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Kolumnist: Geldanlage-Report

Die 10 meist diskutierten Aktien: Kaufen, halten oder verkaufen?




27.05.13 15:43
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


sind Sie auch Nutzer eines Social Networks oder lesen Sie regelmäßig in Börsenforen?


Ich habe mal die Postings zu den 10 meist diskutierten Aktien in Deutschlands größter Börsencommunity wallstreet:online unter die Lupe genommen und gebe Ihnen meine Kurzeinschätzung zu jedem Wert.


Nummer 1: Commerzbank


Am meisten diskutiert wird mit durchschnittlich knapp 100 täglichen Beiträgen derzeit die Commerzbank. Die Stimmung der Anleger ist nach dem anhaltenden Kursverfall entsprechend bescheiden, zumindest wenn man wallstreet:online (w:o) als Maßstab nimmt.


Quintessenz der Diskussion: Vor Ankündigung der Kapitalerhöhung gab es 5,8 Milliarden ausstehende Aktien, was bei einem Kurs von 1,50 Euro einer Marktkapitalisierung von etwa neun Milliarden Euro entsprach. Ab nächster Woche sind es dann nur noch 1,14 Milliarden Aktien. Bei einem Kurs von ca. 8 Euro entspricht dies einer Börsenbewertung von ebenfalls ca. neun Milliarden Euro. Der Unterschied: Der Staatsanteil ist geringer geworden, die Allianz hat verkauft und die stillen Einlagen der Soffin wurden bedient.


Fragen tauchen bezüglich der steuerlichen Behandlung der Bezugsrechte auf. Hier ist zu beachten: Wer seine Bezugsrechte verkauft und gleichzeitig Commerzbank-Aktien abstößt, kann Verluste mit der Aktie nicht mit dem Erlös aus dem Bezugsrechte-Verkauf gegenrechnen. Der Auszahlungsbetrag wird sofort voll besteuert.


Meine Meinung: Faszinierend wieviele Anleger sich mit diesem Wert beschäftigen. Das hat wohl mit dem zuvor optisch niedrigen Kurs zu tun, der die Aktie oberflächlich betrachtet wie ein Schnäppchen aussehen ließ.


Der Chart wird durch die Kapitalerhöhung, in deren Rahmen die Aktionäre Stücke zu deutlich ermäßigten Kursen von 4,50 Euro erwerben konnten, verzerrt. Endlich konnte ein Großteil der Altlasten beseitigt werden. Dennoch: Die Performance der Aktie ist eine Katastrophe.


Halten Sie sich im Bankenbereich lieber an den Branchenprimus Deutsche Bank.


Nummer 2: Dyesol


Während in Deutschland mit Solarworld aktuell der letzte Verbliebene der einstigen deutschen Solarherrlichkeit gegen die Zahlungsunfähigkeit kämpft, starten Solar-Aktien anderswo fulminante Aufhol-Rallyes. Wie nachhaltig die sind, muss abgewartet werden, aber zumindest auf w:o schafft es wieder ein solcher Titel in die Bestenliste: Dyesol.


Im Zentrum der Diskussion steht hier aktuell ein sehr gut recherchierter Artikel von Andreas Mann, der hier veröffentlicht worden ist.


Die These, die darin diskutiert wird: In zehn Jahren werden Solarmodule in der jetzigen Form, also mit Metallrahmen, in den herkömmliche Zellen aus Silizium verbaut werden, nicht mehr existieren. Unterstützt durch die enormen Effizienzsprünge beim Wirkungsgrad werden die Module bald eher dünnen Folien oder bunten Lacken ähneln und könnten dann in Stahl- und Glasfassaden integriert werden. "Gebäudeintegrierte Fotovoltaik" wird das genannt.


Das hätte gigantische Vorteile: Die teure Montage würde entfallen und Farbstoffsolarzellen ließen sich aus günstigen Materialien herstellen. Genau in diesem Bereich forscht Dyesol.


Bisher hat, wie so oft bei forschungsbasierten Firmen, alles länger gedauert als erwartet. Aber nun gelang Dyesol ein technischer Durchbruch, der zu einem deutlich erhöhten Wirkstoffgrad führt. Im Juli soll nun in Kooperation mit dem indischen Stahlkonzern Tata die Massenproduktion dieser neuartigen Zellen beginnen. Mit dem saudi-arabischen Chemiekonzern Tasnee hat man zudem einen neuen Investor gefunden, der bis zu 20 Millionen US-Dollar in das Projekt investieren möchte.


Emerging-Markets-Trader Chefredakteur Florian Schulz ist indes skeptisch. In seinem neuen Solarreport urteilt er über Dyesol:


"Mit dem Konzept, Fotovoltaikanlagen in Glasfassaden zu integrieren, ist das australische Unternehmen ausgesprochen innovativ, angesichts der rasant fallenden Preise für Dachanlagen zweifle ich allerdings daran, dass Dyesol damit schon in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig sein wird."


Nummer 3: VW Vorzüge


Wenig ergiebig ist die Diskussion bei den Volkswagen Vorzugsaktien. Die Aktie selber wird hier nur am Rande behandelt, stattdessen geht es wie in so vielen Threads um den Gesamtmarkt. Eine nähere Betrachtung lohnt daher nicht.


Das ändert aber nichts daran, dass die Aktie fundamental mit einem 2013er-KGV von acht weiter attraktiv bewertet und damit aussichtsreich ist.


Nummer 4: Fannie Mae


Suspekt ist Insidern der extreme Kursanstieg bei Fannie Mae. Gemeinsam mit dem Schwester Unternehmen Freddie Mac waren die beiden staatlich geförderten Unternehmen (Government Sponsored Enterprises) lange Jahre die weltgrößten Hypothekenbanken, kamen dann aber im Zuge der Immobilienkrise in den USA in schwieriges Fahrwasser und wurden quasi verstaatlicht. Mehr Infos dazu finden Sie hier.


20 Prozent der common shares, also der regulären Aktien ohne besondere Rechte, befinden sich noch im freien Handel. Die preferred shares wurden in viele verschiedene Papiere aufgestückelt, die alle mit eigenen Wertpapierkürzeln und unterschiedlich hoher Liquidität gehandelt werden.


Zwar sorgt der aktuelle Aufschwung am Immobilienmarkt wieder für hohe Gewinne bei den beiden Firmen, die aber bis dato alle in die Staatskasse fließen. Ob freie Aktionäre jemals wieder daran partizipieren können, ist ein Politikum und kaum abschätzbar.


Unlogisch ist allerdings, dass die common shares stärker steigen als die preferred shares, denn letztere haben im Fall der Fälle zuerst ein Anrecht auf die Gewinne, sofern es tatsächlich zu einer Reprivatisierung kommen sollte. Eine gute Zusammenfassung bietet folgender Artikel von TheStreet.com.


Nummer 5: Borussia Dortmund


Inbrünstig wird vor dem großen Champions League-Finale in Wembley gegen den FC Bayern die BVB-Aktie diskutiert.


Höchste Vorsicht ist dabei auch für die schreibende Journaille angebracht, denn wer den BVB bzw. seine Aktie zu harsch kritisiert, für den kann es schnell ungemütlich werden. So hat die ARD-Börse-Redaktion einen sehr kritischen Artikel mit dem Titel "Was wurde aus dem Börsenkracher Borussia Dortmund" wieder von der Seite genommen, weil er inhaltlich offenbar einige Fehler enthielt.


Seriöser recherchiert hier w:o-User halbgott, der auf seinem Blog den BVB und seine Aktie unter Dauerbeobachtung hat. Hier der Link: http://bvbaktie.blogspot.de/


Bei der Beurteilung der Kursentwicklung der Aktie hängt viel vom Zeitrahmen ab. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im Jahr 2000 war die Börse noch von den Ausläufern des historischen Bullenmarkts Ende der 90er-Jahre geprägt und die Aktienbewertungen teilweise utopisch hoch.


Erinnert sei nur an die Telekom-Aktie. Insofern ist es auch nicht unbedingt fair den Ausgabepreis von 11,00 Euro als Maßstab heranzuziehen.


Natürlich hat die sportliche Talfahrt den Absturz bis auf unter einen Euro in 2009 beschleunigt. Wer damals allerdings mutig war konnte seither enorme Gewinne erzielen. Aber auch wer die Aktie schon im Jahr 2007 gekauft hat, hat den DAX seither deutlich outperformt. Meine ausführliche Einschätzung zur Aktie finden Sie im 2. Teil des heutigen Updates.


Nummer 6: Hecla Mining


Hecla Mining ist ein bereits 1891 gegründeter Silberproduzent aus dem US-Bundesstaat Idaho, der seit 1958 die Lucky Friday-Mine im Silver Valley betreibt. Der Thread über den traditionsreichen Edelmetallschürfer dient jedoch bei w:o aktuell mehr als Proxy für eine allgemeine Edelmetalldiskussion.


Diskutiert werden dabei aktuell die Transaktionen der Börsengurus: Große Hedgefondsmanager wie George Soros, John Paulson und Steve Cohen sind weiter bullisch für Gold und Silber. Der Minen-Krösus Eric Sprott von Sprott Asset Managment, wohl die wichtigste Investmentgesellschaft der USA im Bereich Rohstoffe, geht ebenfalls von steigenden Kursen aus.


Die wichtigste Erkenntnis im Thread: George Soros und Eric Sprott gehen davon aus, dass Gold- und Silberminenaktien im Verhältnis zum Gold- und Silberpreis massiv unterbewertet sind. Seit Jahren performen die Minenaktien im Durchschnitt deutlich schlechter als die Edelmetalle selber.


Das ist zum einen auf eine Spekulationsblase bei Exploreraktien Mitte der 2000er-Jahre zurückzuführen, zum anderen auf steigende Kosten bei der Gewinnung. Nun aber seien die Bewertungsniveaus so tief, dass sich bei Minenaktien riesige Kurschancen auftäten.


Ein spannendes Interview mit der Sprott-Edelmetallstrategien Maria Smirnova inklusive deren Minenaktien-Favoriten gibt es unter http://www.theaureport.com/pub/na/15299


Nummer 7: E.ON


Die Energiewende erhitzt weiter die Gemüter, auch bei w:o und speziell im E.ON-Thread. Diskussionsstoff ist hier in der Tat jede Menge vorhanden, wird doch in der EU eine neuerliche Wende in der Klimapolitik diskutiert.


Nach Forderungen aus der Industrie sollen neue Technologien zur Energieproduktion künftig kostenorientiert gefördert und energieintensive Unternehmen von Abgaben befreit werden.


Das würde natürlich traditionellen Energieversorgern wie E.ON und RWE in die Karten spielen. Auch operativ lief es bei E.ON zuletzt gut. Der strenge Winter brachte erhöhte Umsätze und Gewinne und mit den Kostensenkungen seien beide "auf einem guten Weg", so Analystin Carolina Dores von Morgan Stanley.


Nummer 8: Thomas Cook


Zu den spektakulärsten Turnaround-Storys am Markt gehört die Aktie des britischen Reiseanbieters Thomas Cook, die sich seit März in etwa verdoppelt hat.


Die Aktie wird schon länger heiß diskutiert. Bei 8.377 Beiträgen und über drei Millionen Aufrufe des Threads wird es für die Leser schwierig, wirklich gehaltvolle Beiträge auszufiltern. Ein Hilfsmittel ist dabei die Funktion beliebteste Beiträge. Diese werden dann Zahl der "Likes" geordnet angezeigt. So können sich Neueinsteiger schnell einen Überblick verschaffen. Hier der Link dazu.


Empfehlenswert sind die Beiträge der User "SechsScheiben", der am 09. Januar einen Überblick über das Cash-Flow-Potenzial des Geschäftsmodells gibt und daraus eine faire Bewertung ableitet. Sehr schön wird auch beschrieben, wie das Management durch "wilde Investitionen in den Jahren 2009 bis 2011" das eigentlich profitable Geschäft fast "vor die Wand gefahren" hätte.


Zur aktuellen Situation rund um die Kapitalerhöhung empfiehlt sich der Beitrag von User GCEnte (was für ein Nickname!) vom 21.05.2013, der dafür auch satte 15 "Likes" erhalten hat. Er beschreibt dabei sehr schön, dass eine Kapitalerhöhung zwar einerseits über die Ausgabe neuer Aktien zu einer Verwässerung des Anteils der alten Aktionäre führt, andererseits das Unternehmen durch die Verbesserung der Bilanzstrukturen (in Folge der Einnahmen durch die Kapitalerhöhung) dadurch aber auch besser dasteht als zuvor.


Ob eine Kapitalerhöhung (egal ob mit oder ohne Bezugsrechtsausgabe) letztlich nun gut oder schlecht für die Altaktionäre ist, hängt also letztlich nicht nur vom Preis sondern auch davon ab, wie das Unternehmen im Markt positioniert ist und ob das Geschäftsmodell an sich zukunftsträchtig ist - oder ob umgekehrt "gutes Geld schlechtem hinterher geworfen" wird.


Nummer 9: Sangui Biotech


Sangui Biotech gehört zu den Dauerbrennern auf w:o, was wohl auch am Aktienmarketing interessierter Kreise liegt. Hoffnungsträger ist bei dem Biotechtitel das Hämoglobin-Spray Granulox, das über eine Förderung der Sauerstoffdiffusion die Wundheilung beschleunigen soll. Klingt gut, aber die letzten Quartalszahlen enttäuschten zum wiederholten Male auf ganzer Linie.


Eine schöne Zusammenfassung liefert der Artikel von Shareribs.


Deren Fazit: "Mit Blick auf die Unternehmenszahlen, das Auslaufen von Aktien-Haltefristen und die absehbare Verwässerung ist voraussichtlich mit einer weiteren Erosion des Aktienkurses zu rechnen." Ich schließe mich dieser Meinung an.


Nummer 10: Centrosolar


Einen Schritt weiter als Solarworld ist mit Centrosolar eines der kleinsten auf dem Kurszettel verbliebenen deutschen Solarunternehmen. Das Unternehmen befindet sich aktuell in einer grundlegenden Sanierung, mit Kapitalherabsetzung und anschließender Kapitalerhöhung, in deren Rahmen die 50 Millionen Euro-Anleihe über eine Sacheinlage in Eigenkapital umgewandelt wird. Für die Altaktionäre führt das zu einem extrem hohen Wertverlust, der aber überwiegend bereits im aktuellen Aktienkurs eskomptiert ist.


Das Unternehmen leidet unter dem anhaltenden Preisverfall bei Solarmodulen und der geringen Nachfrage in Deutschland nach der Kürzung der Einspeisevergütung im April letzten Jahres. Über den Verkauf der Glasssparte und eines spanischen Photovoltaik-Großprojekts (erwarteter Mittelzufluss 5,1 Millionen Euro) sowie den oben beschriebenen Kapitalmaßnahmen kann man sich zumindest kurzfristig über Wasser halten. Ob der Turnaround wirklich gelingt steht aber in den Sternen.


Wer im Solarsektor investieren will, sollte auf Newcomer setzen, die nicht unter Altlasten leiden (z.B. GT Advanced Technologies, Samsung SDI) oder auf diversifizierte Unternehmen wie die Reutlinger Manz AG, die in anderen Sektoren stark sind und die aktuelle Solarkrise aussitzen können.


MEIN FAZIT:


- Spannend über welche Aktien Deutschlands größte Börsencommunity aktuell diskutiert und welche Informationen sich beim Querlesen aus den Threads filtern lassen.


- Mit Fannie Mae, Sangui Biotech und Centrosolar könnten drei der zehn am meisten diskutierten Aktien in den kommenden ein, zwei Jahren komplett vom Kurszettel verschwinden. Hier sollten Sie höchste Vorsicht walten lassen. Der VW-Thread bringt nur wenige gehaltvolle Infos.


- Interessant ist die Diskussion um das Solarforschungsunternehmen Dyesol, insbesondere der Link zum Wirtschaftswoche-Artikel, der einen spannenden Ausblick auf die Branche gibt, in der sich in den kommenden Jahren eine technologische Revolution abspielen dürfte.


- Ebenfalls lesenswert sind die Top-Postings zu Thomas Cook und der BVB-Aktie, während Gold- und Silberbugs mal im Hecla Mining-Thread vorbeischauen sollten.



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