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Kolumnist: Geldanlage-Report

Die 7 größten Fehler beim Aktienkauf!




30.09.13 15:29
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


die Deutschen kehren zurück an die Börse. Ende des ersten Halbjahres gab es hierzulande 4,9 Millionen Aktionäre. Das ist ein Zuwachs von immerhin 7,1 Prozent und der höchste Stand seit 2003.


Das ist erfreulich, allerdings laufen vor allem Neulinge Gefahr durch typische Fehler unnötig Geld zu verlieren.


Folgende 7 Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden, damit der Start an der Börse gelingt.


Die Krux an der Geschichte: Die Zahl der Aktionäre entwickelt sich immer prozyklisch. Das heißt: Je besser DAX und Co. laufen, umso mehr Leute trauen sich in Aktien - und umgekehrt. Das führt ganz automatisch dazu, dass diejenigen, die spät im Zyklus kaufen, höhere und damit schlechtere Einstiegskurse haben.


Wer nicht aufpasst, zahlt für die anderen die Zeche. Man kauft denjenigen, die eventuell schon seit vier Jahren von steigenden Kursen profitiert haben (2009 bis 2013), die Aktien teuer ab - und schaut dann zu wie sie wieder fallen und das eigene Depot an Wert verliert.


Fehler Nr. 1: Keine Strategie


Damit das nicht passiert, brauchen Sie vor allem eins: Einen Plan, oder wie Börsianer sagen, eine Strategie.


Wer ohne Strategie handelt wird zum Spielball seiner Emotionen - und das ist an der Börse tödlich. Zur Strategie gehören feste Kriterien zur Aktienauswahl, die dazu führen, dass man immer die gleiche Art von Aktien kauft und zwar zu einem festgelegten Zeitpunkt.


Man macht sich so zum Experten für eine bestimmte Aktienkategorie und für bestimmte Kursmuster. Das ist wichtig, um der Konkurrenz (sprich: den anderen Börsianern) einen Schritt voraus zu sein.


Konkret: Ich habe mich beispielsweise auf Wachstumsaktien mit intakten Aufwärtstrends spezialisiert. Ich suche den Markt jeden Tag nach Aktien ab, die hohe Umsatz- und Gewinnsteigerungen aufweisen, hohe freie Cash-Flows produzieren und idealerweise revolutionär neue Produkte entwickeln und vermarkten.


Diese Aktien interessieren mich aber nur dann, wenn sie zugleich über intakte Aufwärtstrends verfügen und eine hohe Kursdynamik aufweisen. Der tatsächliche Kauf erfolgt dann, wenn die betreffende Aktie aus einer Konsolidierung (Seitwärtsbewegung) auf ein neues Verlaufshoch ausbricht.


Viele Anleger haben Angst, dass sie was verpassen, wenn sie sich so stark fokussieren. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn Sie bei der Auswahl ihrer Aktien immer wieder die gleichen Schritte durchführen, bekommen sie ein immer besseres Gespür für das Verhalten dieses Aktientyps und wählen so renditeträchtigere Papiere aus.


Mindestens ebenso wichtig: Wenn Sie für sich ein klares Regelwerk erstellt haben, müssen Sie nicht jedes Mal aufs Neue abwägen, wie Sie sich in einer bestimmten Situation verhalten. Das spart jede Menge Zeit und Nerven.


Fehler Nr. 2: Keine Verlustbegrenzung


Zu diesem Regelwerk muss unbedingt auch ein Passus gehören, der festlegt, wann Sie ihre Aktien wieder verkaufen.


Ein typischer Anfängerfehler ist es, sich nur Gedanken über die Gewinnchancen der eigenen Aktien zu machen, nicht aber über die Risiken. Dabei sollte es umgekehrt sein: Eine der wichtigsten Zielsetzungen an der Börse muss es sein, hohe Verluste unter allen Umständen zu vermeiden.


Jeder große Verlust war anfangs mal ein kleiner Verlust. Lassen Sie eine Aktie 50 Prozent in die Verlustzone laufen, brauchen Sie einen Anstieg um 100 Prozent, um diesen Verlust wieder auszugleichen.


Das muss nicht sein und es gibt einen ganz einfachen Weg, hohe Verluste zu vermeiden: Das Setzen von Stopp-Loss-Orders. Stopp-Loss-Orders sind bedingte Verkaufsorders, die Sie direkt im Markt platzieren können (sprich: Sie geben über ihre Ordermaske eine bedingte Verkaufsorder für die Aktie auf).


Es erfolgt dann ein automatischer Verkauf, wenn die Aktie das von Ihnen festgelegte Preisniveau unterschreitet. Eine solche Stopp-Loss-Order können Sie gleich unmittelbar nach dem Kauf der Aktie tätigen.


So begrenzen Sie ihre Verluste von vornherein auf einen bestimmten Prozentsatz, der in den meisten Fällen nicht mehr als acht bis zehn Prozent betragen sollte. Wichtig ist dabei, dass Sie nur Aktien kaufen, die relativ liquide gehandelt werden (also hohe Handelsvolumina aufweisen), um im Falle einer Auslösung der Stopp-Loss-Order keine schlechten Ausführungskurse zu erhalten.


Rein formal funktionieren Stopp-Loss-Orders nämlich so, dass bei Erreichen der festgelegten Marke die Order aktiviert wird und dann zu einer unlimitierten Verkaufsorder wird. Das heißt, die Aktie wird dann bei der nächsten Kursfeststellung um buchstäblich jeden Preis verkauft.


Bei dünn gehandelten Aktien kann es sein, dass sich zu diesem Zeitpunkt kein Käufer findet, der bereitet ist zum aktuellen Kursniveau zu kaufen und sie erhalten einen viel zu niedrigen Verkaufskurs. Diese Gefahr besteht zum Beispiel bei deutschen Nebenwerten.


In einem solchen Fall sollten Sie mit einem "mentalen" Stopp arbeiten. Das heißt, den Stopp nur im Kopf festlegen. Wichtig ist dann aber, dass Sie auch tatsächlich verkaufen, wenn der Stopp erreicht wird.


Merken Sie sich den Spruch: Wenn Sie die Verluste immer klein halten, kommen die Gewinner von selber.


Fehler Nr. 3: Auf Kredit kaufen


Investieren Sie nur Geld, das Sie haben und in den kommenden fünf bis zehn Jahren aller Voraussicht nach nicht benötigen.


Wer auf Kredit spekuliert setzt sich selber unter Zeitdruck und kann bei negativem Kursverlauf seiner Aktien früher oder später gezwungen werden, einen Teil seiner Aktien oder im Extremfall das ganze Depot zu verkaufen. Das passiert dann, wenn der verbleibende Wert des Aktiendepots im Verhältnis zur Höhe des in Anspruch genommenen Kredits zu gering wird.


Es erfolgt dann ein so genannter Margin Call des Brokers oder der Bank, der ihnen nur die Möglichkeit lässt, Geld nachzuschießen oder Aktien zu verkaufen. Sie sollten sich niemals in eine solche Situation bringen. Keine Aktie ist so sicher, dass sie ein kreditfinanziertes Investment rechtfertigen würde.


Wichtig ist, dass Sie im Spiel bleiben. Es gibt an der Börse immer wieder neue Kaufchancen, die Sie aber nur dann wahrnehmen können, wenn Sie noch Kapital zur Verfügung haben.


Selbst wenn Sie sich eine Strategie erarbeitet haben und diese diszipliniert umsetzen, kann es sein, dass sich der gewünschte Erfolg zunächst nicht einstellt. Das Marktumfeld wird mal besser und mal schlechter für ihre Strategie geeignet sein.


Wichtig ist, dass Sie nicht die gesamte Strategie sofort über Bord werfen, wenn es eine zeitlang nicht gut läuft. Durststrecken wird es an der Börse immer geben, egal mit welcher Strategie Sie agieren. Daher ist es wichtig, dass Sie sich und der Strategie etwas Zeit geben und mit einem Horizont von mindestens fünf bis zehn Jahren agieren.


Ganz wichtig: Das bedeutet nicht, dass Sie nach dem Kostolany-Motto ("Kaufen und schlafen legen") agieren sollten und einmal gekaufte Aktien einfach möglichst lange halten. Sicher nicht! Es geht darum, die festgelegten Prozesse beim Kauf UND beim Verkauf von Aktien immer wieder zu wiederholen, auch wenn mal drei oder vier Verlust-Transaktionen hintereinander passieren.


Es gibt einige Börsianer, die ständig auf der Suche nach dem Heiligen Gral sind, sprich: der geheimnisvollen Strategie, die immer funktioniert und nur Gewinne bringt. Das führt letztlich dazu, dass diese Anleger-Spezies von Strategie zu Strategie "hopst" und doch nie richtig glücklich dabei wird.


Fehler Nr. 4: Zu wenige oder zu viele Aktien im Depot


Eine der psychologischen Fallen, in die Menschen immer wieder tappen, ist der "Overconfidence-Effect". 80 Prozent der Autofahrer glauben bei Umfragen, dass sie zu den 20 Prozent der besten Autofahrer gehören. Genauso sind viele Anleger davon überzeugt, dass ihre Aktie XY einfach steigen muss. Das hängt teilweise auch mit einseitigen Analysten zusammen, die nur die Vorteile einer Aktie herausstellen.


An der Börse kann eine solche Einstellung böse Folgen haben, speziell dann wenn ein viel zu hoher Anteil des Depots auf einen einzelnen Wert entfällt. Gerät das betreffende Papier dann in die Verlustzone ist es umso schmerzhafter und damit psychologisch schwieriger Verluste zu realisieren, wenn der Stoppkurs erreicht wird.


Es kommt dann nicht selten zu Folgefehlern, die die Situation noch verschlimmern. Beispielsweise wird der Zeitrahmen verändert. Nach dem Motto: "O.k., die Aktie hat eine kurzfristige Schwächephase, aber langfristig wird sie auf jeden Fall steigen." Aus einem ursprünglich kurzfristig ausgelegten Trade wird dann eine Langfristanlage. Es regiert dann das Prinzip Hoffnung und das hat an der Börse nichts verloren.


Sie sollten daher als Faustregel nicht mehr als maximal 25 Prozent ihres Depots in eine Aktie investieren. Eine Ausnahme sind sehr kleine Depots. Wenn Sie bspw. nur 1.000 oder 2.000 Euro zur Verfügung haben macht es schon aus Gründen der beim Kauf und Verkauf entstehenden Transaktionskosten keinen Sinn, das Depot in viele verschiedene Werte aufzusplitten. In einem solchen Fall ist es in Ordnung, auf ein oder zwei sorgfältig ausgewählte Papiere zu setzen.


Umgekehrt sollten Sie aber aus Angst vor Verlusten auch nicht überdiversifizieren. Es macht für den durchschnittlichen Privatanleger keinen Sinn 20 oder mehr verschiedene Werte ins Depot zu packen.


Ihr Portfolio wird dann unübersichtlich, der Zeitaufwand zur Pflege (sprich: z.B. regelmäßige Anpassung von Stoppkursen; Auswahl neuer Werte) immer größer - und die Rendite wird im Falle einer breiten Streuung auch nur ein durchschnittliches Niveau erreichen. Gegebenenfalls wäre es dann einfacher gleich ein Indexzertifikat oder einen Indexfonds zu kaufen.


Sinnvoll ist aus meiner Sicht eine Diversifizierung auf fünf bis acht Werte. So können Sie Akzente und Schwerpunkte setzen, ohne übermäßige Risiken einzugehen.


Fehler Nr. 5: Auf dubiose Tippgeber hören


Viele Akteure an den Finanzmärkten wollen nur Ihr Bestes: Ihr Geld! Entschuldigen Sie bitte diese Phrase, aber ich bin nun seit 17 Jahren an der Börse aktiv und habe dabei gelernt, dass Sie bei der Auswahl der Informationsquellen gar nicht selektiv genug vorgehen können.


Mangelndes Fachwissen ist natürlich ein Problem. Im Internetzeitalter kann sich schließlich jeder als Experte ausgeben und seine Meinung im Rahmen eines Börsenbriefs veröffentlichen.


Nicht selten ist es allerdings so, dass auch fachlich gute Autoren und Analysten schlechte Ratschläge und Kaufempfehlungen geben, weil sie nicht objektiv sind. Gerade bei Aktien von kleineren Firmen werden Analysen häufig vom betreffenden Unternehmen selbst in Auftrag gegeben. Natürlich mündet das dann immer in einer Kaufempfehlung, so dass die Aussagekraft letztlich gleich null ist.


Die Beteiligten müssen dabei keine bösen Absichten haben. Häufig geht es einfach darum, die eigene Story dem Kapitalmarkt vorzustellen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings ist es für Sie als Anleger wichtig, auch das Kleingedruckte zu lesen, damit Sie wissen, ob Interessenskonflikte vorliegen und Sie die Analyse auch entsprechend einordnen können.


Grundsätzlich ignorieren sollten Sie Empfehlungen, die Ihnen ungebeten ins (E-Mail-) Postfach oder über das Fax ins Haus flattern. Je penetranter die Kaufempfehlung, umso größer sollte der Bogen sein, den Sie um die betreffende Aktie machen.


Bei derartigen Aktionen geht es den Empfehlungsgebern nämlich sehr häufig nur darum, künstliche Nachfrage für mehr oder weniger wertlose Papiere zu generieren. Tippgeber und Hauptaktionäre sind dann nicht selten ein und dieselben Personen (was mangels Offenlegungspflichten in unreglementierten Börsensegmenten verschleiert wird).


Das führt dann zu der perfiden Situation, dass naive Anleger direkt die eigentlich wertlosen Aktienpakete der "Hintermänner" zu völlig überteuerten Preisen abkaufen.


Es ist daher extrem wichtig, dass Sie lernen, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden. Das geht letztlich nur, in dem Sie Ihren eigenen Wissensstand stetig verbessern.


In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch unsere kostenlose Anti-Spam-Checkliste ans Herz legen, die Sie hier finden.


Fehler Nr. 6: Zu große Erwartungen


Speziell Neulinge haben häufig unrealistische Erwartungen, wieviel Rendite sie an der Börse erzielen können. Realistisch sind sieben bis 25 Prozent per anno. Wenn selbst die Besten der Besten im Durchschnitt nicht mehr als 25 Prozent per anno schaffen, wäre es vermessen zu glauben, man könnte regelmäßig Jahresrenditen von 100 Prozent oder mehr erzielen.


Das Streben nach besonders hohen Renditen führt häufig dazu, dass besonders riskante und teilweise minderwertige Aktien gekauft werden. Gerade diese Anleger sind dann anfällig für unrealistische Versprechungen und werden eher Opfer für die oben beschriebenen Abzocker, die mit Kurschancen von mehreren 1.000 Prozent werben.


Fehler Nr. 7: Zu viele Trades


"Zuviel hin und her macht Taschen leer" ist einer der Börsensprüche, die gerade heutzutage, wo immer mehr teils widersprüchliche Empfehlungen auf den Anleger einwirken, mehr gelten denn je.


Wer seine Hausaufgaben gemacht hat, sprich: eine sorgfältige Aktienauswahl getroffen und zum charttechnisch passenden Zeitpunkt gekauft hat, der sollte seinem Investment auch eine gewisse Zeit zugestehen, um sich zu entwickeln.


Dazu gehört auch, nicht zu früh zu verkaufen, wenn die eigene Aktie steigt. Auch hier macht die Psychologie den Börsianern häufig einen Strich durch die Rechnung. Man neigt dazu, Gewinne eher früh zu realisieren um sie zu sichern, während man bei Verlusten nach dem Prinzip Hoffnung abwarten will, bis man zumindest wieder mit plus-minus null verkaufen kann.


Man will sich nicht eingestehen, dass man falsch liegt, weil man die damit verbundene Enttäuschung umgehen will. Psychologen reden hier von der Vermeidung einer kognitiven Dissonanz.


MEIN FAZIT:


Am Aktienmarkt lauern speziell für Neulinge viele Fallstricke. Wer jetzt anfängt, in Aktien zu investieren, muss relativ hohe Preise bezahlen, da bereits vier Jahre Bullenmarkt hinter uns liegen. Mangels renditeträchtiger Anlagealternativen besteht eine sehr hohe Nachfrage nach Aktien, die die Bewertungsniveaus in die Höhe getrieben hat.


Der Vorteil: Noch sind die Aufwärtstrends intakt und wer mit Strategie investiert, realistische Erwartungen hat, etwas Geduld mitbringt, nicht auf dubiose Tippgeber hört und Verluste konsequent begrenzt kann auch jetzt noch gutes Geld an der Börse verdienen.



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