DJ MARKT-AUSBLICK/Die Hausse ist zurückgekehrt




17.07.15 13:45
Dow Jones Newswires



DJ MARKT-AUSBLICK/Die Hausse ist zurückgekehrt




Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Die Aufwärtswelle der vergangenen Tage hat die Ampeln am deutschen Aktienmarkt wieder auf Grün gestellt. Die Griechenland-Krise gilt als gelöst und dürfte als Einflussfaktor für die Märkte aus den Schlagzeilen verschwinden. Gleichzeitig sind die günstigen Impulsgeber des Winterhalbjahres zurückgekehrt.




Aus technischer Sicht hat sich die Korrektur der vergangenen Monate als so genannte Flagge entpuppt. "Damit deutet sich nun eine Wiederaufnahme der langfristigen Hausse an", sagt Achim Matzke, Marktanalyst der Commerzbank. Auch wenn nach dem Anstieg um mehr als 1.000 Punkte einzelne Tage mit Gewinnmitnahmen möglich sind: Die Chancen auf einen erneuten Flirt mit der 12.000er Marke und danach mit den März-Rekordständen bei knapp 12.400 Punkten haben sich kräftig verbessert.




Als Treibsatz dürften sich die wieder stark fallenden Ölpreise erweisen. Und dieses Mal ist es nicht die Sorge vor einer konjunkturbedingten Nachfrageschwäche, die das schwarze Gold verbilligt. Jetzt leidet der Preis unter der Aussicht auf ein steigendes Ölangebot, weil der Iran wegen des Endes der Sanktionen an die Märkte zurückkehren wird. Die Marktstrategen von Jefferies können sich einen Preisrückgang auf ein Tief von 40 Dollar je Barrel der US-Sorte WTI vorstellen (aktuell 50,79). Das wiederum wäre ein gigantisches Konjunkturprogramm. Hauptprofiteure könnten Konsumaktien sowie Reise- und Verkehrsaktien sein, aber auch Titel aus energieintensiven Branchen wie Chemie- und Stahlindustrie.




Zugleich gibt der Euro wieder nach. Mit Ständen unter 1,0950 Dollar ist er in die untere Hälfte der jüngsten Handelsspanne zurückgefallen. Mit der Spekulation um die Wende in der US-Geldpolitik dürfte der Dollar weiter steigen, was gut ist für alle exportorientierten Aktien. Besonders positiv ist aber, dass die Abschwächung des Euro langsamer erfolgen dürfte als im ersten Quartal. Da hatte die hohe Volatilität zeitweise auch auf den Aktienmarkt übergegriffen. Denn Investoren aus dem angloamerikanischen Raum scheuen starke Schwankungen am Devisenmarkt wegen der damit verbundenen Währungsverluste.




Nun könnte der Euro zwar weiter fallen, aber eben viel langsamer als im Winterhalbjahr. Chris Weston von IG Markets lobt ausdrücklich die Politik der US-Notenbank. Wegen der guten Vorbereitung der Marktteilnehmer gebe es im Unterschied zu früheren Phasen mit Dollar-Leitzinsspekulationen derzeit keinerlei Panik bei den Währungen der Schwellenländer. Sie fielen zwar gegen den Dollar leicht zurück, das liege aber am allgemeinen und generellen Hochfahren von Dollar-Positionen und sei nicht an den einzelnen Schwellenländern ausgerichtet. Ausgewählte Aktienindizes wie der indische Nifty-50 sähen sogar zunehmend bullish aus.




Auf der Makro-Seite ist der Terminkalender für die kommende Woche vergleichsweise leer. Am Mittwoch werden in den USA Daten zum Immobilienmarkt veröffentlicht, das Highlight bietet erst der Freitag mit verschiedenen Einkaufsmanager-Indizes in der Eurozone. Damit kann sich der Markt voll und ganz der Berichtssaison zuwenden.




In den USA ist die Berichtssaison moderat positiv angelaufen, allerdings ist auch die Erwartung vergleichsweise niedrig gewesen. Im Blick dürften zunächst die Zahlen von IBM, Microsoft und Apple stehen, sie werden am Montag und Dienstag veröffentlicht. Zur Wochenmitte zeigt Boeing die Quartalsbilanz. In der zweiten Wochenhälfte geht es dann unter anderem um die Zwischenberichte zyklischer Unternehmen wie Caterpillar und Dow Chemical.




Auch in Europa und im DAX nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Zahlen legen unter anderem SAP, Novartis, die TecDAX-Highflyer Sartorius und ADVA, die Credit Suisse, Daimler, Roche, die Software AG, Krones, MTU, Wincor, Stratec Biomedical, Danone, Unilever und BASF vor. Bei der Commerzbank heißt es, wegen des schwachen Euro dürften der Trend der positiven Gewinnrevisionen bei den DAX-Unternehmen anhalten. Derzeit rechnet das Haus mit einem akkumulierten Gewinn der DAX-Unternehmen von umgerechnet 800 Punkten in diesem Jahr. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5. Angesichts wahrscheinlicher weiterer positiver Gewinnrevisionen und der niedrigen Renditen der Anleihen ist der DAX damit nicht teuer.




Kontakt zum Autor: herbert.rude@wsj.com




DJG/hru/mod/gos




(END) Dow Jones Newswires




July 17, 2015 07:45 ET (11:45 GMT)




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