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Japan weiteres Potenzial nach oben


05.10.2009
Erste Bank

Wien (aktiencheck.de AG) - In Japan sehen die Analysten der Erste Bank nach einem wie erwartet positiven zweiten Quartal (0,6% q/q) weiteres Potenzial nach oben.

Ausgehend von den Exporten, welche im Juli und August über dem Mittelwert des Q2 gelegen hätten, sollte auch die Gesamtproduktion im dritten Quartal zunehmen. Die Exporte hätten von verschiedenen Faktoren profitiert: Zum einen sei die Nachfrage aus Asien, angeführt von derjenigen aus China, in den letzten Monaten deutlich angestiegen, zum anderen sollten sich Konjunkturpakete wie zum Beispiel die Abwrackprämie in den USA und Europa sowie die Beendigung der Lagerbereinigung auch positiv auf Exporte in diese Regionen auswirken.

Zugleich würden jedoch Exporte und Produktion deutlich niedriger als vor der Krise liegen. Die Effekte von Konjunkturpaketen und Lagerbereinigung seien zeitlich begrenzt, weshalb ein eventuell rascher Anstieg nicht nachhaltig sein sollte. Zusätzlich unterstütze die Nachfrage aus China zwar die japanischen Exporte, gerade Autos würden aber hauptsächlich in die USA und nach Europa exportiert. Bedenke man, dass von der Autoindustrie weit mehr Zulieferfirmen abhängen würden als etwa von der Stahl- oder Maschinenproduktion, so sei klar, dass die Nachfrage aus den USA ein wichtiger Stimulus für die japanische Wirtschaft sei und nicht so bald durch jene nach China kompensiert werden könne.


Die Analysten würden daher davon ausgehen, dass das Wachstum mittelfristig moderat sein sollte und die Niveaus vor der Krise nicht so bald erreicht werden sollten. Dies bedeute, dass die Kapazitätsauslastung der Wirtschaft insgesamt noch einige Zeit niedrig bleiben sollte, was zu äußerst niedrigen Investitionen und einer anhaltend schlechten Arbeitsmarktlage führen sollte. In der Tat habe die Arbeitslosigkeit in Japan einen historischen Höchststand von 5,7% erreicht und das (nominelle und reale) Lohnniveau sinke deutlich. Deshalb würden die Analysten auch das Risiko einer erneuten Deflation als besonders deutlich einschätzen.

Milderung könnte hier die neue Regierung bringen, deren erklärtes Ziel es sei, sich etwas vom bisherigen exportorientierten Kurs abzuwenden und die Innennachfrage ausgehend von den Haushalten anzuregen. Insbesondere das Bevölkerungswachstum, welches sowohl für den Konsum als auch im Hinblick auf die steigende Verschuldung von größter Bedeutung sei, solle über Kindergeld und Bildungszuschüsse gefördert werden. Diese Priorität sei nach Ansicht der Analysten sehr gut gewählt, die Frage bleibe allerdings, ob sich die Maßnahmen als effizient erweisen würden.

Die Bank of Japan (BoJ) habe nochmals ihren Ausblick für die Wirtschaft verbessert, zugleich aber keine Änderung der Geldpolitik vorgenommen. Die Analysten würden denken, dass das Deflationsrisiko noch einige Zeit anhalten werde und die Bank deshalb nicht so bald von ihrem expansiven Kurs abkommen könne. Der Yen habe sich abermals befestigt. Dafür könnte eine erstmals seit langem positive Zinsdifferenz verantwortlich sein, welche durch ein starkes Absinken des USD Libor bis auf 0,29% ausgehend von der zusätzlichen Liquiditätsbereitstellung der FED verursacht worden sei.

Steigende Exporte oder der Regierungswechsel könnten ebenfalls zur Yen-Stärke beigetragen haben. Seit Anfang August scheine hingegen die sichere Hafen-Eigenschaft des Yen keine Gültigkeit mehr zu haben, denn der Yen habe sich trotz steigender Aktienmärkte und sinkender Volatilität befestigt. Die Analysten würden denken, dass kurz- bis mittelfristig stärkere Niveaus nahe USD/JPY 90 zu erwarten seien, längerfristig aber - zumindest ab dem ersten Zinsschritt der FED - der Wechselkurs wieder zu USD/JPY 95 zurückkehren sollte. (Ausgabe 4. Quartal 2009) (05.10.2009/ac/a/m)


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