Weitere Suchergebnisse zu "paragon GmbH & Co. KGaA":
 Aktien      Zertifikate    


Kolumnist: Dr. Norbert Kalliwoda

2013 Q1 Analyse paragon AG




14.06.13 15:36
Dr. Norbert Kalliwoda

∎    Die Q1-Ergebnisse von paragon sind erwartungsgemäß geringer ausgefallen. Zwischen Januar und März 2013 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von EUR 16,5 Mio., der damit 12,9% unter dem Vorjahr lag. Der Grund für den Rückgang waren längere Betriebsferien der Automobilkunden, die ihre Lagerbestände abbauten.  Zudem wurde der Umsatz im Q1/12 durch das  Verschieben von Aufträgen aus dem Q4/11 positiv beeinflusst. Trotz der rückläufigen Erlöse blieb die Auftragssituation sehr solide und deckte Ende März bereits über 96% der Umsatz-Guidance für das GJ 2013 ab.
∎    Aufgrund des Umsatzrückganges sowie Investitionen in die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, wie neue Produkte und Patente, reduzierte sich das operative Ergebnis um 64,2% von EUR 2,5 Mio. auf EUR 0,9 Mio. Der Rückgang des Nettoergebnisses fiel etwas stärker aus (-76% auf EUR 0,5 Mio.), da sich der effektive Steuersatz von 15,0% auf 29,5% erhöhte.  
∎    Im Q1/13 reduzierte sich der operative Cashflow von EUR 1,9 Mio. im Vorjahr auf EUR -1,1 Mio. Der Grund dafür war ein Rückgang des Nettoergebnisses sowie höhere Investitionen in das Working Capital (EUR 1,7 Mio. ggü. EUR 0,3 Mio. im Vorjahr). Während der Cashflow aus Investitionstätigkeit bei EUR -1,5 Mio. nach EUR -1 Mio. im Vorjahr lag, verbesserte sich der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit leicht von EUR       -0,4 Mio. auf EUR -0,3 Mio. Folglich verringerte sich die Cashposition um EUR 2,9 Mio. auf EUR 11,2 Mio. Ende März 2013 lag die Eigenkapitalquote der paragon bei 31% nach 27,5% im Vorjahr.
∎    Trotz des erwartungsgemäß schwächeren Q1/13 behalten wir unser Kursziel von EUR 20,48 und die Kaufempfehlung für die paragon-Aktie bei. Obwohl wir ein insgesamt rückläufiges H1/13 erwarten, gehen wir aufgrund des bisher starken Auftragseingangs und des höheren Umsatzbeitrags der neuen Produkte für das H2/13 von deutlich besseren Ergebnissen aus. Insgesamt sollte die paragon damit in der Lage sein, ihre Guidance und unsere Prognosen für das GJ 2013 zu erreichen.

1    Unternehmensprofil
Die paragon AG wurde 1988 als Elektronikhersteller gegründet. Der Sitz der Gesellschaft befindet sich in Delbrück in Nordrhein-Westfalen. In Suhl (Thüringen) sowie in den weiteren Zweigniederlassungen in St. Georgen (Baden-Württemberg) und Nürnberg (Bayern) befindet sich die Produktion.
1.1    Produkte und Marktanteile
Als Auftragsfertiger für Elektronik gegründet, ist paragon mittlerweile ein reiner Tier-1 Automobilzulieferer. Der Fokus liegt dabei auf Autoelektronik für den Innenraum mit Produkten zur Steigerung von Gesundheit, Komfort, Kommunikation sowie seit dem Jahr 2011 auch auf dem Thema Effizienz. Der Produktkatalog umfasst mehr als 170 Produkte bei einer Kapazität von 18 Millionen produzierten Einheiten p.a. Die paragon AG besitzt 250 Patente.
 
Quelle: Unternehmen, Dr. Kalliwoda Research GmbH
Viele Produkte der paragon AG besitzen Alleinstellungsmerkmale, etwa der Allgang-Sensor, welcher bereits beim Start eines Schaltvorganges erkennen kann, welcher Gang gerade eingelegt wird. Der Sensor ermöglicht weichere und gleichzeitig schnellere Schaltvorgänge und auch für den Fahrzeughersteller ergeben sich wirtschaftliche Vorteile, weil ein gesonderter Rückwärtsgangsensor nicht mehr erforderlich ist.
1.2    Kunden
Zu den Kunden von paragon zählen die großen internationalen Automobilhersteller. Zu diesen pflegt paragon langjährige Kundenbeziehungen. paragons Produkte werden von 23 Kunden für 172 Fahrzeugmodelle nachgefragt. Dabei entfallen auf die größten drei Kunden etwa 30%, 20% und 11% des Umsatzes. Etwa 67% des Umsatzes werden durch Audi, VW, Daimler, BMW und Porsche bedingt (Stand März 2013). Mit Abstand größter Kunde ist der Volkswagen-Konzern, zu dem eine besonders lange und intensive Kundenbeziehung besteht. Ein Risiko besteht durch die Konzentration eines Großteils des Umsatzes aufgrund des Wachstums des Volkwagenkonzerns aber auch gleichzeitig eine Chance.

2    SWOT-Analyse
    Stärken        Schwächen   
    •     Kombination von Innovations- und Integrationskraft durch unternehmensweite Innovationskultur mit Fokus der Entwicklung neuer Produkte hinsichtlich der Bedürfnisse von Fahrzeuginsassen an Gesundheit, Komfort, Kommunikation und Effizienz bei gleichzeitiger Beachtung der Produktintegration ins Gesamtsystem für den Automobilhersteller; dadurch First-Mover-Advantage und hohe Marktbringungserfolgsrate; Zeichen: 175 Produkte, 250 Patente
•     Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen in Marktnischen mit  hohen Stückzahlen bei automatisierter Fertigung; dadurch hohe Margen; Zeichen: starke Marktposition in mehreren Bereichen, 18 Mio. produzierte Einheiten
•     Direktlieferant mit langjähriger Kundenbindung, dadurch Wissen was Kunde will, bedeutet Markteintrittsbarriere        •     Hohes Geschäftsrisiko durch starke Umsatzkonzentration auf drei deutsche Automobilhersteller aus dem Premiumbereich, gemildert durch langfristige Kundenbeziehungen, entsprechende Verträge über Modellreihen, und der relativ geringen Abhängigkeit der Premiumhersteller vom Volumenmarkt
•     Geringe Verhandlungsmacht gegenüber Kunden als umsatzschwacher Anbieter im Umfeld von zahlreichen Wettbewerbern, gemildert um die relativ höhere Zahlungsbereitschaft der Endnutzer von Premiumkunden
•     Starker Wettbewerb hoher Innovationsdruck, da mehr als die Hälfte der Schlüsselinnovationen im Bereich Elektronik stattfinden   

    Chancen        Risiken   
    •     Wachstum in der Produktsparte Media Interfaces durch die Verbreitung von Smartphones; Schnittstellen die flexibel auf die kurzen Entwicklungszyklen der Konsumelektronik reagieren, ohne die Anforderungen des Einsatzes im Auto zu strapazieren. z.B. cTabletDockingStation
•     Zunehmende Verwendung von paragon-Produkten in der Kompakt- & Mittelklasse durch neue Technologien und effiziente Produktion mit hohem Automatisierungsgrad z.B. Luftqualität; dadurch Skaleneffekte
•     Wachstum und Diversifizierung durch den Bereich Elektromobilität durch Ausweitung des Kundenkreises auf kleinere Nutzfahrzeuge im innerbetrieblichen und städtischen Bereich, in denen schon Anwendungen für Elektromobilität in Verwendung sind
•     Senkung der produktspezifischen Integrationskosten beim Kunden durch die Entwicklung von Applikationen zur Unterstützung zum Fahrzeugeinbau kann zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil werden.       
•     Produkte entwickeln nicht ihr erwartetes Potenzial und die produzierten Stückzahlen können nicht die Kosten decken. paragon versucht dies durch einen intensiven Dialog mit den Automobilherstellern zu vermeiden.
•     Wettbewerber verdrängt paragon aus umsatzwichtiger Marktnische
•     Unerwarteter Einbruch in der Automobilbranche führt zu Liquiditätsengpässen bei paragon   

3    Bewertung
Wir haben die paragon mithilfe unseres DCF-Modells bewertet, welches ein 12-Monats-Kursziel von EUR 20,48 ergibt. Auf dem aktuellen Marktniveau entspricht dies einem Upside von 139,5%.

Peer Group Analyse
Die aus unserem DCF-Modell hervorgegangene Bewertung des Unternehmens haben wir zusätzlich, mit Hilfe einer Peer Group Analyse, einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die Anwendung eines relativen Bewertungsmodells beruht auf dem Gedanken, dass vergleichbare Unternehmen korrespondierende Marktwerte besitzen. Dementsprechend werden vorrangig börsennotierte Unternehmen ausgewählt, welche ähnliche Produkte liefern oder ein gleichartiges Geschäftsmodell besitzen.  Eine Analyse der Finanzkennzahlen aller Unternehmen liefert eine Einschätzung, inwiefern das Bewertungsergebnis des Unternehmens auf eine geringe Vergleichbarkeit mit seiner Peergruppe, oder eben auf eine  Unter- bzw. Überbewertung zurückzuführen ist.

Die Ausgangsdaten der Vergleichsunternehmen stammen von dem Informationsdienstleister Thomson Reuters. Die zukunftsorientierten Finanzdaten der Vergleichsunternehmen repräsentieren den Mittelwert aller Analystenschätzungen, die über das Produkt ThomsonReutersKnowledge zur Verfügung stehen. Der Marktwert der finanziellen Verbindlichkeiten wird bei allen Unternehmen mit dem Buchwert approximiert.

Auf Basis unserer Peer Group Multiples liegt der Implied Fair Value bei EUR 12,55 je Aktie.

4    Ergebnisse des Q1 2013
Umsatz
Im Q1/13 erwirtschaftete die paragon einen Umsatz von EUR 16,5 Mio. und damit 12,9% weniger als im Vorjahr. Der Grund dafür waren zum einen Werksferien der deutschen Premiumhersteller sowie Sondereffekte im ersten Quartal des Vorjahres, welches durch ein Verschieben von Aufträgen aus dem Q4/11 positiv beeinflusst wurde. 

Zwischen Januar und März 2013 hatte der Geschäftsbereich „Cockpit“ den höchsten Umsatzanteil und steuerte 40,4% der Erlöse bei. „Sensoren“ und „Akustik“ zeichneten für 39,8% bzw. 17% des Gesamtumsatzes verantwortlich. Die neuen Geschäftsbereiche „Elektromobilität“ und „Karosserie-Kinematik“ hatten einen Umsatzanteil von 0,1% bzw. 2,7%.

Zwischen Januar und März 2013 verringerte sich das EBIT um 64,2% auf EUR 0,9 Mio. und die operative Marge von 13,2% auf 5,4%. Dies lag vor allem an einem höheren Anteil der Abschreibungen, Personal- und Sonstigen betrieblichen Kosten, die auf Investitionen in die Zukunftsfähigkeit zurückgingen. Ende März beschäftigte die paragon insgesamt 382 Vollzeit- und 43 Leiharbeitskräfte gegenüber 421 bzw. 52 im Vorjahr.   

Aufgrund eines im Vorjahresvergleich höheren effektiven Steuersatzes (29,5% ggü. 15% im Q1/12) reduzierte sich das Nettoergebnis im Q1/13 stärker als das EBIT.

Bilanz und Cashflow
Zum 31. März 2013 wies die Bilanz der paragon einen Cash-Bestand in Höhe von EUR 11,2 Mio. auf, verglichen mit EUR 15,9 Mio. Ende Q1/12. Gleichzeitig betrugen die verzinslichen Verbindlichkeiten EUR 17,1 Mio. (davon 86,3% langfristig). Die größten Bilanzpositionen waren jedoch das Eigenkapital (EUR 13,9 Mio.) und die Sachanlagen (EUR 13,8 Mio.).

Infolge des Rückgangs beim Nettoergebnis sowie höherer Investitionen in das Working Capital (EUR 1,7 Mio. ggü. EUR 0,3 Mio. im Vorjahr) verringerte sich der operative Cashflow von EUR 1,9 Mio. im auf EUR -1,1 Mio. Aufgrund von Investitionen in die Zukunftssicherung bspw. neue Patente, Ausbau und Instandhaltung von Gebäuden, Entwicklungsprojekte stieg der Cashflow aus Investitionstätigkeit von EUR -1 Mio. im Vorjahr auf EUR -1,5 Mio. Zusammen mit einem Cashflow aus Finanzierungstätigkeit von EUR -0,3 Mio. (Q1/12: EUR -0,4 Mio.) führte dies zu einem Rückgang der liquiden Mittel im Zeitraum Januar-März 2013 um EUR 2,9 Mio.

5    Ausblick
Trotz der erwartungsgemäß schwächeren Q1/13-Ergebnisse haben wir unsere Schätzungen für die paragon und das 12-Monats Kursziel von EUR 20,48 unverändert gelassen. Aufgrund ihrer sehr günstigen Bewertung, der aussichtsreichen neuen Produkte sowie der Expansion nach China bleibt die paragon-Aktie für uns ein klarer Kauf.

In den letzten Quartalen stellte die paragon die Weichen für weitere Expansion in den kommenden Jahren. Es wurde eine Vertriebsniederlassung in Shanghai eröffnet und Investitionen bspw. in neue Patente und die Optimierung von Fertigungsabläufen getätigt. Zudem wurde im GJ 2012 in den fünf Geschäftsbereichen jeweils die Neuentwicklung und der Vertrieb gebündelt und das Seriengeschäft Kundenteams übertragen.

Im Q1/13 hat die paragon durch den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten in Delbrück die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die neuen Geschäftsbereiche „Karosserie-Kinematik“ und „Elektromobilität“ bereits im GJ 2013 nennenswerte Umsatzbeiträge erwirtschaften. Des Weiteren hat das Unternehmen einen bedeutenden Großauftrag für Batteriepacks erhalten, der im Herbst 2013 anlaufen wird. Im Bereich Forschung & Entwicklung gab es im Q1/13 große Fortschritte bei zukunftsorientierten Projekten bspw. dem Prototyp einer sich selbst einstellenden Kopfstütze und dem Luftverbesserungssystem AQI (Geschäftsbereich Sensoren), einem neuen Mikrofonkonzept mit adaptiver Windanpassung und einer Einplatz-Lösung für das Gurtmikrofon belt-mic (Geschäftsbereich Akustik) sowie dem weiterentwickelten Batteriesystem-Baukasten auf drei Modulgrößen (Geschäftsbereich Elektromobilität).
Ähnlich wie das Management erwarten wir für das GJ 2013 einen Umsatzanstieg von um die 5% sowie eine im Vergleich zum Vorjahr unveränderte EBIT-Marge. Obwohl die Ergebnisse im H1/13 insgesamt rückläufig sein sollten, gehen wir davon aus, dass die paragon aufgrund des bisher starken Auftragseingangs sowie eines höheren Umsatzbeitrags der neuen Geschäftsbereiche im H2/13 in der Lage sein wird, unsere Prognosen zu erreichen.  

Quelle: Unternehmen, Dr. Kalliwoda Research GmbH

powered by stock-world.de




 
 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
12,20 € 12,52 € -0,32 € -2,56% 06.12./21:58
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0005558696 555869 39,85 € 9,19 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
12,20 € -2,56%  06.12.19
Frankfurt 12,72 € +2,42%  06.12.19
Berlin 12,28 € +0,99%  06.12.19
Hamburg 12,42 € -0,16%  06.12.19
Düsseldorf 12,06 € -0,50%  06.12.19
Xetra 12,18 € -1,93%  06.12.19
München 12,26 € -3,46%  06.12.19
Stuttgart 12,02 € -3,99%  06.12.19
  = Realtime
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
Antw. Thema Zeit
1627 Paragon die vergessene Perle 05.12.19
  Löschung 21.06.19
243 PARAGON AG Du meine Perl. 07.11.17
9 Meine Paragon Aktie 29.11.12
2 Löschung 29.04.12
RSS Feeds




Bitte warten...