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Aktienrückkäufe steigen trotz Rekordhoch




12.03.19 15:00
aktiencheck.de

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Noch nie haben die amerikanischen Konzerne dermaßen viel Geld für Aktienrückkäufe ausgegeben. Eine Vorgehensweise, die jetzt auch von den deutschen Konzernen verfolgt wird. Dass damit aber den jeweiligen Volkswirtschaften - also in den USA wie auch in Deutschland - geschadet wird, akzeptiert man ebenfalls.

Börse Handelssaal(Bild: Pixabay, https://pixabay.com/de/photos/b%C3%B6rse-handelssaal-new-york-738671/)

Eine Kurspflege der besonderen Art


Schon seit Jahren entwickeln sich die amerikanischen Aktienkurse besser als die Aktienkurse der deutschen Gesellschaften. Das liegt nicht nur an den ausgesprochen starken Konzerngewinnen, sondern auch an den wirklich üppigen Anlegergeschenken: Im letzten Jahr haben nämlich die 3000 größten Aktiengesellschaften einen Aktienrückkauf im Wert von einer Billion US Dollar getätigt - ein absoluter Rekord. Durch derartige Geschäfte verknappen Konzerne wie McDonald’s, Microsoft und Apple die an der Börse zur Verfügung stehenden Anteilsscheine und sorgen dafür, dass sich die Gewinne wie Dividenden auf weniger Aktien verteilen. Beide Faktoren sorgen am Ende dafür, dass der Kurs in die Höhe getrieben wird.

In den letzten 25 Jahren hat etwa IBM 50 Prozent seiner Aktien zurückgekauft - bei Apple waren es in vier Jahren 20 Prozent. Aber nicht nur in den USA gibt es Aktienrückkäufe - derartige Geschäfte gibt es auch in Deutschland. So wurden im letzten Jahr Aktien für rund 8,6 Milliarden Euro zurückgekauft. Letztmals konnte ein derartiger Wert vor der Finanzkrise erreicht werden. Folgt man zudem diversen Analysen, so ist die Rekordfahrt aber noch lange nicht am Ende angelangt. Vor kurzem fusionierte Linde mit Praxair, einem amerikanischen Wettbewerber.

In den nächsten 24 Monaten will das amerikanisch-deutsche Fusionsunternehmen Aktien im Wert von 5,3 Milliarden Euro zurückkaufen - Linde wird im Zuge dieses Programms um die 15 Prozent der Aktien aufkaufen. Ein Vorgang, der in Deutschland jedoch nicht zulässig ist, da die Höchstgrenze bei aktuell 10 Prozent in fünf Jahren liegt. Doch natürlich weiß man bei Linde, wie man ein derartiges Anlegerprogramm dennoch durchbringt - nämlich mit einer neuen Notierung in der irischen Hauptstadt Dublin.

Aktienrückkäufe beeinflussen auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis


Natürlich können Aktienrückkaufprogramme sehr wohl den Anlegern, wenn auch nur kurzfristig, nützen. Schlussendlich steigt die Nachfrage, sodass es zu höheren Kursen kommt. Aus diesem Grund werden Rückkäufe auch gerne als "Kurspflege" bezeichnet. Das heißt, der Kurs des Papiers steigt, obwohl das - bezugnehmend auf die Situation des Unternehmens - mitunter gar nicht gerechtfertigt ist.

Zu berücksichtigen ist, dass natürlich auch die Anzahl der Aktien sinkt, sodass es zu einer Verringerung des Stammkapitals kommt. Somit verteilt sich der Gewinn auf weitaus weniger Aktien, wobei der Ertrag je Aktie aber steigt. Ein Umstand, der dafür sorgt, dass die wohl wichtigste Kennzahl, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, besonders gut ausfällt. Somit wirkt die Aktie günstiger und spricht mehr Anleger an. Jedoch passiert das nur, wenn die Aktien von Seiten des Konzerns tatsächlich aus dem Verkehr gezogen werden. Erhalten die Mitarbeiter Aktien als Belohnung, so verändert sich nicht die Aktienanzahl - der positive Effekt bleibt also aus.

Republikaner befürworten Aktienrückkäufe


Auf lange Sicht gesehen können Aktienrückkaufprogramme jedoch auch zum Nachteil für den Aktionär werden. Schlussendlich gelten sie bei Kritikern als Zeichen, dass es von Seiten des Unternehmens keine Ideen mehr gibt, was mit dem Geld angestellt werden soll. Man investiert also nicht in neue Produkte oder Märkte, sondern schüttet das Geld an die Aktionäre aus - Rückkaufprogramme sind also durchaus als Warnzeichen zu verstehen.

In den USA gibt es immer mehr Politiker, die derartige Machenschaften unterbinden wollen. Dazu gehören auch Charles Schumer, der Fraktionschef der im Senat sitzenden Demokraten, und Bernie Sanders, der ehemalige Präsidentschaftskandidat, der sich im direkten Duell 2016 gegen Hillary Clinton geschlagen geben musste. Beide kündigten bereits eine Gesetzesinitiative an, sodass in naher Zukunft strengere Regeln bei Aktienrückkaufprogrammen eingehalten werden müssen.

Sanders und Schumer wollen, dass nur jene Unternehmen Aktien rückkaufen können, die einen Stundenlohn von mindestens 15 US Dollar bezahlen, den Beschäftigten eine Fortzahlung des Lohns bei Krankheit garantiert und zudem einen Pensionsplan für die Stammbelegschaft haben. Die Initiative wird aber keine Mehrheit finden - die Mehrheit im Senat haben nämlich die Republikaner, die die milliardenschweren Rückkaufprogramme befürworten. (12.03.2019/ac/a/m)








 
 
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