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Japan reale Wirtschaftsdynamik kurzfristig positiv


14.01.2010
Erste Bank

Wien (aktiencheck.de AG) - Volatile Daten deuten auf eine ungleichmäßige weitere Entwicklung in Japan, so die Analysten der Erste Bank.

Vorlaufende Stimmungsindikatoren wie die Economy Watchers Survey und die Shoko Chukin Umfrage unter KMUs, aber auch der Nikkei hätten nach den raschen Anstiegen in Q2/Q3 nicht weiter zugelegt oder seien sogar rückläufig gewesen. Im dritten Quartal sei die japanische Wirtschaft, unterstützt von Exporten und Konsum, real um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Die Investitionen hingegen seien weiter geschrumpft, was zu der schlechter als erwarteten Entwicklung beigetragen habe.

Die Normalisierung der Arbeitslosenrate, welche nach exzessiven Anstiegen bis auf 5,7% wieder abgesunken sei (man rechne allerdings mit einem erneuten Anstieg auf 5,5%) könnte zur erstaunlich robusten Entwicklung des Konsums beigetragen haben. Die Strategie der neuen Regierung, vermehrt die Haushalte und weniger die Unternehmen zu unterstützen, könnte ebenfalls beigetragen haben.

Insbesondere ein starker Japanischer Yen wirke sich für Unternehmen und Haushalte nicht gleichermaßen aus, weshalb Ex-Finanzminister Fuji den stärkeren Yen in Q4 toleriert haben dürfte. Auf der einen Seite würden Exporteure zum Teil die Währungsentwicklung über Exportpreise absorbieren, um Absatz und Marktanteile nicht zu gefährden, was sich zuletzt in stark steigenden Exportvolumen, aber nur moderat steigenden Exportwerten widergespiegelt habe.

Dies belaste Unternehmen direkt, die Haushalte nur indirekt via den Arbeitsmarkt, welcher sich wie erwähnt jedoch eher stabilisiert habe. Auf der anderen Seite bedeute ein starker Yen auch sinkende Importpreise und somit einen Anstieg der Kaufkraft. Importgüter würden etwa zu 33% von Haushalten, 38% von Unternehmen nachgefragt, von niedrigeren Mineralstoffpreisen (26% der Importe) sollten beide Sektoren profitieren.

Sinkende Importpreise könnten jedoch daher für Unternehmen den Verlust aus sinkenden Exportpreisen kaum wettmachen. Ein starker Yen sei daher zunächst eine Unterstützung für Haushalte, nicht aber für Unternehmen. Falls es aber in weiterer Folge zu einer Eintrübung am Arbeitsmarkt komme oder permanent sinkende Preise zu einer Deflation führen würden, drücke dies wiederum die Konsumneigung der Haushalte und schädige somit die Wirtschaft insgesamt.


Insgesamt sollte daher die reale Dynamik (Exporte, Industrieproduktion) kurzfristig in Japan weitere Zuwächse zeigen, da die Nachfrage nach japanischen Produkten von Konjunkturpaketen und dem Lagerzyklus auch in den Exportdestinationen profitiere. Der Private Konsum könnte kurzfristig Unterstützung bieten. Eine früher als erwartete Abschwächung des Yens würde den Ausblick für Unternehmen deutlich verbessern.

Mittelfristig rechne man jedoch mit moderatem BIP-Wachstum (+1,5% für 2010 sei ausgehend von der extrem niedrigen Basis nicht sehr viel). Zum einen, weil die nachhaltige Entwicklung der Privaten Endnachfrage langsamer sein sollte als vor der Krise und die beschriebenen kurzfristige Effekte 2010 auslaufen würden, zum anderen, weil die Preiseffekte sich auf Unternehmensgewinne und Investitionen negativ ausgewirkt haben sollten.

Der Zusammenhang zwischen Unternehmensgewinnen und Investitionen könne mithilfe der Entwicklung des Aktienmarktes quantifiziert werden. Dabei gehe man davon aus, dass Firmen Investitionsentscheidungen anhand der Finanzierungskosten sowie einer Investitionsneigung (Tobin's q) treffen. Als proxy für die Investitionsneigung könne man den Quotient von "Market value" zu Abschreibungen heranziehen, denn "es macht keinen Sinn, eine neue Firma aufzubauen, wenn man für den gleichen Preis oder billiger eine vergleichbare Firma an den Aktienmärkten kaufen kann; umgekehrt bietet es einen Anreiz, in ein neues Projekt zu investieren, falls dieses mit unmittelbarem Gewinn an den Aktienmärkten platziert werden könnte" (Keynes). Dies deute darauf hin, dass sich der Rückgang der Investitionen im Jahresvergleich zwar verlangsame, es aber dennoch einen Rückgang in Q4 gegeben haben sollte.

Längerfristig sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass der Schlüssel zu mehr nachhaltigem Wachstum der japanischen Wirtschaft die Binnennachfrage sein sollte, weshalb eine mögliche Verschiebung von starker Exportorientierung zu etwas mehr Konsumfreudigkeit durchaus Wachstumsperspektiven bieten würde.

Im Gegensatz zu anderen Zentralbanken habe die Bank of Japan im letzten Quartal eine weitere Ausweitung der Bilanz beschlossen, indem eine zusätzliche Maßnahme zur Unterstützung der Kreditvergabe in Japan im Ausmaß von bis zu 10 Billionen Yen umgesetzt werde. In der Tat sei nirgends die Deflationsgefahr so deutlich wie in Japan, wozu der Yen einen Beitrag geleistet habe.

Der starke Außenkurs des Yens in Q4/2009 sei nach Ansicht der Analysten fundamental übertrieben gewesen, die wichtigste Erklärung dafür könnte eine partielle Umschichtung von Finanzierungen in Yen in US-Dollar gewesen sein, da der 3M-Libor in US-Dollar in dieser Periode niedriger gewesen sei als jener in Yen. Dieses Phänomen könnte noch etwas anhalten, früher oder später würden allerdings Marktteilnehmer den anhaltend niedrigen Yen-Zinsen den Vorzug geben, spätestens, wenn Zinsanhebungen in den USA absehbar seien.

Darüber hinaus seien aber bereits die zehnjährigen Renditen in den USA deutlich gegenüber jenen Japans angestiegen, was zur aktuellen Yen-Abschwächung zusätzlich beigetragen haben dürfte. Da man trotzdem mit einer Unterstützung für den Yen durch das Exportwachstum in Japan sowie der daraus entstehenden Repatriierung von Gewinnen in Q1/2010 rechne, könnte dieser Faktor an Bedeutung verlieren.

Zusätzlich dazu habe Japan einen neuen Finanzminister, welcher sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger für einen schwächeren Yen ausspreche und sogar Interventionen nicht ausschließe. Es könne daher zu einer früher als erwarteten Abschwächung des Yens kommen. Für japanische Exporteure wäre ein Wechselkurs von USD/JPY 90 bis 95 wünschenswert, was nach wie vor der mittelfristigen Erwartung der Analysten entspreche. (Ausgabe 1. Quartal 2010) (14.01.2010/ac/a/m)

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