Wien (aktiencheck.de AG) - Im Verlauf der Krise erreichte die japanische Wirtschaft im Januar 2009 den Tiefstand, so die Analysten der Erste Bank.
Die Exporte hätten um 40% unter denjenigen des Vorjahres (Februar: -45% j/j) gelegen, was deutliches Potenzial nach oben geboten habe. Obwohl die Saisonalität wie üblich zu einem Rückgang der Volumen im Januar 2010 gegenüber Dezember geführt habe, seien diese im Vergleich mit dem Vorjahr sogar um 40% angestiegen.
Diese Entwicklung sollte im ersten Quartal 2010 anhalten, und die Analysten würden weiterhin astronomisch anmutende Jahreswachstumsraten erwarten. Um die Dynamik besser einzuschätzen, sollten auch die Niveaus beachtet werden. Das Produktionsniveau nähere sich nun wieder demjenigen vor der Krise an, und die Analysten würden weitere, wenn auch langsame, monatliche Zuwächse erwarten. Die reale Dynamik in Japan sei aber eher hoffnungsvoll, und sie würden mit einer Fortsetzung bis in das erste/zweite Quartal 2010 hinein rechnen.
Die Veröffentlichung des Q4-BIP habe leicht über den Markterwartungen gelegen, im Einklang mit der Schätzung der Analysten. Verwunderlich sei hingegen die Dynamik der Komponenten gewesen: Die Exporte, deren Wachstum in der Vergangenheit punktgenau aus den Zolldaten habe geschätzt werden können, hätten ein deutlich geringeres Wachstum als die Schätzung aufgewiesen. Die Regierung habe angekündigt, die Methode für die saisonale Bereinigung der Ex- und Importe zu adaptieren, um die Effekte der Krise besser zu berücksichtigen. Dies habe zu Revisionen aller Quartale geführt und scheine nun auch für die Abweichung der veröffentlichten Zahl von der Schätzung verantwortlich zu sein.
Konsum und Investitionen hätten im Quartalsvergleich positiv beigetragen. Die Konsumdaten könnten plausibel sein (wie von den Einzelhandelsumsätzen angedeutet, welche im Januar weiter zugelegt hätten). Unterstützungsmaßnahmen dürften hier beigetragen haben, da die Lohn- und Beschäftigungssituation nach wie vor eher trüb sei. Die Investitionen seien im dritten Quartal bei der zweiten BIP-Veröffentlichung nach unten revidiert worden, was nach Ansicht der Analysten auch diesmal passieren könnte.
Anzeige
Die nominelle Dynamik sei leider weniger rosig als die reale, da der starke Yen und die Deflationstendenzen in Japan zu einer negativen Preisdynamik geführt hätten. Die nominellen Wachstumsraten sollten daher in Japan wieder unter den realen liegen und die Deflation die wirtschaftliche Entwicklung dämpfen. Das nominelle BIP sei von Januar bis Dezember 2009 nahezu unverändert geblieben - was in starkem Kontrast zu den Anstiegen etwa der realen Exporte stehe.
Die Philips Curve beschreibe theoretisch den Zusammenhang zwischen Preisen und Arbeitslosigkeit, oder zwischen Löhnen und Arbeitslosigkeit. In Japan würden sich Löhne und Preise etwa im Gleichlauf entwickeln.
Philips habe ursprünglich einen negativen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation gefunden, welchen er durch die Lohnforderungen der Arbeitnehmer erklärt habe: Niedrige Arbeitslosigkeit und hohe Beschäftigung würden zu Aufwärtsdruck auf die Löhne führen, höhere Arbeitslosigkeit sollte hingegen Abwärtsdruck auf die Löhne ausüben. Dieser Zusammenhang gelte allerdings nur, solange die Inflationserwartungen nahe Null seien, d. h. dass von den Arbeitnehmern gleichbleibende Preise antizipiert würden. Andernfalls würden sie diese Preissteigerungen für ihre Lohnforderungen berücksichtigen, was (unter der Annahme, dass sich die erwartete Inflation gleichläufig mit der aktuellen verhalte) dazu führen würde, dass die Differenz der Inflationsrate mit der Arbeitslosigkeit zusammenhänge (dies könne insbesondere in den USA beobachtet werden).
Falls aber, wie dies momentan in Japan der Fall sei, die Inflationserwartungen nahe Null seien oder sogar sinkende Löhne akzeptiert würden, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden, sollte der Philipps Curve-Zusammenhang annähernd gelten (Laut der BoJ "Opinion Survey on the General Public's Views and Behaviour" würden 70% der Japaner sinkende oder gleichbleibende Preise erwarten. Zugleich seien 90% bezüglich der Arbeitsplatzsituation besorgt, und 95% würden erwarten, dass ihr Lohn in einem Jahr niedriger oder gleich sei. Dies scheine vorige Annahme zu bestätigen).
Dies sei besonders für die mittelfristige Entwicklung von großer Bedeutung. Ein definitiver Ausbruch aus dem Deflationszyklus müsste mit einer Belebung der (Innen-)Nachfrage einhergehen, welche zu Preisaufwärtsdruck innerhalb Japans und mehr Arbeitsplätzen führen würde. In weiterer Folge würde ein Absinken der Arbeitslosigkeit für die Belebung der Nachfrage hilfreich sein.
BoJ-Gouverneur Shirakawa habe kürzlich in einem Vortrag über die Ursachen der Deflation und die Möglichkeiten, diese zu bekämpfen, gesprochen. Die Deflation sei zum einen auf eine Effizienzsteigerung und Deregulierung beim Vertrieb japanischer Produkte zurückzuführen, zum anderen auf sinkende Löhne, um Arbeitsplätze zu sichern. Schließlich sei der wichtigste Grund ein Absinken der Wachstumserwartungen aufgrund der Alterung der Bevölkerung. Dies führe zu geringerer Konsum- und Investitionsneigung. Um die Wachstumserwartungen neu zu beleben, sollte die steigende Nachfrage aus Wachstumsmärkten wie etwa China genutzt werden, und die Produktion auf stark nachgefragte Produkte umgestellt werde (zum Beispiel energieeffiziente Autos), was wiederum das Wachstumspotenzial anheben würde.
Die aktuelle Regierung versuche, sowohl die Konsumneigung als auch die Forschung und Entwicklung zu fördern. Allerdings sei hier ebenfalls die Deflation ein großes Hindernis, da die staatlichen Schulden im Vergleich zur Realwirtschaft immer mehr wert würden und so automatisch steigen würden. (26.02.2010/ac/a/m)