Wien (aktiencheck.de AG) - Der Yen hat sich gegenüber dem US-Dollar bis auf USD/JPY 90,5 befestigt, ist aber zwischenzeitlich wieder auf USD/JPY 92 zurückgekehrt, berichten die Analysten der Erste Bank.
Wesentlich für die Befestigung könnte die seit Jahren erstmals negative Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan sein. Der USD 3M Libor liege momentan mit 0,29% am niedrigsten unter den von den Analysten betrachteten Währungen (JPY: 0,35%, CHF: 0,3%), was dazu führen könnte, dass nun Carry-Trades vermehrt in USD durchgeführt würden, was den Dollar schwäche. Dass die Geldmarktzinsen in den USA niedriger als in Japan und in der Schweiz seien, stehe mit der raschen Ausweitung der Geldmenge M0 der FED sowie der Normalisierung des Interbankenmarktes im Zusammenhang. Dadurch hätten die amerikanischen Banken deutlich mehr Liquidität (und zu einem niedrigeren Zinssatz) zur Verfügung als vor der Krise.
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Wie lange die Zinsdifferenz allerdings negativ bleibe, sei die Frage, da die Analysten davon ausgehen würden, dass die FED die Zinsen vor der BoJ anheben werde - aber dies sollte erst im nächsten Jahr ins Spiel kommen. Obwohl die BoJ an ihrer letzten Sitzung die wirtschaftliche Lage nochmals positiver beurteilt habe, sei die Geldpolitik wie erwartet nicht geändert worden. Nach Ansicht der Analysten würden nach wie vor die Risiken für eine erneute Deflation in Japan überwiegen, weshalb sie dort von keiner baldigen Zinsänderung ausgehen würden.
Die Sicherer-Hafen-Eigenschaft des Yen scheine hingegen kaum mehr vorhanden zu sein, denn steigende Aktienmärkte und eine sinkende Volatilität würden eigentlich für einen schwächeren Yen sprechen. Die wieder steigenden japanischen Exporte könnten zur Befestigung der Währung beitragen, oder der jüngste Regierungswechsel. In der Tat habe der neue Finanzminister geäußert, dass er "im Prinzip gegen Interventionen am Währungsmarkt" sei, was angesichts des starken Außenkurses eine erstaunliche Bemerkung sei.
Insgesamt deuten diese Argumente auf eine (kurz- bis mittelfristige) Verschiebung des Wechselkurses in Richtung USD/JPY 90 bis 95 hin, weshalb die Analysten der Erste Bank ihre Prognosen angepasst haben. (22.09.2009/ac/a/m)