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Aktienmarkt: Oktober ist ein Monat mit übermäßiger Volatilität




07.11.18 12:50
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.aktiencheck.de) - Sagen Sie nicht "es ist doch immer dasselbe"; die Statistiken werden es widerlegen. Der gerade zu Ende gegangene Oktober bleibt nur in unserer Börsenerinnerung, weil die Krisen von 1929 und 1987 fest in unseren Köpfen verankert sind, so Didier Le Menestrel, Verwaltungsratsvorsitzender des französischen Vermögensverwalters La Financière de l'Echiquier.

Die massiven Kursverluste infolge der Lehman-Pleite im Oktober 2008 hätten zudem nichts zur Verbesserung des schlechten Rufs dieses Börsenmonats beigetragen, der trotz allem eine durchschnittliche positive Rendite in der Größenordnung von einem Prozent seit 44 Jahren eingebracht habe. Der Oktober sei kein schlechter Börsenmonat, er sei nur ein Monat mit übermäßiger Volatilität.

Zehn Jahre nach der großen Krise von 2008 habe der Oktober also wieder die Beunruhigung der Anleger heraufbeschworen (der S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) habe um 7% nachgegeben). Dem schwer vorhersehbaren konjunkturellen Umfeld hätten auch die im Rahmen der Berichtssaison veröffentlichten Unternehmensergebnisse nichts entgegensetzen können.

Für die Einschätzung des künftigen Anlegerverhaltens sei die Entwicklung der Anleihenmärkte ein wichtiger hilfreicher Indikator. Hier habe es in den USA ein bedeutendes Ereignis gegeben, denn die zehnjährigen Staatsanleihen - das weltweit liquideste Anlageinstrument - hätten dauerhaft die 3-Prozent-Marke überschritten. Ein Renditeniveau für "risikofreie" Anlagen weltweit, das es seit 2011 nicht mehr gegeben habe.

Dieses Ereignis, das keine großen Schlagzeilen in der Tagespresse gemacht habe, sei für die Einschätzung der Preise von Vermögenswerten und insbesondere von Börsenkursen von entscheidender Bedeutung. Das Niveau von drei Prozent bekräftige das Ende der Periode des Quantitative Easing (der Lockerung der Geldpolitik oder QE) in den USA, die als der "außergewöhnliche" Zeitraum kostenloser Kredite in die Geschichte eingehen werde.

Dieses berühmte "QE", das seit 2009/2010 von allen großen Zentralbanken praktiziert werde, habe eine Verzerrung der Preise für Anlagen nach sich gezogen, das den klassischen Bewertungsrahmen gesprengt habe. Denn wenn risikofreie Anlagen null Prozent einbringen würden, könne der Preis von Anlagen, von denen man annehme, dass sie höhere Renditen "einbringen" würden, ins Unendliche steigen! Diese seit 2011 vorherrschende Logik habe erkennbare Preisverzerrungen bewirkt, insbesondere bei Sachanlagen, wie etwa auf dem Kunst- oder Immobilienmarkt, aber auch bei börsennotierten Unternehmen mit sogenanntem "erkennbarem Wachstum". Letztere, beispielsweise Hermes (ISIN: FR0000052292, WKN: 886670) im Luxusgütersegment oder Lindt (ISIN: CH0010570767, WKN: 870503, Ticker-Symbol: LSPP, SIX Swiss Ex: LISP, Nasdaq OTC-Symbol: LDSVF) bei Lebensmitteln und Chr. Hansen (ISIN: DK0060227585, WKN: A1CZWD) im Bereich Biotech, hätten in den vergangenen Monaten Bewertungen erreicht (das Elffache des Umsatzes bei Hermes, das 50-fache der Ergebnisse bei Lindt und Chr. Hansen), die als Veranschaulichung all dieser Exzesse Börsengeschichte schreiben würden.

Doch man wolle nicht in Panik verfallen. Während dieses "außergewöhnlichen" Zeitraums sei das Verhalten der wichtigsten Akteure (Zentralbanken, Banken und Aufsichtsbehörden) rational geblieben. Auch wenn eine Korrektur dieser überbewerteten Anlagen unausweichlich ist, halten die Experten von La Financière de l'Echiquier nichts von den Kassandrarufen, die sich in diesem Umfeld keine beständige Anlagerendite vorstellen können. Wie es Benjamin Graham ganz treffend formuliert habe: "Die Zukunft ist ungewiss." Aber was die nahe Zukunft betreffe, deute alles darauf hin, dass der Anlageverwaltung im Value-Segment eine gute Zeit bevorstehe. (Ausgabe November 2018) (07.11.2018/ac/a/m)






 
 
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