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Schweiz Wendepunkt in Sicht


06.07.2009
Erste Bank

Wien (aktiencheck.de AG) - In der Schweiz gibt es erste Anzeichen für einen Wendepunkt, so die Analysten der Erste Bank.

Der wichtigste Frühindikator, derjenige des KOF, habe sich - im Gegensatz zu den Exportdaten - im Mai gegenüber April nicht weiter verschlechtert, was darauf hindeute, dass sich die Abwärtsdynamik des BIP nicht viel weiter beschleunigen sollte. Die Werte würden darauf hindeuten, dass im zweiten Quartal eine weitere Eintrübung der Wirtschaft stattgefunden habe, welche jedoch zugleich den Tiefpunkt darstellen könnte.

Die Schweiz sei von der Krise doppelt betroffen: Zum einen leide die exportorientierte Industrie unter dem Einbruch des Welthandels, zum anderen sei der Finanzsektor, welcher in der Schweiz üblicherweise einen wichtigen Beitrag zum Wachstum leiste, durch die Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen. Da im Finanzsektor derzeit rasch Überkapazitäten abgebaut würden, restrukturiert werde und Bilanzbereinigungen angestrebt würden, scheine dieser auf dem Weg zur Besserung. Es könnte allerdings noch einige Zeit dauern, bis nachhaltig positives Wachstum möglich sei.


Auf der anderen Seite scheine das Verarbeitende Gewerbe etwas bessere Aussichten zu haben: Der Abschwung des Welthandels habe sich eingebremst und wenn auch nicht mehr so bald Niveaus wie vor der Krise erreicht werden sollten, sei doch zumindest eine Verbesserung absehbar. Momentan sei der Handel innerhalb der Schweiz der einzige Sektor, welcher einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum leiste, was sich allerdings bei einer fortlaufenden Eintrübung des Arbeitsmarktes ändern könnte. In der Tat habe der Private Konsum in der Schweiz noch nicht Tiefstände von früheren Abschwüngen erreicht, und somit bestehe noch Potenzial nach unten. All dies spreche dafür, dass ein baldiges Erreichen des Tiefpunktes plausibel scheine, man aber noch einige Zeit in der Nähe dieses verharren könnte.

Der Arbeitsmarkt stehe ebenfalls im Zentrum der dritten Stufe des Konjunkturpaketes der Schweiz. Diese habe im Gegensatz zu anderen Staaten die Maßnahmen zeitlich so eingeteilt, dass sie dem Konjunkturzyklus entsprechen würden. Seien in den Anfangsphasen vor allem Kurzarbeit und Infrastrukturprojekte unterstützt worden, stünden jetzt Unterstützungen bei Krankenkassenprämien (für niedrige Einkommen) und Umschulungen für Arbeitslose an. Da das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) zugleich mit einer Prognoserevision nach unten (-2,9% für 2009) auch die Erwartungen für die Arbeitslosenrate auf historisch sehr hohe 5% angepasst habe, würden die Maßnahmen angebracht erscheinen, zumal die Schweiz eine niedrige Verschuldung aufweise.

Die Schweiz habe ebenfalls mit dem daraus entstehenden Preisdruck nach unten zu kämpfen, welcher durch die Befestigung des Schweizer Franken deutlich verstärkt worden sei. Da die SNB (Schweizer Nationalbank) allerdings rasch und entschlossen diesbezüglich eingegriffen habe, würden die Analysten nicht denken, dass es tatsächlich zu Deflation (im Sinne anhaltend sinkender Preise und Preiserwartungen) kommen werde.

Die SNB habe ihre ergriffenen Maßnahmen (Absenken des 3M Libor auf 0,25%, Ankauf von Unternehmensanleihen zum Absenken der Risikoaufschläge, Ausweitung der Repo-Auktionen, vor allem aber Deviseninterventionen, um dem Aufwertungsdruck des Franken entgegenzuwirken) erneut bestätigt. Innerhalb der Schweiz stehe momentan das Thema "Finanzstabilität" im Vordergrund und im Zusammenhang damit der StabFund, welcher von der UBS ausgegliederte Wertpapiere verwalte (die Bilanzsumme betrage allerdings nur mehr etwa 25 Mrd. CHF vs. ursprünglich geplanten 60 Mrd.).

Auf internationaler Ebene stehe hingegen der Franken im Zentrum des Interesses. Der nach wie vor hohe Nachfragedruck, welcher zum Beispiel in einem seit Lehman um 0,4% angestiegenen Libor-Bid Spread widergespiegelt werde (vormals beinahe 0), sollte noch einige Zeit anhalten. Da die SNB einer Befestigung via Interventionen entgegensteuere, gehe man von einem anhaltend starken, aber nicht stärkeren, Schweizer Franken aus. Es werde ebenfalls von einer Entspannung an den Geldmärkten abhängig sein, wann das SNB Libor Ziel von 0,25% erreicht werden könne. (Ausgabe 3. Quartal 2009) (06.07.2009/ac/a/m)


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