München (aktiencheck.de AG) - Der Finanzvorstand des Industriekonzerns Siemens AG (ISIN DE0007236101 / WKN 723610), Joel Kaeser, hat in einem Zeitungsinterview vor allzu großer Aufschwungs-Euphorie gewarnt.
"Aus der Kurzfristigkeit der Auftragsplatzierung vor allem in den kurzzyklischen Geschäften schließen wir, dass wir es im Moment eher mit Lagerbestandsaufbau zu tun haben", erklärte der Manager gegenüber der "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe). Dennoch zeigte er sich "im Großen und Ganzen" zufrieden mit den vorläufigen Indikationen für den Januar, nachdem Siemens im Dezember sehr gute Geschäftsergebnisse erzielt hatte. Vom erwarteten Preisverfall in Höhe von 2 Mrd. Euro im laufenden Geschäftsjahr seien zwei Drittel eingetreten, sagte Kaeser. Die Bewältigung der Krise werde Siemens im Geschäftsjahr viel Geld kosten, ließ Kaeser erkennen. Die Restrukturierung außerhalb der drei Sektoren werde dabei teurer als der Abbau von 2.000 Industrie-Stellen. Er verwies auf den Umbau des IT-Dienstleister SIS und des Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks. Als eine der größten Herausforderungen bezeichnete er es, dass Firmen in ihren stagnierenden Heimatmärkten für Beschäftigung sorgten: "Daran wird sich in dieser Dekade auch das gesellschaftspolitische Ansehen von Unternehmen und Unternehmensführern in Deutschland messen lassen müssen." Im Portfolio habe Siemens "noch ein gutes Stück Fokussierung" vor sich, sagte der Finanzvorstand. Ein SIS-Börsengang sei 2012 wahrscheinlicher als im nächsten Jahr.
In Zusammenhang mit der Hörgerätesparte bestätigte Kaeser, dass man unverbindliche Angebote erhalten habe. Diese werde man prüfen und dann entscheiden, ob man verkaufe oder selbst investiere: "Dies wird aber noch nicht in den nächsten Wochen der Fall sein." Bei Akquisitionen dagegen werde Siemens weiterhin "sehr selektiv" vorgehen.
Die Aktie von Siemens notiert aktuell mit einem Plus von 0,98 Prozent bei 63,60 Euro. (10.02.2010/ac/n/d)