DJ MARKT-AUSBLICK/Griechisches "Nein" eröffnet Kaufgelegenheiten




03.07.15 13:26
Dow Jones Newswires

DJ MARKT-AUSBLICK/Griechisches "Nein" eröffnet Kaufgelegenheiten


Von Manuel Priego-Thimmel


FRANKFURT (Dow Jones)--Wieder einmal geht es um Alles in Griechenland. In dem Referendum am kommenden Sonntag sind die Bürger aufgerufen, über den Forderungskatalog der Gläubiger abzustimmen. Bei einem "Ja", und damit einer Annahme der Sparauflagen, dürften die Börsen mit einer Erleichterungsrally reagieren. Bei einem "Nein" droht dagegen ein Abverkauf. Ein Kurseinbruch dürfte aber sehr schnell zur Kaufgelegenheit werden. Denn die EZB wird in einem solchen Fall Ansteckungsrisiken in die Eurozone mit aller Kraft zu verhindern suchen und massiv an den Märkten intervenieren.


Für die Griechen ist es die Wahl zwischen Skylla und Charibdis. Bei einem "Ja" wird Griechenland vermutlich noch für viele Jahre mit der Austeritätspolitik der Gläubiger leben müssen. Und das unabhängig davon, ob es in der Zukunft zu einem erneuten Schuldenschnitt kommen wird oder nicht. Ein solcher ist sogar sehr wahrscheinlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF), und damit einer der Hauptgläubiger der Griechen, hält die Schuldenlast des Landes in der Zwischenzeit für untragbar. Der IWF nähert sich zumindest in diesem Punkt der regierenden Syriza von Premier Tsipras an.


Bei einem "Nein" droht Griechenland der baldige Zusammenbruch, denn eine Fortsetzung der Verhandlungen mit den Gläubigern scheint kaum noch möglich. Das Land hat bereits die Ende Juni fälligen Zahlungen an den IWF nicht geleistet und dürfte auch den am 20. Juli anfallenden Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) über 3,5 Milliarden Euro nicht nachkommen. Die EZB müsste wohl spätestens dann ihre ELA-Nothilfen, mit denen der griechische Bankensektor künstlich am Leben gehalten wird, einstellen. Das Banken- und mithin das Finanzsystem würden kollabieren, die Wirtschaft zusammenbrechen.


Im Vergleich dazu befinden sich die Finanzmarktakteure in einer komfortablen Situation. Sie suchen Opportunitäten, und diese dürften sich unabhängig vom Ausgang des Referendums ergeben. Bei einem "Ja" ist mit einer Erholungsrally an den Börsen zu rechnen. Diese könnte die Aktien schätzungsweise 5 Prozent nach oben treiben.


Der Grund für die zu erwartende recht moderate Reaktion: Erstens ist das Basisszenario der meisten Anleger nach wie vor, dass es letztlich zu einer Einigung zwischen Griechenland und den Gläubigern kommen wird. Zweitens könnte ein "Ja" Griechenland in ein politisches Chaos stürzen. Finanzminister Varoufakis und auch Premier Tsipras haben bereits angedeutet, dass sie dann zurücktreten werden. Das daraus resultierende politische Vakuum würde wohl sehr schnell zu neuen Unsicherheiten an den Finanzmärkten führen.


Diese Unsicherheiten dürfte zumindest solange anhalten, bis die Gläubiger einen neuen - und aus Gläubigersicht vertrauenswürdigeren - Verhandlungspartner als die aktuelle griechische Regierung haben. Der Weg dorthin könnte möglicherweise über Neuwahlen erfolgen. Sehr schlecht käme indes an den Finanzmärkten an, sollte die Syriza-Regierung nach einem "Ja" doch weitermachen. Dafür ist schon zu viel Porzellan zwischen Brüssel und Athen zerschlagen worden.


Wesentlich interessanter ist aus Investorensicht ein "Nein" der Griechen am Sonntag. Ein solches würde den Euro belasten und eine Spreadausweitung an den Anleihemärkten der Eurozone zur Folge haben. In einer ersten Reaktion werden die Anleger wohl Anleihen aus der Peripherie verkaufen und den "sicheren Hafen" Bundesanleihen aufsuchen. Goldman hält eine Ausweitung zwischen 250 und 300 Basispunkten für möglich. An den Aktienmärkten drohte ein kleiner Ausverkauf - Goldman schließt eine Korrektur von 10 Prozent im Euro-Stoxx-50 nicht aus.


Insbesondere eine Spreadausweitung in der Peripherie wird allerdings die EZB auf den Pan rufen. Denn die Währungshüter werden alles in ihrer Macht stehende tun, um Ansteckungsgefahren in den Rest der Eurozone zu unterbinden. Mit dem OMT-, dem SMP- sowie dem QE-Programm steht der Zentralbank ein umfangreiches Instrumentarium für massivste Markteingriffe zu Verfügung. Letztlich wird es darauf hinauslaufen, dass die EZB die Finanzmärkte zum Zwecke der Stabilisierung der Eurozone mit Liquidität fluten wird.


Spätestens mit dem Eingreifen der EZB wird der Abverkauf zur Kaufgelegenheit für die Anleger. Dafür sprechen nicht nur die Marktmacht der EZB, sondern auch fundamentale Gründe. Wie M.M.Warburg anmerkt, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis im DAX seit April auf 13 von 15,4 gesunken - und damit auf attraktive Niveaus für Langfristanleger. Wie so häufig in den vergangenen Jahren könnte eine Krise also wieder einmal zu einer goldenen Opportunität für die Investoren werden. Für die griechische Bevölkerung ist das nur ein schwacher Trost.


Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com


DJG/mpt/ros


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July 03, 2015 07:26 ET (11:26 GMT)


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