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Kolumnist: Markus Fugmann

Air Berlin: Die Auswirkungen des „abgekarteten Spiels“ für den deutschen Luftverkehr




23.09.17 07:54
Markus Fugmann

Die Filetierung von Air Berlin kommt nun in ihre Endphase. Oder wie der Chef von Ryanair es sagt: „Das war eh ein abgekartetes Spiel“. Ob es so war, ist zumindest jetzt nicht zu beweisen. Aber immerhin, es kommt wohl so, wie erwartet, dass die Lufthansa sich den größten Anteil sichert. Air Berlin veröffentlichte gestern, dass der Board of Directors der Airline am 25. September (also nächsten Montag) zu den Bieterangeboten beraten werde. Anschließend solle der Stand des Bieterverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt werden. In den letzten Tagen sickerte schon mehr als deutlich durch, dass die Bieter kein Interesse an den Langstreckenflügen von Air Berlin haben.

Das Aus des Standorts Düsseldorf für die Langstrecke scheint nach diversen Gerüchten so gut wie ausgemacht zu sein. Ähnlich sieht es aus für den zweiten Langstrecken-Standort Berlin. Wie man aus Verhandlungskreisen hört, soll die Lufthansa, die wohl wie erwartet einen bedeutenden Teil der Flotte übernimmt, vorhaben die bisherigen Direktflieger (ab Berlin und Düsseldorf) nach Frankfurt lotsen zu wollen. Dort kann man die bisherigen Air Berlin-Langstreckenkunden wunderbar in die eigenen großen Langstreckenflieger unterbringen, und so die eigene Auslastung auf der Langstrecke drastisch erhöhen.


Für die Lufthansa ist das genial. Nervig, lästig und ein großer Zeitnachteil ist das für Passagiere, die bisher direkt ab Berlin und Düsseldorf Langstrecke geflogen sind. Sie werden nun „Zubringer-Passagie“, die stets einen Zwischenstopp in Frankfurt einlegen müssen. Man munkelt schon jetzt, dass es am Montag am Flughafen Berlin-Tegel zu einem großen Chaos kommen könnte, wenn der Aufsichtsrat seine Gesprächsinhalte veröffentlichen wird.


Wenn klar wird, dass die Langstrecken-Piloten wohl komplett arbeitslos werden, könnten diese von jetzt auf gleich wie schon vor Kurzem plötzlich krank werden. Das Chaos wäre erneut perfekt. Berlin und Düsseldorf werden damit wohl zu Zubringer-Flughafen ähnlich wie Hamburg abgestuft. In Berlin werden die Verwaltungsmitarbeiter der Airline wohl zu allergrößten Teilen ihre Jobs verlieren. Denn bei einer Aufteilung von Maschinen und Crews auf wahrscheinlich Lufthansa, Condor und easyjet können diese drei die Verwaltungsaufgaben bequem von ihrem bestehenden internen Personal erledigen lassen.


Nochmal zusammengefasst

Verlierer dieser Filetierung sind die Langstreckenpiloten von Verwaltungsmitarbeiter von Air Berlin, die wohl zu allergrößten Teilen ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Klare Verlierer sind die Luftfahrtstandorte Berlin und Düsseldorf. Ebenfalls stark benachteiligt sind die bisherigen Direktflieger ab Berlin und Düsseldorf.


Gewinnener sind aus deutscher Sicht die Airlines Lufthansa und Condor, wenn denn die Aufteilung so geschieht wie man es an allen Ecken munkelt. Hauptprofiteur ist der Luftfahrtstandort Frankfurt, weil Lufthansa und Condor dort ihren Sitz haben. Die Auslastungen des Flughafens und der Airlines dürfte deutlich zunehmen. Der Luftfahrtstandort Deutschland gewinnt in gewisser Weise, weil zwei deutsche Anbieter stärker da stehen als vorher. Air Berlin selbst war ohnehin schon jahrelang „todkrank“. Der Gewinner ganz vereinfacht ausgedrückt heißt „Standort Frankfurt“.


Obwohl andere Medien es derzeit genau gegenteilig formulieren, möchten wir meinen, dass der Luftfahrtstandort Deutschland als Gesamtgebilde damit deutlich eingeschränkt wird. Denn abgesehen von München müssen von nun an alle Reisenden, die Europa verlassen wollen, dies über einen Zubringer tun. Da bleibt in der Regel Frankfurt, oder man sucht sich ausländische Zubringer wie Amsterdam, London, Paris oder Kopenhagen. Die dürften somit auch von der Air Berlin-Pleite profitieren.



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