DJ MARKT-AUSBLICK/Nach Mario Draghi werden die Karten neu gemischt




23.10.15 14:15
Dow Jones Newswires

DJ MARKT-AUSBLICK/Nach Mario Draghi werden die Karten neu gemischt


Von Manuel Priego Thimmel


FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Präsident Mario Draghi wurde seinem Spitznamen "Super-Mario" wieder einmal voll gerecht. Seine Botschaft an die Finanzmärkte auf der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung fiel sehr viel "taubenhafter" aus als gedacht. Nicht nur wurden seine Aussagen als Vorankündigung für eine Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms (QE) interpretiert. Auch brachte er eine weitere Senkung des Einlagesatzes ins Spiel, zu dem Bank überschüssige Gelder bei der EZB zwischenparken können. Dieser liegt bereits bei minus 20 Basispunkten. Einziger Hemmschuh für die Börsen - die bislang nur mau laufende Berichtssaison.


"QE2 kommt". Mit diesen Worten kommentiert der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, die EZB-Sitzung vom Donnerstag. Für die Börsen sind das gute Nachrichten. Eine Ausweitung des Kaufvolumens von derzeit 60 Milliarden Euro monatlich und/oder eine Verlängerung der Programmdauer über September 2016 hinaus brächten neue Liquidität an den Markt. Die Anleger ständen dann noch mehr unter Druck, die sicheren Häfen zu verlassen und in riskantere Anlageformen wie Aktien zu investieren. Die Herabsetzung des als "Strafzins" verschrienen Einlagesatzes noch tiefer in den negativen Bereich hätte wohl eine ähnliche Wirkung.


Mögliches Störfeuer für die Börsen auf dem Weg nach oben kommt zwar von der US-Notenbank. Das Risiko erscheint aber überschaubar, zumindest kurzfristig. Die Federal Reserve wird am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Nachdem sie bereits im September stillgehalten hat, geht praktisch niemand davon aus, dass sie in der kommenden Woche die Leitzinsen erstmalig seit der Ausbruch der Finanzkrise anheben wird. Die Fed-Fund-Futures preisen in der Zwischenzeit nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent einen Zinsschritt im Dezember ein. Noch vor ein paar Wochen wurden fast 50 Prozent eingepreist.


Haben die Märkte recht, wird die US-Notenbank frühestens im kommenden Jahr - eventuell im März - die geldpolitischen Zügel anziehen. Die Erwartung letztlich höherer Zinsen in den USA dürfte zwar verhindern, dass der DAX das Rekordhoch von 12.391 Punkten anpeilt. Auf kurzfristige Sicht ist die Fed aber kein Grund, warum die Aktienmärkte nicht weiter steigen sollten. Die am kommenden Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden BIP-Zahlen für das dritte Quartal dürften den fehlenden Handelsdruck noch unterstreichen. Im Konsens wird damit gerechnet, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft auf 1,7 Prozent von zuvor 3,9 kräftig abgeschwächt hat.


Unterstützung für Europas Börsen könnte auch von der Währungsseite kommen. Der Euro hat auf die Ausführungen Draghis mit Abschlägen von rund zwei Cent auf knapp 1,11 Dollar reagiert. QE2 hängt wie ein dunkler Schatten über der Einheitswährung - insbesondere, da sich die US-Notenbank mit der ersten Zinserhöhung Zeit lassen dürfte. Im Handel wird nicht ausgeschlossen, dass der Euro schon bald unter die Marke von 1,10 zum Dollar abrutschen wird. Eine schwächere Einheitswährung wäre eine gute Nachricht für Europas Exportunternehmen. Auch wenn es einige Monate dauern dürfte, bis sich dies in den Bilanzen widerspiegelt: Die Aktienmärkte preisen positive Effekte unmittelbar ein.


Auch Asien hilft. Nicht nur hat China die Leitzinsen gesenkt. Am Markt wird bereits spekuliert, dass die japanische Notenbank (BoJ) am kommenden Freitag nachziehen und ebenfalls ihr Wertpapierkaufprogramm ausweiten könnte. Als Exportnation kann Nippon an einem relativ aufwertenden Yen kein Interesse haben. Credit Suisse schätzt die Wahrscheinlichkeit auf weitere geldpolitische Lockerungen in Japan in der kommenden Woche auf 50 Prozent ein. Möglicherweise wartet die BoJ zunächst die Regierungsentscheidungen zu den Themen Mehrwertsteuererhöhungen und Nachtragshaushalt ab, so die Analysten.


Also alles klar am Börsenhimmel? Nicht ganz. Gewinnwarnungen in Serie - genannt seien an dieser Stelle Hugo Boss, Drägerwerk oder Leoni - sowie der Abgasskandal bei VW vermiesen ein wenig die Stimmung. Auch insgesamt lässt die Qualität der Berichtssaison, zumindest mit Blick auf deutsche Unternehmen, bislang zu wünschen übrig. Vor allem die Wirtschaftsabschwächung in China belastet. Allerdings ist es noch zu früh, ein endgültiges Urteil zu fällen, denn so richtig geht es für DAX & Co erst nächste Woche los. Sollte es wider Erwarten für die Unternehmen doch gut gelaufen sein, ist ein DAX-Anstieg über die 200-Tage-Linie bei knapp über 11.000 nur eine Frage der Zeit.


Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com


DJG/mpt/cln


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October 23, 2015 08:15 ET (12:15 GMT)


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