DJ MARKT-AUSBLICK/Historische US-Zinsentscheidung überstrahlt alles




11.12.15 14:13
Dow Jones Newswires

DJ MARKT-AUSBLICK/Historische US-Zinsentscheidung überstrahlt alles


Von Michael Otto Denzin


FRANKFURT (Dow Jones)--Eine spannende Woche mit klarer Zweiteilung steht den Börsen bevor. Denn die erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank am Mittwoch dominiert alles. Als erste Zinserhöhung seit rund zehn Jahren (Juni 2006) und einer "gefühlten Ewigkeit der Vorbereitung", wie es bei der Helaba heißt, ist sie fast schon ein historischer Moment. Von der Sitzung am 15. und 16. Dezember wird erwartet, dass die US-Notenbank den Zielkorridor der kurzfristigen US-Zinsen (Fed Funds Rate) von 0,00 zu 0,25 Prozent auf 0,25 zu 0,50 Prozent anheben wird.


Händler rechnen daher damit, dass es bis zur Bekanntgabe der neuen Fakten zu einer äußerst passiven Haltung am Markt kommt. Es mache einfach keinen Sinn, sich vor der Fed und ihren begleitenden Kommentaren aus dem Fenster zu lehnen, heißt es im Handel. Danach allerdings könne es zu starken Bewegungen und einem volatilen Marktgeschehen kommen.


Zudem fragen sich viele Marktteilnehmer bereits, wie es nach einer US-Zinserhöhung weitergehen wird. Sie befürchten, dass die Wirtschaft nach sieben Jahren Nullzins mit höheren Leitzinsen und einem stärkeren Dollar nicht zurechtkommt, so die Devisenanalysten der Commerzbank. Schließlich habe die Wirtschaft von der langen Nullzinsphase und drei Runden von Anleihekäufen starke Impulse bekommen, die Märkte "haben sich an diese permanente Medikation gewöhnt". Daher fürchteten viele Investoren, dass selbst ein langsamer Entzug der geldpolitischen Aufputschmittel den Aufschwung gefährdet.


Hier wiegeln die Commerzbank-Analysten aber ab: Diese Befürchtungen habe es vor jeder Straffung der Geldpolitik gegeben und sollten sich auch dieses Mal als unbegründet erweisen. Die Wirtschaft komme erst nach einer längeren Reihe von Zinserhöhungen ins Trudeln. So waren die US-Zinserhöhungen um 350 Basispunkte in den Jahren 1994/95 zwar ein Grund für Turbulenzen in den Emerging Markets im Jahr 1997; die US-Wirtschaft selber rutschte aber erst sieben Jahre nach dem Lift-Off im Jahr 2001 in eine Rezession. Und 2004 vergingen nach dem Beginn von Zinsanhebungen bis zur Rezession rund 3,5 Jahre.


Auch die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verweisen darauf, dass es fraglich sei, ob die US-Geldpolitik gleich zu einer "tektonischen Verschiebung an den Kapitalmärkten" führen werde. Stattdessen sei zu beobachten, dass sich Marktteilnehmer aktuell mehr Sorgen um die globale Konjunktur als um die Zinswende der Fed machten. Gezeigt habe sich dies an Umschichtungen in Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit dies- und jenseits des Atlantiks. Negative Nachrichten aus China und vom Ölpreis hätten die Risikoaversion deutlich erhöht.


Mittlerweile würden die globalen Konjunktursorgen von den Märkten aber schon wieder tendenziell überschätzt. Ab der kommenden Woche dürfte sich dies allmählich korrigieren. Stützend sollten hier diverse Konjunkturindikatoren wirken. So erwarten die Helaba-Analysten von den deutschen Auftragseingängen und der Produktion Zeichen für ein anhaltend moderates Wachstum im vierten Quartal 2015. Das wichtige ifo-Geschäftsklima für Dezember dürfte stabil auf dem hohen Niveau liegen, die ZEW-Erwartungen sogar deutlich höher ausfallen.


Die größte Überraschung für die Märkte könnte kommende Woche von einer Seite kommen, die derzeit niemand richtig im Auge hat. Denn mit entweder steigenden oder fallenden Kursen infolge der Fed-Entscheidung rechnen die meisten. Was aber, wenn einfach gar nichts passiert? Denn an den meisten Börsen ist mittlerweile die komplette Jahresperformance in Gefahr. Der DAX liegt ohne seine Dividendenerträge nur noch rund 3,5 Prozent auf Jahressicht im Plus. Dies sorgt für ein besonderes Verhalten am Markt:


"Viele Fondsmanager sind aktuell mehr damit beschäftigt, ihre Jahresperformance zu sichern, als dass sie sich noch um echte Marktperspektiven kümmern", so ein Aktienstratege zu Wochenbeginn. Daran werde sich auch bis zum Jahresende nichts ändern. Viele Fonds gingen so neutral in die Fed-Entscheidung, dass es eigentlich kein großes Exposure gebe, dass danach noch auf- oder abgebaut werden müsse. "Unterm Strich könnte dann nach der Fed-Sitzung sogar passieren, womit keiner rechnet - nämlich gar nichts", so der Stratege weiter.


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/mod/ros


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December 11, 2015 08:13 ET (13:13 GMT)


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