Hugo Boss "reduce"




30.07.02 15:25
Commerzbank

Die Analysten von der Commerzbank stufen die Aktien der im MDAX notierten Hugo Boss AG (WKN 524553) von "hold" auf "reduce" herunter. Gleichzeitig senke man das Kursziel von 16 auf neun Euro.

Letzte Woche sei eine Sammelklage im Bezirksgericht von New York (Southern District Court of New York) gegen das Unternehmen eingereicht worden. Bei der Commerzbank habe man eine Kopie der eingereichten Anklageschrift erhalten, die den ehemaligen CEO des US-Geschäfts Marty Staff, den ehemaligen CFO Vincent Ottomanelli und die deutsche Muttergesellschaft Hugo Boss als Beklagte nenne. Den ehemaligen US-Managern werde vorgeworfen, über einen beträchtlichen Zeitraum von der sich verschlechternden Ertragslage des US-Geschäfts gewusst zu haben und wissentlich diese Informationen den Anlegern vorenthalten zu haben. Dadurch hätten sie die Investoren bewusst in die Irre geführt, was die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse des Unternehmens betreffe.

Laut Sammelklage seien die Ergebnisse für das Jahr 2001 im wesentlichen falsch und irreführend ausgewiesen worden, da die angegebenen Summen Umsätze mit Produkten berücksichtigen, die gar nicht verkauft, sondern dem Vertriebnetz trotz fehlender Nachfrage aufgezwungen worden seien (sogenanntes Channel Stuffing). Aus diesem Grund, so die Sammelklage, hätten die Beklagten Hugo Boss in der Öffentlichkeit als "ein finanziell stabiles, wachsendes und florierendes Unternehmen" darstellen können, obwohl dies nicht der Fall sei.

Seit der ersten Gewinnwarnung des Jahres Ende Mai habe Hugo Boss rund 56% seiner Marktkapitalisierung verloren. Die Aktie werde derzeit auf Basis der geschätzten 2002er und 2003er KGVs von 11,4x bzw. 8,0x gehandelt und weise EV/EBIT-Multiplikatoren im selben Zeitraum von 7,7x bzw. 5,7x auf. Trotz der Attraktivität dieser Bewertungen falle nach Ansicht der Analysten von der Commerzbank die Gewissheit der Sammelklage stärker ins Gewicht als die Attraktivität dieser Bewertungen. Zu diesem Zeitpunkt sei es der Commerzbank schlicht unmöglich gewesen, die Erfolgschancen der Klage oder nur annähernd ihre finanzielle Auswirkung auf das Unternehmen (ganz zu schweigen vom möglichen Zeitraum) auszurechnen. Man sei der Auffassung, dass, obwohl ein Kauf der Aktie auf dem derzeitigen Niveau die Möglichkeit für Kursgewinne biete, ein erhebliches Risiko damit einher ginge und daher einen äußerst spekulativen Schachzug darstelle.

Hugo Boss gebe seine Ergebnisse für das 2. Quartal am Mittwoch bekannt. Aufgrund der schwachen Nachfrage in den USA erwarte man bei der Commerzbank einen um 3,3% gegenüber Vorjahr zurückgegangenen Umsatz für das 2. Quartal. Des weiteren rechne man mit Retouren und Preisnachlässen, die die Marge negativ beeinflussen würden, wobei man von einer Verschlechterung um 290 Basispunkten gegenüber Vorjahr ausgehe. Der Prognose zufolge werde das EBIT im Vergleich zum 1. Quartal 2001 um 26 Mio. auf –24 Mio. Euro zurückgehen. Die Hauptgründe hierfür seien im Zusammenhang mit dem US-Geschäft zu sehen: 1) Rückstellungen für eine höher als erwartete Rücknahmequote aufgrund der Rücknahmegarantie, 2) Abschreibungen auf Forderungen von Retail-Kunden und 3) die Übernahme einiger ehemaliger US-Franchise-Geschäfte, die derzeit Verluste erwirtschaften.

Vor diesem Hintergrund werde bei der Hugo Boss-Aktie bei der Commerzbank das Rating auf "reduce" und das Kursziel auf neun Euro reduziert.







 
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