Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Daniel Großjohann und Michael Vara, Analysten der BankM-biw AG, stufen die Aktie von adesso (ISIN DE000A0Z23Q5 / WKN A0Z23Q) unverändert mit dem Rating "kaufen" ein.
Mit den vorgelegten Zahlen habe adesso die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Trotz schwierigem Marktumfeld sei die Erreichung eines neuen Rekordumsatzes gelungen. Der Konzernumsatzzuwachs von 7% sei überwiegend auf organisches Wachstum (+4%) zurückzuführen gewesen. Im Produktbereich habe ein starkes Jahresendgeschäft (E.ON-Auftrag) Verbesserungen in Umsatz und bei der operativen Marge beschert.
Da die Analysten weitere Vertriebserfolge im Produktbereich erwarten würden und drebis gut angelaufen sei, hätten sie ihre 2010er EBITDA-Margenschätzung von 7,0% auf 8,8% angehoben. Die 2010er Umsatzerwartung hätten sie dagegen auf EUR 74 Mio. (zuvor EUR 77,3 Mio.) reduziert. Bei der zu erwartenden moderaten Markterholung im IT-Dienstleistungsbereich 2010 mit nur rund 2% sei der Umsatzzuwachs bei adesso (2010e: 3,7%) weiter überdurchschnittlich. Erstmals seit dem IPO solle eine Dividende (in Höhe von 15 Cent pro Aktie) ausgeschüttet werden. Dies entspreche einer Dividendenrendite von ca. 3%. Mit einem 2010er KGV von 8,9 würden die Analysten das Unternehmen weiter als klaren Kauf sehen.
Die vorgelegten Zahlen würden zeigen, dass sich das antizyklische Vorgehen der adesso im Krisenjahr ausgezahlt habe. Der Mitarbeiterbestand zum Stichtag habe Ende 2009 mit 598 Mitarbeitern um rund 13% über dem Vorjahreswert gelegen. Mit EUR 71,3 Mio. habe adesso die Umsatzerwartung (EUR 68,5 Mio.) der Analysten übertroffen. Auch die EBITDA-Marge habe mit 8,1% über ihrer Erwartung (7,5%) gelegen und zeige die Solidität des Geschäftsmodells. Der trotz zahlreicher neuer Mitarbeiter, die in den ersten neun bis zwölf Monaten noch nicht die volle Produktivität zeigen würden, erreichte überproportionale EBITDA-Anstieg, erkläre sich aus dem gestiegenen Produktgeschäft.
Die Auslastung in 2010 sollte höher sein als in 2009, aber noch nicht die sehr guten Quoten aus den Jahren 2007 und 2008 erreichen. Auch bezogen auf das EPS (EUR 0,61 vs. EUR 0,44) sei adesso klar besser gewesen als von den Analysten erwartet. Hintergrund hierzu sei allerdings auch ein positiver Steuereffekt gewesen, der sich aus den latenten Steuern (Neubewertung von Verlustvorträgen) ergeben habe und der in sich in diesem Jahr umkehren werde.
Die wichtigsten Wachstumsträger würden sich planmäßig entwickeln; die neuen Produkte würden gut ankommen. Das 2009 neu eingeführte Rechtsschutzportal "drebis", zur elektronischen Abwicklung von Prozessen zwischen Anwälten und Rechtsschutzversicherern, habe sich bereits im ersten Jahr als großer Erfolg erwiesen. Besonders im 3. Quartal 2009 hätten viele Start-Lizenzen abgesetzt werden können, die einmalig zu zahlen seien und ein Transaktionskontingent enthalten würden. Der Umsatz habe bereits im ersten Jahr 1 Million übertroffen und das Margenniveau dürfte deutlich über dem Konzerndurchschnitt gelegen haben. Die Marktabdeckung der drebis bei den Rechtsschutzversicherern in Deutschland habe die 80%-Marke bereits erreicht. In 2010 würden die Transaktionsgebühren der wichtigste Umsatzträger dieses Geschäftsfeldes werden.
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Das Unternehmen strebe für 2010 einen Umsatz zwischen EUR 73 Mio. und EUR 75 Mio. an, das EBITDA solle bei EUR 6,5 Mio. liegen. Damit würde das operative Ergebnis überproportional zum Umsatz steigen. Die Marge sei damit implizit auf einem Niveau zwischen 8,9% und 8,7% kalkuliert. Dies liege noch deutlich unterhalb einer über den Zyklus erzielbaren Marge von über 10% und zeige, dass sich das Unternehmen noch früh in einem wieder anziehenden Zyklus sehe. Der Umstand, dass das EPS nur moderat auf EUR 0,65 (2009: EUR 0,61) steige, liege an Verzerrungen durch Steuereffekte in 2009.
Die Analysten würden für 2010 mit einer moderaten Markterholung rechnen, die sich im adesso-Umsatz überproportional niederschlage. Mit ihren neuen Schätzungen, die von einem schwächeren Umsatzwachstum, dafür aber einer stärkeren Margenausweitung ausgehen würden, würden sie im Rahmen der Guidance des Unternehmens liegen. Hohe Deckungsbeiträge des Produktgeschäftes seien bei der Unternehmensguidance kaum berücksichtigt, da diese jeweils einer gewissen Unsicherheit unterliegen würden. Insbesondere das Produktgeschäft (High-End CMS) sollte, nach der Erteilung des E.ON Auftrages, in 2010 weitere Projekte akquirieren können. Diese würden mit höheren Margen einhergehen und weiteres Kurspotenzial bergen.
adesso erziele in den drei wichtigsten Kundenbranchen jeweils zwischen 34% (Versicherungen) und 17% (Banken, Finanzdienstleister) des Gesamtumsatzes. In dem noch jungen Geschäftsfeld Banken, Fonds, Finanzdienstleister habe der Anteil branchenspezifischer IT-Dienstleistungen im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. adesso habe das eigene Branchenspektrum um den Bereich "Öffentliche Verwaltung" erweitert. Hier sei bereits ein Großauftrag des Statistischen Bundesamtes (Volumen: rund EUR 0,8 Mio.) akquiriert worden, der mit der Durchführung des für 2011 geplanten Mikrozensus (Volkszählung) zusammenhänge. Hier folge adesso der eigenen Strategie neue Branchen zuerst über allgemeine IT-Dienstleistungen zu erschließen und dann im Rahmen der Projekte sukzessive weiteres spezifisches Know-how aufzubauen.
Regional sei weiterhin Deutschland mit einem Umsatzanteil von 84% der größte Markt. Mit den in 2009 neu eröffneten Standorten in Stuttgart und Hamburg decke adesso nun alle wichtigen wirtschaftlichen Zentren in Deutschland ab. Bei der Standortwahl sei adesso den Kunden gefolgt. Weitere innerdeutsche Standorte seien nicht geplant. Auch mittelfristig werde der Schwerpunkt der adesso, bei wachsendem Auslandsgeschäft (Großbritannien, Benelux), in der DACH-Region sein.
Basierend auf den neuen Schätzungen mit verbesserten Margenniveaus habe sich der von den Analysten ermittelte Faire Wert auf EUR 9,20 pro Aktie (zuvor: EUR 7,90) erhöht. Hierzu hätten sie die Bewertungsmethoden der Cashflow- und der Peer-Group-Analyse zu jeweils 50% einfließen lassen. Die Peer-Gruppe indiziere einen Wert von EUR 7,60, während die Cashflow-Bewertung den Fairen Wert bei EUR 10,80 pro Aktie sehe. Die adesso-Aktie habe sich in den vergangenen Jahren deutlich weniger volatil gezeigt als bei vergleichbaren anderen börsennotierten Unternehmen aus dem Small-Cap-Bereich. Seit April 2009 befinde sich die Aktie in einem moderaten Aufwärtstrend.
Die Analysten der BankM-biw AG stufen die Aktie von adesso weiterhin mit dem Rating "kaufen" ein. Das Kursziel erhöhe man von EUR 7,90 auf EUR 9,20. (Analyse vom 06.04.2010) (06.04.2010/ac/a/nw) Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.