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Kolumnist: Bernd Niquet

Achtung, die Verrückten sind unterwegs




16.02.19 09:48
Bernd Niquet

Solche Zeiten wie gerade hat es sicherlich lange nicht gegeben, wenn überhaupt schon einmal. Bei jedem Klick auf die Presse im Internet ein neuer Schock. Was ich in der vergangenen Woche allein an Vorschlägen zur Geldpolitik gelesen habe, lässt mich regelrecht erschaudern.

Dass allerdings eine Parteivorsitzende der CDU bei einer Tagung im internen Kreis sich und die anderen als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bezeichnet, geht darüber noch hinaus. Das ist wohl mit eine der schönsten Freud´schen Fehlleistungen der Geschichte.


Unsere wirtschaftliche Situation verdunkelt sich derzeit leicht, und das bringt zwei Probleme aufs Tapet: Erstens, wie können die Staaten bei ihrer hohen Verschuldung gegensteuern, wenn es heftiger abwärts geht? Und zweitens, wie kann die Notenbank die Zinsen senken, wenn die doch bereits bei null liegen?


Zwei Vorschläge dazu haben es wahrlich in sich. Die Lösung des ersten Problems kommt vom HQ Trust, einer Vermögensverwaltung der Superreichen, und sie ist ganz einfach: Die Notenbanken müssen noch gezielter die Staatsanleihen der Staaten aufkaufen, und anschließend werden diese einfach aus der Bilanz der Notenbank gestrichen. Und fertig ist die Entschuldung.


So gewinnen alle und keiner verliert. Bis auf die paar Zinsen, die da gezahlt werden, doch die sind ja nicht der Rede wert. Bereits einen Tag später könnte dann die Regierung aus SPD und Grünen neue riesige Sozialprogramme starten.


Doch wie soll die EZB parallel dazu die Zinsen senken? Die Vorschläge hierzu kommen direkt vom IWF, aus einem Blogbeitrag von zwei IWF-Ökonomen. Man führe dazu hohe Negativzinsen auf alle Einlagen ein, schreiben sie. Und das Bargeld? Das kriegt man auch, und zwar so: Dazu muss der Euro nur in zwei Parallelwährungen unterteilt werden, in Bargeld und in Bankeinlagen, und anschließend wird dann ein Wechselkurs zwischen beiden eingeführt.


Setzt man nun den Negativzins auf Sichteinlagen beispielsweise auf 5 Prozent fest, würde man den Bargeldkurs einfach ebenfalls um 5 Prozent pro Jahr sinken lassen, und alles passt wieder. Es ist also auch hier alles ganz einfach.


Das klingt aus der heutigen Sicht natürlich reichlich verrückt und völlig unrealistisch. Doch verrückt kann ja auch heißen: ver-rückt. Die Dinge werden umgerückt, man verrückt sie.


Daher wette ich, dass die Situation diesbezüglich in fünf bis zehn Jahren ganz anders aussehen wird als heute. Und ich werde meine Wette mit ein paar kleinen Goldstücken unterfüttern. Denn da gibt es keinen Zins. Früher war das ein Makel, in Zukunft hingegen wird vielleicht die Unmöglichkeit, zinstragend zu sein, zum entscheidenden Vorteil.




Bernd Niquet







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