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Japan erneut positives BIP in Q3/2009 erwartet


29.10.2009
Erste Bank

Wien (aktiencheck.de AG) - Im September haben die japanischen Exporte deutlich zugenommen, was zusammen mit den Juli und August Daten auf ein erneut positives Q3 hindeutet, so die Analysten der Erste Bank.

Die Zunahme habe dazu geführt, dass die Außenhandelsbilanz (Exporte minus Importe) wieder deutlich in den positiven Bereich gedreht habe. Die Nachfrage aus allen Exportdestinationen habe zugenommen, dürfte aber stark von Konjunkturpaketen und der Beendigung der Lagerbereinigung in China, den USA und Europa gestützt gewesen sein. Da die japanische Wirtschaft sehr sensibel auf die Außennachfrage reagiere, gehe man davon aus, dass auch das BIP im dritten Quartal zugenommen habe. Dem könnte vor allem ein technischer Faktor in die Quere kommen: Das Quartalswachstum beziehe sich auf saisonal bereinigte Daten, welche etwas weniger positiv als die Originaldaten aussehen würden.

Auch die Q3-Tankan-Umfrage habe eine weitere Verbesserung der leider immer noch schlechten Situation für Unternehmen gezeigt. Es hätten in Q2 erstmals seit Anfang der Krise wieder höhere Gewinne als im Vorquartal ausgewiesen werden können, was darauf hindeute, dass die Firmen sich im Durchschnitt an die neue wirtschaftliche Situation angepasst hätten.

Besonders interessant für die nächste Zukunft sei, dass sich die Lager laut Tankan-Umfrage wieder nahe einem gewünschten Niveau eingependelt hätten, und das Angebot zu Nachfrage Relation sich deutlich verbessert habe. Dies bedeute, dass die Firmen nun auch bei niedrigerer Kapazitätsauslastung profitabel operieren könnten. Dennoch gebe es kaum Impulse für Investitionen. Da das Produktionsniveau immer noch deutlich niedriger als vor der Krise sei, hätten die Firmen wenig Grund, zu expandieren und seien dementsprechend zurückhaltend beim investieren.


Der Tiefpunkt sollte allerdings in Q2 durchschritten worden sein. Dies werde von den Auftragseingängen für Maschinen, welche ein guter Vorlaufindikator für die Investitionen allgemein seien, angedeutet.

Anhaltende Auswirkungen habe die Krise nach wie vor auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit sei im August mit 5,5% etwas niedriger als im Juli (5,7%) gewesen, was für Japan aber immer noch ein hoher Wert sei. Einer der Gründe dafür, dass die Arbeitslosigkeit in Japan im Durchschnitt viel niedriger sei als etwa in den USA oder Europa, dürfte die flexiblere Lohngestaltung sein. Vergleiche man die Entwicklung der Arbeitslosenrate und der realen (bereinigt um die Preisentwicklung) Löhne in Japan und den USA, sei das Bild recht verschieden.

In Japan würden mit einer niedrigen Nachfrage nach Arbeitskräften (zu Krisenzeiten) sowohl ein Anstieg der Arbeitslosenrate als auch ein Absinken des Lohnniveaus einhergehen. Demgegenüber sei in den USA das Lohnniveau beinahe durchgehend steigend oder stagnierend, und die niedrigere Nachfrage nach Arbeitskräften werde eher über Entlassungen geregelt. Dies könnte mit ein Grund sein, warum in Japan die Arbeitslosenrate weniger angestiegen sei als in den USA. Der "Preis" einer im Vergleich niedrigen Arbeitslosenrate für die japanische Wirtschaft sei allerdings, dass mit sinkenden Löhnen auch das Deflationsrisiko größer werde und wenig Unterstützung von Seiten des Privaten Konsum zu erwarten sei.

Insgesamt sei also für das BIP mit einem positiven dritten und ungefähr ausgeglichenen vierten Quartal zu rechnen. Nach Auslaufen der Konjunkturpakete weltweit sowie Beendigung der Lagerbereinigung werde das Wachstum aber stark von der nachhaltigen Privaten Endnachfrage abhängen. Dabei sollten die USA wenig unterstützen könnten.

Ein positiver Beitrag könnte von den asiatischen Emerging Markets, insbesondere China, kämen, sei aber nicht zu überschätzen. Innerhalb Japans könne kaum auf eine baldige Belebung der Investitionen oder des Privaten Konsum gezählt würden. Für das nächste Jahr rechne man daher für Japan mit positivem, aber niedrigem Wachstum. Berücksichtige man die Basiseffekte (also ein sehr schlechtes 2009), werde die japanische Wirtschaft vermutlich um das Potentialwachstum von 1, 2% herumwachsen. (29.10.2009/ac/a/m)


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