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Nach Aktiencrash in China: Warum die Erholung kurz bevorstehen könnte




12.05.22 17:40
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Chinesische Aktien erleben derzeit sicherlich harte Zeiten, so Marcus Weyerer, Senior ETF Strategist EMEA bei Franklin Templeton.

Seit Jahresbeginn habr der FTSE China 30/18 Capped Net Index, ein breit gestreuter Aktienindex, fast ein Viertel seines Wertes verloren. Außerdem liege er mehr als 40% unter seinem Allzeithoch von vor weniger als eineinhalb Jahren. Für Anleger, die in der Lage seien, eine langfristige Perspektive einzunehmen, lohne es sich seiner Meinung nach jedoch, die Situation in einen gewissen Kontext zu stellen.

Einer der größten Rückgänge seit über 20 Jahren

Wir alle würden wissen, dass die Vergangenheit die Zukunft nicht vorhersagen könne, aber das müsse uns nicht davon abhalten, die Vergangenheit zu konsultieren, um einige Erkenntnisse über die Zukunft zu gewinnen. Der aktuelle Rückgang sei analytisch interessant. Weyerer habe sich vergangene Fälle von Marktkorrekturen von 10% oder mehr vom vorherigen Höchststand aus angesehen. Zwischen 2002 und 2021 habe es insgesamt neun Fälle von Rückgängen von mehr als 10% gegeben. Vier dieser Fälle hätten Verluste von 20% überstiegen und in drei Fällen sei es zu Marktverlusten von mehr als 30% gekommen.

Mit Ausnahme des Crashs während der globalen Finanzkrise erlebe man derzeit den stärksten Rückgang seit über zwanzig Jahren. Die Verluste würden das Platzen der großen Spekulationsblase in den Jahren 2015/16 (-40,8%) übertreffen und die Erschütterungen durch den Handelskrieg von Trump im Jahr 2018 (-30,4%). Gleichzeitig gelte zu bedenken, dass angesichts der aktuellen Volatilität ein um 10% höherer oder niedrigerer Indexwert für langfristige Anleger fast bedeutungslos sei.

Ein typisches Beispiel: Von Mitte März 2022 bis Anfang April sei der Index um fast 25% gestiegen, gefolgt von einem Rückgang von 16% bis Ende April. Nur eine Woche später sei der Markt wieder 10% höher gestanden. Das seien beeindruckende Zahlen und eine Erholung von nur weiteren etwa 10% gegenüber heute würde den Markt wieder in den "normalen" historischen Rückgangsbereich bringen.

Eine Erholung sei aufgrund des bisherigen Marktverhaltens überfällig

Interessanter als die Tiefe des Tals sei vielleicht die Frage nach der Zeit zwischen Höchststand und Tiefststand, oder anders gesagt ausgedrückt: Wann würden die Dinge normalerweise besser? Es gebe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht sei, dass die gegenwärtige Misere bereits länger anhalte als alle anderen Fälle in der Vergangenheit. Die gute Nachricht sei, dass - nach derselben Logik, die sich an der Vergangenheit orientiert eine deutliche Erholung überfällig sei. In den oben genannten neun Fällen sei der Tiefpunkt des Zyklus im Durchschnitt nach etwa 22 Wochen eingetreten. Es überrasche nicht, dass je tiefer der Verlust gewesen sei, desto länger es in der Regel gedauert habe, bis der Markt den Tiefpunkt erreicht habe. Doch selbst während der Finanzkrise, als die Verluste die heutigen deutlich übertroffen hätten, habe es etwa 53 Wochen - etwa ein Jahr - gedauert bevor die Aktienmärkte ihre Trendwende eingeleitet hätten. In diesem jüngsten Zyklus sei der vorläufige Tiefpunkt erst nach 62 Wochen erreicht worden. Dies könnte darauf hindeuten, dass wir auf dem Weg zurück nach oben seien. Jeder neue Tiefststand ab diesem Zeitpunkt könnte die aktuelle Episode zu einem Ausreißer machen (wenn auch aufgrund der geringen Stichprobengröße statistisch gesehen unbedeutend).

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die derzeitige Situation zwar sicherlich einen der schwersten Bärenmärkte für chinesischen Aktien in den letzten 20 Jahren darstelle, so sei sie auch nicht gerade einmalig. Da wir seit 2020 mindestens zwei Ereignisse von weltveränderndem Ausmaß erlebt hätten, nämlich die Covid-19-Pandemie und den russisch-ukrainischen Krieg, sowie die hausgemachten Probleme in China, könnte man vielleicht argumentieren, dass der Markt eine relative Widerstandsfähigkeit gezeigt habe. Dies werde den Anlegern, die auf hohen Verlusten sitzen würden, wenig Trost spenden. Für diejenigen, die in der Lage und gewillt seien, über die kurzfristige Volatilität hinwegzusehen, und die an die langfristigen, fundamentalen Argumente für chinesische Aktien glauben würden, könne dies jedoch die aktuelle Situation relativieren. (12.05.2022/ac/a/m)







 
 
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