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Japanischer Yen Schulden spielen keine Rolle


18.02.2010
Helaba

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die japanische Währung konnte in der jüngsten Vergangenheit von unruhigeren Finanzmärkten profitieren, so die Analysten der Helaba.

Die Sorgen um Griechenland und andere Länder der Währungsunion hätten die Märkte generell und den Euro speziell in Mitleidenschaft gezogen. Von gut 138 Yen Ende Oktober 2009 sei der Euro bis auf 121 Yen im Tief gefallen. Selbst gegenüber dem US-Dollar habe die japanische Währung phasenweise aufwerten können. Mit derzeit rund 90 Yen koste ein US-Dollar im langfristigen Vergleich sehr wenig. Ende November habe der Wechselkurs sogar bei nur 85 Yen notiert. Halte die Stärke des Yen an?

In den letzten Jahren, also nicht erst seit Beginn der Finanzkrise, habe folgende Regel gegolten: Steige die Risikoneigung an den Finanzmärkten, werte der Yen ab. Wachse dagegen die Risikoaversion, gewinne die japanische Währung. Der Yen gelte schon lange als die Niedrigzinswährung, auch wenn er mittlerweile dieses Alleinstellungsmerkmal verloren habe. Risikobehaftete Investitionen - Engagements in höher verzinsliche Währungen oder auch im Aktien- oder Rohstoffsektor - seien mit Yen-Schulden finanziert worden. Die Auflösung dieser so genannten Carry Trades habe die japanische Währung in der Krise massiv aufwerten lassen. Zudem hätten Repatriierungen seitens japanischer Anleger eine Rolle gespielt.

Im Verlauf von 2009 habe die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten wieder deutlich zugenommen. Der Yen habe zwar auch gegenüber dem Euro abgewertet. Allerdings hätte man angesichts der Kursentwicklung bspw. bei Aktien sogar mit einer stärkeren Abwertung rechnen können. Gegenüber dem US-Dollar habe der Yen über längere Zeit sogar zulegen können. Offensichtlich habe der US-Dollar den Yen als Finanzierungswährung für Carry Trades teilweise abgelöst.

Ein anderer Faktor habe die japanische Währung ebenfalls tendenziell gestützt: Die Renditen am internationalen Kapitalmarkt seien insbesondere im zweiten Halbjahr vergleichsweise niedrig geblieben. Lediglich im Dezember hätten sich die Renditen deutlicher erhöht, der Dollar/Yen-Kurs habe zugelegt. In einem Umfeld steigender Renditen würden sich in der Regel die Zinsdifferenzen von Euro und US-Dollar gegenüber dem Yen ausweiten, das Kapital fließe aus Japan ab, der Yen verliere. So dürfte im laufenden Jahr neben der allgemeinen Risikoneigung auch die Zinsentwicklung den Yen prägen.

Die konjunkturelle Lage in Japan werde in den nächsten Monaten vermutlich keinen entscheidenden Impuls für die Wechselkurse geben. Grundsätzlich stünden die Zeichen auf Erholung, wie auch in den anderen großen Volkswirtschaften. Das Bruttoinlandsprodukt habe im Schlussquartal 2009 annualisiert um 4,6% zugelegt. Allerdings sollten die ersten Schätzungen zum japanischen Bruttoinlandsprodukt generell mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden.

Schließlich habe das Wachstum im dritten Quartal 2009 ursprünglich einen ähnlichen großen Zuwachs verzeichnet, nach Revisionen habe es aber nur stagniert. Für die Industrieproduktion würden sich für die ersten Monate 2010 Vorjahreszuwächse von bis zu 30% abzeichnen. Allerdings beruhe dieser rasante Anstieg vor allem auf den äußerst niedrigen Vorjahreswerten. In absoluten Zahlen habe die Industrieproduktion erst gut die Hälfte des vorherigen Einbruchs wettgemacht.


Die Industrie profitiere vor allem von einem Anstieg der Exporte. China sowie andere asiatische Länder würden sich kräftig erholen, und sogar in den USA habe das Wachstum zuletzt erheblich zugelegt. Der Außenhandel werde vermutlich die Konjunktur weiter treiben, auch wenn die Dynamik nachlasse. Bei den Unternehmensinvestitionen seien erste Lebenszeichen zu erkennen. Angesichts derzeit sehr niedriger Investitionsquoten bestehe hier deutliches Potenzial.

Der private Konsum habe sich im Verlauf von 2009 auch dank staatlicher Unterstützung verbessert. Aufgrund einer negativen Lohnentwicklung sei für den Konsum aber in diesem Jahr wohl wenig Luft nach oben. Insgesamt werde vermutlich das Bruttoinlandsprodukt nach dem Vorjahreseinbruch um 5,0% 2010 mit 1,7% moderat wachsen.

Die Preisentwicklung bereite jedoch Sorgen. Die Deflation habe sich in Japan wieder festgesetzt, selbst wenn das Minus 2010 mit knapp 1% geringer als im Vorjahr ausfallen dürfte. Die japanische Notenbank werde wohl entsprechend bis auf weiteres sehr expansiv bleiben und den Leitzins noch lange bei 0,1% belassen. Weitere quantitative Maßnahmen seien vorstellbar. Solche Maßnahmen könnten indirekt zu einer Yen-Abwertung führen. Eine Alternative wären direkte Inter- ventionen am Devisenmarkt.

Die Yen-Stärke belaste die Unternehmen. Ein schwächerer Yen würde zum einen das Wachstum fördern, zum anderen die Deflation mindern. Allerdings seien wegen der laufenden Konjunkturerholung zusätzliche Wachstumsimpulse nicht zwingend. Da die 2009 an die Macht gekommene Regierung grundsätzlich expansiven Maßnahmen sehr aufgeschlossen gegenüberstehe, könnten Devisenmarktinterventionen mittelfristig zumindest nicht ausgeschlossen werden. Diese Perspektive begrenze das Kurspotenzial für den Yen.

Während in der Eurozone wegen der hohen Verschuldung einiger Staaten die Sorgen wachsen, sei die Lage in Japan relativ entspannt. Die Kreditausfallprämien (CDS) für Japan hätten sich nur im Rahmen anderer bonitätsstarker Länder erhöht. Dabei sei die Finanzlage des japanischen Staats durchaus problematisch. Das Land sei mit rund 200% des Bruttoinlandsprodukts deutlich höher als jedes der Euro-Mitgliedsländer verschuldet, selbst wenn die Nettoverschuldung Japans weniger dramatisch aussehe. Das Haushaltsdefizit sei ebenfalls beträchtlich, ein merklicher Konsolidierungskurs sei nicht abzusehen.

Den Yen würden diese Probleme derzeit nicht berühren. Die Staatsanleihen würden sich weitestgehend in einheimischen Besitz befinden. Japan weise einen zwar geschrumpften, aber dennoch spürbaren Leistungsbilanzüberschuss auf und sei damit nicht auf ausländisches Kapital angewiesen. Die ausufernde Staatsverschuldung Japans könnte jedoch den Yen eines Tages unter Druck setzen.

Die europäischen Verschuldungsnöte mögen sich zwar noch etwas hinziehen, letztlich dürften die akuten Probleme aber politisch gelöst werden, so die Analysten der Helaba. Die Risikoaversion an den Finanzmärkten werde sich dann entsprechend reduzieren. Die Renditen am Kapitalmarkt in den USA und in Deutschland dürften mit fortschreitender Konjunkturerholung steigen und die Zinsdifferenzen gegenüber dem Yen sich ausweiten. Im zweiten Halbjahr würden die Federal Reserve und etwas später auch die EZB wohl die Zinswende vollziehen, während die Bank of Japan davon noch weit entfernt sein dürfte.

Carry Trades würden wegen höherer US-Zinsen dann wieder zunehmend über die japanische Währung finanziert. Der Yen dürfte deshalb 2010 insgesamt verlieren. Der Euro/Yen-Kurs werde bis zur Jahresmitte vermutlich auf 135 ansteigen und auch danach noch etwas zulegen können. Ein US-Dollar könnte sich bis auf 105 Yen verteuern, wenn der Zinsvorteil der US-Währung in den Fokus rücke. Überraschende Kurskapriolen seien beim Yen aber jederzeit möglich. (18.02.2010/ac/a/m)


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