DJ MARKT-AUSBLICK/Die volatile Bodenbildung bei Aktien beginnt




12.02.16 14:09
Dow Jones Newswires



DJ MARKT-AUSBLICK/Die volatile Bodenbildung bei Aktien beginnt




Von Michael Denzin


FRANKFURT (Dow Jones)--Erste Versuche für eine Bodenbildung dürfte es kommende Woche an den weltweiten Aktienmärkten geben. Der Handel dürfte hochvolatil verlaufen, auch neue Tiefs sind möglich. Aber erste Schnäppchenkäufe in irrational abverkauften Aktien und Eindeckungen von Leerverkäufen sollten für stärkere Gegenbewegungen sorgen als bisher.




Mit Argusaugen wird vor allem auf die Eröffnung von Chinas Börsen geblickt. Sollte sich der erwartete Kurseinbruch nur als Nachvollziehen der Verluste der Weltbörsen aus dieser Woche erweisen, würden die Märkte dies positiv aufnehmen. Denn während China dank des Neujahrfestes eine Woche der Partylaune frönen durfte, ging es mit den Vergleichsaktien um rund 7 Prozent abwärts. Verluste in dieser Höhe zum Börsenstart am Montag sollten die Märkte daher nicht mehr beunruhigen.





Brachiale Übertreibungen - Volatilität zeigt nur noch Angst



An Europas Börsen zeigen sich nun Übertreibungen, die üblicherweise nur kurz vor einem Boden zu sehen sind. So sprangen die Optionsprämien auf Deutsche Bank in Bereiche über 90 Prozent, was Marktteilnehmer nur noch als "Irrsinn" und "unberechtigtes Einpreisen einer Pleite" kommentierten. Denn übersetzt heißt das, dass Anleger Absicherungsprämien bezahlen, die eine Halbierung der Aktie bis Jahresende mit einschließen. Ähnlich wie bei dem als Angstbarometer bekannten VDAX-Index sind das Größenordnungen, die nur noch durch emotional getriebene Angstverkäufe erklärbar sind. Dazu passend sprang auch die Publikumspresse auf die schwachen Quartalszahlen auf und überbot sich gegenseitig mit Abgesängen auf den ehemaligen nationalen Champion im Investmentbanking.




Natürlich - die Bodenbildung wird volatil werden und wahrscheinlich auch neue Tiefs produzieren. Dies wäre aber nur noch den brachialen Intraday-Kursausschlägen zu verdanken und kein systematischer Abwärtstrend mehr. Denn mit einem Stand von 36 Prozent preist der berüchtigte VDAX Tageschwankungen von rund 320 Punkten im DAX-Index ein. Die von vielen Technischen Analysten als Kursziel genannte Marke von rund 8.600 Punkten ist damit vom Optionsmarkt bereits voll erfasst. Damit hat es für viele Anleger keinen Sinn mehr, noch weiter auf fallende Kurse zu setzen.





Shorties werden nervös - Schnäppchenkäufer lauern



Zudem steigt die Nervosität der Leerverkäufer - was ein ziemlich gutes Zeichen ist. Schon kleine Positivnachrichten reichen dann, um massive Short-Eindeckungen auszulösen. So trieb allein der Gedanke an einen Anleiherückkauf die Deutsche-Bank-Aktie um 10 Prozent, bessere Quartalszahlen den Kurs der Commerzbank sogar um 16 Prozent und Hoffnungen auf Besserungen im Stahlsektor die Salzgitter-Titel um 10 Prozent.




Dazu rücken nun Schnäppchenkäufe von völlig ausverkauften Aktien auf den Plan. Aufgrund der vorhergehenden Volatilität sind die Käufergruppen aber zunächst noch beschränkt: Nur Eigenhändler und Hedge-Fonds sind als erste in der Lage, zu kaufen und kurzfristige Rückschläge auszusitzen. Publikumsfonds leiden dagegen unter den selbstangelegten Fesseln wie den rückwärtsgewandten Risikobudgets. Nur weil die Volatilität in der Vergangenheit hoch war, wird der Markt weiter als hochriskant bewertet. Entsprechend dürfen selbst schreiend billige Aktien nur in viel zu kleinen Stückzahlen eingekauft werden. Erst das Abklingen der Volatilität dürfte daher den Grundbaustein für eine längerfristige Erholung legen.





Ruhe bei Devisen notwendig



Auch an der Währungsfront ist eine Beruhigung nötig. Vor allem der fortgesetzte Absturz des US-Dollar zum Yen muss zum Halten kommen. Jenseits seiner fundamentalen Bedeutung als Bremsklotz für den japanischen Export dient er als einer der Hauptindikatoren für die weltweite Risikoneigung. Die "Flucht in den Yen" wird von Marktteilnehmern automatisch als "Risk Off" gedeutet und sorgt für Verkäufe bei Aktien.




Wichtiger noch wird, wie der chinesische Yuan in die neue Woche startet. Einige Anleger hatten darauf gesetzt, dass Chinas Notenbank die lange Ferienwoche zu einer drastischen Abwertung nutzt. Hier ist bislang nichts geschehen. Sollte der Yuan am Montag nur mit moderaten Verlusten starten, dürfte auch dies die Gemüter beruhigen.





Fallende Kurse sind keine Rezession



Daneben dominiert die "Börsen-Tautologie" das Spielfeld, der Weiße Schimmel ihrer Prognosekünste. Denn viel zu oft hört man die Begründung, "die Börsenkurse fallen aus Furcht vor einer Rezession, die ja durch die fallenden Börsenkurse angekündigt wird". Allerdings weisen Strategen wie Carsten Klude von M.M.Warburg darauf hin, dass Kursverluste gerne als Vorbote eines bevorstehenden wirtschaftlichen Absturzes interpretiert werden. Bärenmärkte hätten aber nur eine Trefferquote von gut 50 Prozent, wenn es um die Prognose von Rezessionen ginge. Damit lägen sie also ähnlich schlecht wie Ökonomen, die ebenfalls Probleme bei der rechtzeitigen Erkennung von Rezessionen hätten.




Was dem Markt derzeit noch fehlt, sind fantasiebeflügelnde Themen, die Marktteilnehmer auch längerfristig in ihren Aktienpositionen halten. Vielleicht könnte so etwas von EZB-Präsident Draghi kommen. Er redet am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Bei den Strategen von Jefferies sieht man durchaus die Chance, dass er dieses Podium zu überraschenden Ankündigungen nutzt.




"Draghi hat klar gemacht, dass es keine Tabus gibt. Praktisch jede Entscheidung kann mit dem Prinzip der geldpolitischen Hoheit gerechtfertigt werden", sagt Marchel Alexandrovich von Jefferies. Schon in den kommenden zwei Wochen könne die Notenbank "ihre Werkzeugkiste durchschütteln und radikalere Maßnahmen ergreifen". Zudem könnten auch Unternehmensanleihen gekauft werden.




Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com




DJG/mod/cln




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February 12, 2016 08:09 ET (13:09 GMT)




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