DJ MARKT-AUSBLICK/Starke Produktion wird Bonds und Aktien belasten




05.06.15 13:59
Dow Jones Newswires

DJ MARKT-AUSBLICK/Starke Produktion wird Bonds und Aktien belasten


Von Michael Denzin


FRANKFURT (Dow Jones)--Eine unruhige Woche könnte Europas Aktienmärkten bevorstehen. Die übliche Gleichung, dass in der Woche nach dem US-Arbeitsmarktbericht konjunkturell eher Ruhe herrscht, gilt diesmal nicht. Der Kursverfall an den Anleihemärkten steht weiter im Fokus, und hierzu gibt es wichtige Indikatoren.


Vor allem die Daten zur Produktion der deutschen Industrie könnten gleich am Montag für Bewegung sorgen. Denn der Markt erwartet gute Daten, da die bisherigen Rechnungen der Volkswirte von einer weiteren Erholung der Konjunktur im zweiten Quartal ausgehen. Die Produktionsdaten für April bilden daher die ersten handfesten Veröffentlichungen jenseits der üblichen Stimmungsumfragen.


Wie so oft gilt jedoch auch hier, "Was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall". Denn während sich der Aktienmarkt gern an guten Konjunkturdaten erfreut, sieht es auf der Rentenseite ganz anders aus. Denn zu gute Daten würden automatisch die Befürchtungen über steigende Zinsen auch aus Konjunkturgründen verstärken. Angesichts der ohnehin angeschlagenen Rentenmärkte wäre dies eine fatale Zusatzbelastung.


Und das Risiko für "überraschend gute" und damit anleihebelastende Daten ist sehr hoch. Der Marktkonsens geht bislang nur von einem Anstieg der Produktion zum Vormonat von 0,5 Prozent aus. Er enthält jedoch viele Schätzungen angelsächsicher Analysten, denen eine gewisse Nähe zur Quelle fehlt. Regional stärker verdrahtete Analysten rechnen dagegen schon mit weit höheren Zuwachsraten. So geht die Helaba zum Beispiel von einem Plus von 0,7 Prozent und die Commerzbank sogar von 1,0 Prozent aus.


Schon die Auftragseingänge aus Deutschland zeigten, wie deutlich hier Abweichungen ausfallen können. Schließlich waren sie um 1,4 Prozent gestiegen, während der Konsens nur mit 0,5 Prozent gerechnet hatte. Zudem wurde auch noch der Vormonatswert nach oben revidiert.


Anleger sollten sich daher auf bessere Produktionsdaten einstellen. Die Rentenmärkte dürften wie üblich mit einem Rutsch nach unten reagieren, der Euro könnte weiter nach oben schießen. Auch für die Aktienmärkte wäre diese Kombination fatal: Steigende Zinsen und steigender Euro bringen Druck von gleich zwei Seiten. Die hohen Aktienbewertungen lassen sich vor diesem Hintergrund immer schwerer rechtfertigen und der ehemalige Kurstreiber im DAX, die "Euro-Schwäche", würde sich als Thema endgültig verabschieden. Der anhaltende Kursverlust der Auto-Aktien ist bereits ein klares Indiz dafür.


Der Euro droht ohnehin, eine Abwärtsspirale an den Aktienmärkten auszulösen. Denn einen der Hauptgründe für den Verfall der deutschen Anleihekurse und des gleichzeitigen Euro-Anstiegs machen die Analysten von Morgan Stanley (MS) in Kursabsicherungen auf den Euro aus. "Da die meisten Auslandskäufe von europäischen Aktien auf währungsgesicherter Basis erfolgt sind, führen niedrigere Aktienkurse zu einer über-hedgten Euro-Position", so die Analysten.


Fallende Aktienkurse führen dann dazu, dass dem Absicherungsgeschäft in Euro ein immer geringerer Gegenwert gegenübersteht. Entsprechend muss der Euro gegen den Dollar zurückgekauft werden, um die Position wieder auszubalancieren. Steigende Euro-Kurse führen dann leicht zu noch weiter steigenden Euro-Kursen. Der Prozess dieses "Rebalancings" ist noch lange nicht abgeschlossen.


Und auch bei den Anleihen besteht weiter Abwärtspotenzial: Erste Käufe in Bundesanleihen wurden zwar knapp unter der 1-Prozent-Marke gesehen, das Volumen reicht aber nicht aus, um den Markt zu stabilisieren. Nach Aussagen einiger Vermögensverwalter werde erst der Bereich von Renditen um 1,10 bis 1,15 Prozent als attraktiv empfunden, um hier wieder einzusteigen. Dies entspricht etwa dem Renditeniveau von August/September des Vorjahres.


Im viel beachteten Bund-Futures würde dies mit einem Niveau von rund 147 Prozent korrespondieren. Der Aktienmarkt würde einen solchen Kursrutsch aber wohl kaum begrüßen. Vielleicht kommt die Entspannung für die Märkte aber diesmal von einer ganz überraschenden Seite, so zum Beispiel einer Einigung in der Griechenland-Krise. Denn nachdem das Land eine fällige Zahlung an den Internationalen Währungsfonds mit anderen Rückzahlungen "gebündelt" und damit einen Weg gewählt hat, den zuletzt das Entwicklungsland Sambia in den 1980ern beschritt, sollte Anleger eigentlich nichts mehr wundern. Da die Rückzahlungen an den IWF nun spätestens bis Ende Juni erfolgen müssen, dürfte die EU bis dahin einknicken und weitere Kredite freigeben. Als Belastungsthema für die Märkte wäre Griechenland dann für einige Monate entfallen.


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/mod/raz


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June 05, 2015 07:59 ET (11:59 GMT)


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