sollte dies aufgrund des schwächeren Wachstumsimpulses aktuell durch direkte Investments in den heimischen A-Share-Markt tun.

Sobald jedoch ein Ende der Pandemie wahrscheinlicher werde, sei mit einem Favoritenwechsel zu den ASEAN-Aktien und Indien zu rechnen. "Südasien ist erheblich stärker durch die Pandemie betroffen und bietet aus diesem Grund auch mehr Aufholpotenzial. In diesem weltwirtschaftlichen Erholungsszenario sollten auch japanische Aktien aufgrund des relativ hohen Anteils zyklischer Titel profitieren", bewerte Tilmann Galler die Situation. (14.01.2021/ac/a/m)







 
 
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