Börse Frankfurt am Morgen: VW auf Kurs, BASF und MAN unter Beschuss
30.07.2009
aktiencheck.de
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt kann am Donnerstag nicht an die starke Vortagesentwicklung anknüpfen. Beim DAX ist zur Stunde ein Minus von 0,20 Prozent auf 5.259,67 Zähler auszumachen. Der MDAX büßt daneben 0,48 Prozent ein auf 6.025,14 Punkte. Für den SDAX geht es um 0,27 Prozent nach oben auf 2.971,30 Zähler. Gleichzeitig rückt der TecDAX um 0,38 Prozent vor auf 661,20 Punkte Der Bund Future büßt zur Stunde 0,08 Prozent ein auf 120,64 Stellen.
Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli um 52.000 auf 3.462.000 gestiegen. Das Saisonbereinigungsverfahren errechnet für den Juli einen Rückgang von 6.000. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 252.000 Arbeitslose mehr. Der Anstieg erkläre sich mit der schweren Rezession, in der sich die deutsche Wirtschaft befindet. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent.
Die Vorgaben aus Übersee sind leicht positiv. Die Wall Street hat am Vorabend mäßige Verluste hinnehmen müssen. Im Vergleich zum Handelsschluss in Deutschland konnten die breiten US-Indizes aber einige Punkte gutmachen. Wie aus dem Fed-Konjunkturbericht Beige Book hervorgeht, zeige sich in der US-Wirtschaft nach eineinhalb Jahren der Rezession eine erste Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Nachbörslich hat dann der Kreditkartenkonzern Visa besser als erwartete Zahlen auf den Tisch gelegt. Aus Asien wurden heute dann auch mehrheitliche Gewinne gemeldet.
Im weiteren Handelsverlauf stehen in der EU die Geschäfts- und Verbraucherstimmung und in den USA die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf der Agenda. Zahlen werden mitunter von Colgate-Palmolive, Dow Chemical, Eastman Kodak, ExxonMobil, Kellogg, MasterCard, Motorola und OfficeMax erwartet.
Nach der schwachen Vortagesentwicklung können Volkswagen an der DAX-Spitze 3,5 Prozent zulegen. Die Wolfsburger haben eigenen Angaben zufolge im ersten Halbjahr erheblich unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten. Die Umsatzerlöse des Konzerns lagen mit 51,2 Mrd. Euro um 9,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das operative Ergebnis lag im ersten Halbjahr bei 1,2 Mrd. Euro, nach 3,4 Mrd. Euro im Vorjahr. Davon entfallen 0,9 Mrd. Euro auf das saisonal starke zweite Quartal. Das Ergebnis vor Steuern ging auf 0,8 Mrd. Euro zurück (Vorjahr: 3,8 Mrd. Euro).
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Auf der anderen Seite brechen Papiere von MAN um 4 Prozent ein. Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern konnte in den ersten sechs Monaten bei Umsatz und Ergebnis nicht das Vorjahresniveau erreichen. Der Umsatz ging um 23 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro zurück. Das operative Ergebnis fiel auf 244 Mio. Euro, das entspricht einem Rückgang von 74 Prozent. Nach Steuern lag das Ergebnis bei 208 Mio. Euro, gegenüber 768 Mio. Euro im Vorjahr. MAN sehe zurzeit keine Zeichen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.
Anteile des weltgrößten Chemiekonzerns BASF verlieren fast 6 Prozent. Wie BASF bekannt gab, wurden Umsatz und Ergebnis auch im zweiten Quartal durch die anhaltende weltweite Wirtschaftskrise belastet. Die Erlöse sanken um 23,3 Prozent auf 12,50 Mrd. Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen verringerte sich um 52,7 Prozent auf 1,14 Mrd. Euro, während das EBIT um 67,3 Prozent auf 772 Mio. Euro einbrach. Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter reduzierte sich um 73,6 Prozent auf 343 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem starken Umsatz- und Ergebnisrückgang. Finanzvorstand Bock: "Unser Ziel auch im Jahr 2009 die Kapitalkosten zu verdienen, werden wir voraussichtlich nicht erreichen."
Bei Siemens schlägt nach der Vorlage von Zahlen für das dritte Geschäftsquartal ein Minus von knapp 3 Prozent zu Buche. Unternehmensangaben zufolge ging der Umsatz um 4 Prozent auf 18,35 Mrd. Euro zurück. Das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten schrumpfte um 17 Prozent auf 1,22 Mrd. Euro. Daneben fiel der Gewinn nach Steuern von 1,42 Mrd. Euro auf nun 1,32 Mrd. Euro. Papiere der Deutschen Lufthansa, die im ersten Halbjahr einen deutlichen Ergebniseinbruch erlitten hat und auch für das Gesamtjahr von einem deutlichen Ergebniseinbruch ausgeht, liegen mit rund 1 Prozent im Minus. Die Erlöse der Kranichline gingen um 15 Prozent auf 10,23 Mrd. Euro zurück. Beim operativen Ergebnis wurde ein Gewinn von 8 Mio. Euro ausgewiesen, nach 677 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Konzernergebnis wurde ein Verlust von 216 Mio. Euro verzeichnet, nach einem Gewinn von 381 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.
Im MDAX stechen nach Zahlen insbesondere Wacker Chemie mit einem Abschlag von mehr als 5 Prozent ins Auge. Im Vorjahresvergleich sanken die Erlöse im zweiten Quartal um knapp 18 Prozent auf 926 Mio. Euro. Sonderabschreibungen aus Strukturmassnahmen in Höhe von 121 Mio. Euro führten zu einem Quartalsverlust von 75 Mio. Euro. Im Vorjahr wurde noch ein Überschuss von 153 Mio. Euro ausgewiesen. Der Baustoffhersteller HeidelbergCement hatte im zweiten Quartal unter der weltweiten Wirtschaftskrise zu leiden und verbuchte einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Vor dem Hintergrund des weiterhin schwachen Umfelds wurde eine deutliche Ausweitung der Kostensenkungsmaßnahmen angekündigt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin einen Rückgang bei Umsatz und operativem Ergebnis. Der Wert verliert in Reaktion auf das Zahlenwerk mehr als 2 Prozent. Die Aktie von Continental büßt 2 Prozent ein. Der Konzern musste in den ersten sechs Monaten ein negatives Ergebnis hinnehmen. Die Deutsche Postbank konnte im ersten Halbjahr trotz der Auswirkungen der Finanzkrise aufgrund steuerlicher Einmaleffekte einen Gewinn ausweisen. Beim Vorsteuerergebnis wurde ein Verlust von 160 Mio. Euro ausgewiesen, nach einem Vorsteuergewinn von 340 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Aufgrund steuerlicher Einmaleffekte in Höhe von 231 Mio. Euro in Zusammenhang mit der Auflösung latenter Steuern und Vorsteuerverlustausweis verzeichnete das Kreditinstitut einen Konzerngewinn von 70 Mio. Euro, nach einem Nettogewinn von 238 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Wert gibt ebenfalls rund 2 Prozent ab. Anteilsscheine der GEA Group, die im zweiten Quartal ein rückläufiges Ergebnis verbuchen musste, rücken dagegen um 2 Prozent vor.
Im TecDAX können SMARTRAC um über 8 Prozent vorrücken. Der Konzern konnte seine Erlöse im ersten Halbjahr um 19 Prozent auf 59,1 Mio. Euro steigern. Das EBITDA ging um 42 Prozent auf 6,6 Mio. Euro zurück. Der Konzern-Periodenüberschuss lag bei 1,8 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreswert von 8,2 Mio. Euro. Für Infineon geht es um gut 1 Prozent nach unten. Der Einstieg des Finanzinvestors Apollo Group bei dem Technologiekonzern steht offenbar auf der Kippe. Presseangaben zufolge wurde die Kapitalerhöhung des Konzerns am Kapitalmarkt bislang unerwartet gut aufgenommen, so dass der Finanzinvestor seinen angestrebten Anteil an Infineon nur schwerlich erreichen dürfte. Sollte Apollo weniger als 15 Prozent erreichen, haben die Amerikaner ein Rücktrittsrecht.
Der Hersteller von Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie AIXTRON hat im ersten Halbjahr bei einem Umsatzrückgang weniger verdient. Für das Gesamtjahr hat der Vorstand die Umsatzprognose auf 230 bis 250 Mio. Euro bei einer EBIT-Marge von 12 bis 13 Prozent erhöht. Der Wert gibt zur Stunde dennoch leicht ab. Der Software-Konzern IDS Scheer hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 89 Mio. Euro erzielt, im Vergleich zu 102,1 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Der Konzernquartalsüberschuss stieg um 4 Prozent auf 5,4 Mio. Euro. Der Wert tendiert unverändert.