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Aktienmärkte im Zeichen der Russland- und Syrien-Krise




13.04.18 10:56
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Im Handelskonflikt zwischen den USA und China nahm der Markt die konziliante Rede des chinesischen Staatspräsident Xi Jinping, in der er Signale sendete weitere Öffnungsschritte zu setzen, mit Wohlwollen zur Kenntnis, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Gestern seien selbst vom US-Präsidenten versöhnlichere Töne gefolgt ("China sanctions may not happen", er überlege sogar TPP wieder beizutreten). Während die Analysten letztere Äußerungen angesichts der Sprunghaftigkeit von Trump nicht überbewerten würden, sei unverändert klar, dass beide Seiten in einem echten Handelskrieg zu viel zu verlieren hätten. Drohungen seien Teil der Verhandlungsstrategie, um Zugeständnisse zu gewinnen - die Wahrscheinlichkeit für einen letztendlichen Kompromiss sei aus Sicht der Analysten sogar noch gestiegen.

Inzwischen beherrsche dagegen ein neuer Belastungsfaktor, das Säbelrasseln zwischen den USA und Russland rund um den geopolitischen Krisenherd Syrien, die Schlagzeilen (während die Märkte abgesehen von Öl bisher sehr gelassen darauf reagiert hätten). Die Ankündigung von Präsident Trump den kolportierten Giftgasanschlag via Raketenangriff zu begegnen, sei seitens Russlands mit der Drohung gekontert worden, diese abzuschießen. Auch wenn eine diplomatische Lösung zuletzt wieder auf den Tisch gekommen sei, so würden die Analysten (und wohl auch die Mehrheit der Marktteilnehmer) es für nicht unwahrscheinlich halten, dass in Bälde ein Luftangriff der USA und ihrer Alliierten stattfinden werde.

In dem Fall sei anzunehmen, dass Russland seine Drohungen ebenfalls wahr machen würde und russische Luftabwehrstellungen in Syrien würden versuchen, US-Marschflugkörper abzuschießen (Flugzeuge dürften angesichts dieses Risikos durch die Alliierten ja wohl eher nicht aufs Spiel gesetzt werden). Der absehbare Militärschlag sei daher ob der zu befürchtenden direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland als heftiger einzuschätzen als der US-Luftangriff im April 2017. Syrien sei aber weder für Russland noch die USA wichtig genug, um darüber eine militärische Eskalation zu riskieren.

Wenn es in den nächsten Tagen zu Luftschlägen der USA (und europäischer Allierter) gegen syrische Einrichtungen komme, würden die Analysten davon ausgehen, dass es so wie vor einem Jahr in vorheriger Abstimmung mit Russland passiere, um sicherzustellen, dass Russland genug Zeit habe, seine Staatsbürger von geplanten Zielen abzuziehen. In dem Fall könnten beide Seiten das Gesicht wahren, ohne dass Anlass für eine weitere militärische Eskalation bestehe. Die Analysten würden in ihrem Basisszenario davon ausgehen, dass beide Seiten danach um Schadensbegrenzung bemüht seien und sich die militärische Eskalationsspirale nicht weiterdrehe.

Die globalen Aktienmärkte würden die Analysten in diesem Szenario durch Luftschläge in Syrien höchstens kurzfristig verunsichert sehen. Ein solcher Rückgang wäre für sie eine Gelegenheit, ihre aktuelle Aktien-Übergewichtung zu erhöhen. Denn an ihrem optimistischen Bild in Richtung Frühsommer ändere sich dadurch nichts, da sie die wirtschaftliche Großwetterlage nicht für gefährdet halten würden.

Zu einer Stimmungsaufhellung sollte auch die nun voll anlaufende Q1-Berichtssaison beitragen. Hier würden bereits diese Woche traditionell die Finanztitel (gestern bereits mit einer positiven Überraschung durch BlackRock (ISIN US09247X1019/ WKN 928193)) beginnen, unmittelbar danach würden die Größen aus "Silicon Valley" berichten. Für den S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) werde gemäß Konsensschätzungen ein Gewinnanstieg von 17% antizipiert, wobei ein Drittel alleine aus dem nunmehr niedrigen Steuersatz kommen dürfte. Die Analysten würden in der US-Berichtssaison gemäß dem Muster der letzten Jahre wieder mehrheitlich positive Gewinnüberraschungen und einen positiven Katalysator erwarten.

Regional dürfte der geopolitische Konflikt aber weiter negativ ausstrahlen. So sei der russische Leitindex MOEX aufgrund der jüngsten US-Sanktionsrunde und der dadurch ins Trudeln gekommenen Unternehmen in Lokalwährung anfangs deutlich abverkauft worden. Zusätzlich habe der Russische Rubel stark abgewertet. Zwar habe zuletzt eine Gegenbewegung eingesetzt, ob des geopolitischen Risikos und möglicher weiterer US-Sanktionen werde sich das internationale Kapital wohl aber tendenziell weiter aus russischen Assets zurückziehen.

Absehbar sei, dass die aktuellen Turbulenzen negative Spuren in den Wirtschafts- und Gewinnwachstumserwartungen hinterlassen würden. Letztere würden sich mit einem geschätzten Gewinnzuwachs von 15% für 2018 (noch) auf einem hohen Niveau befinden. Ein extrem starker Rückgang sollte aber vermeidbar sein, da die Profite des hochgewichteten Energiesektors (fast 50% im MOEX) vom im Rubel rekordhohen Ölpreis unterstützt bleiben sollten (keine Wiederholung von 2014).

Bewertungsseitig würden die Analysten russischen Aktien durch die jüngsten Rückschläge weiterhin für attraktiv halten, weswegen sie längerfristig orientierten und bereits engagierten Marktteilnehmern empfehlen würden, investiert zu bleiben. Anders als bei Rubel-Anleihen reagiere der russische Aktienmarkt auf eine Abwertung des Rubels tendenziell mit Kursanstiegen (in Lokalwährung), was den Kursrückgang für Euro-Investoren am Aktienmarkt teilweise kompensiere (da die hohen Exporteinnahmen der wichtigsten russischen Firmen in harter Währung durch eine Rubel-Abwertung ja nicht an Wert verlieren würden).

Taktisch/kurzfristig seien die Analysten zuletzt in ihrem CEE-Portfolio in russischen Aktien in den letzten Wochen mit minus 3 Prozentpunkten (PP) im Vergleich zur Benchmark stark untergewichtet gewesen. Sie würden hier einen Teil der Gewinne realisieren, indem sie die Untergewichtung stark reduzieren würden. Da sie aber kurzfristig noch die Abwärtsrisiken für den russischen Markt überwiegen sehen würden (weitere US-Sanktionen?), würden die Analysten mit 1 PP leicht untergewichtet bleiben. Die Aktienmärkte Polens und Ungarn (bisher leicht übergewichtet) würden im Ausgleich dazu neutralisiert.

Aus derselben Logik heraus würden die Analysten auch ihre bisherige Untergewichtung für russische Anleihen von -2 PP auf -1 PP reduzieren, um einen Teil der Gewinne mitzunehmen (im Ausgleich würden sie die Übergewichtung Tschechiens von +3 PP auf +2 PP senken). Sie würden allerdings leicht untergewichtet bleiben, denn der Abverkauf von RUB-Anleihen durch ausländische Investoren sollte noch weitergehen.

Abgesehen von Syrien-Eskalationsrisiken, veranlasse insbesondere das Risiko weiterer US-Sanktionen, welche auch auf Staatsanleihen ausgedehnt werden könnten, internationale Investoren zur Liquidierung ihrer Positionen. Erschwerend komme hinzu, dass auch die Währungsaussichten für EUR-Investoren - auch im Falle einer etwaigen RUB-Stabilisierung ggü. USD - letztlich durch ihre optimistische EUR-Prognose gegenüber USD eingetrübt seien (Jahresendziel für EUR/ USD: 1,30). (13.04.2018/ac/a/m)






 
 
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