DJ MARKT-AUSBLICK/Im DAX ist viel Negatives eingepreist




25.09.15 13:27
Dow Jones Newswires



DJ MARKT-AUSBLICK/Im DAX ist viel Negatives eingepreist




Von Thomas Leppert




FRANKFURT (Dow Jones)--Börsen neigen zu Übertreibungen. Wenn die Bullen unter den Börsianern loslegen, herrscht Jubelstimmung. Dieses Szenario herrschte Anfang des Jahres, der DAX stand nach nur drei Monaten 23 Prozent im Plus. Die Argumente der Optimisten lauteten: Die Zinsseite bietet keine Alternative, die Liquidität der Notenbanken wie auch der schwache Euro stützen. Die Perma-Bullen sahen den DAX zum Jahresschluss bereits bei 14.000 Punkten.




Diese Jubelstimmung relativierte sich im zweiten Quartal - Vernunft kehrte ein, die Übertreibung nach oben wurde abgebaut. Zur Jahresmitte notierte der DAX nur noch mit 12 Prozent im Plus. Die Hälfte der zuvor gesehenen Gewinne war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht.




Wer auch in diesem Jahr die alte Börsenweisheit "sell in May und go away" beachtete, hat die Abwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt im Sommer nicht mitgemacht. Richtig schlecht lief es im dritten Quartal für den DAX. Aktuell handelt er gegenüber dem Jahresstart knapp im Minus. Schlagzeilen wie Konjunktureinbruch in China, Zinswende in den USA und Imageverlust der deutschen Wirtschaft mit dem VW-Diesel-Desaster in den USA belasteten jüngst die Stimmung. Die Pessimisten unter den Börsianern haben die Aktienkurse fest im Griff. Seit seinem Allzeithoch am 10. April bei 12.391 Punkten hat der DAX nahezu ein Viertel seiner Marktkapitalisierung verloren.




KGV-Bewertung im DAX moderat


Nun ist Zeit für eine Standortbestimmung. Ein Blick auf die Bewertung des DAX zeigt, dass er mit einem 11,9-fachen der erwarteten 2015er-Gewinne momentan vergleichsweise niedrig bewertet ist. Das war in diesem Jahr nicht immer so. Anfang des Jahres lag die Bewertungskennziffer mit 12,6 schon deutlich darüber. Zum Jahreshoch im April diesen Jahres lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis sogar bei 15.




Fakt ist, dass ein unveränderter DAX impliziert, dass die kumulierten Gewinne aller 30 Index-Unternehmen 2015 auf der Stelle treten. Dies erscheint trotz der Gewinnwarnung von Volkswagen in dieser Woche bisher nicht realistisch. Die Analysten gehen im Konsens davon aus, dass die Gewinne aller DAX-Unternehmen in diesem Jahr knapp um einen zweistelligen Prozentwert steigen. Schwer einzustufen ist allerdings, welchen Gewinnbeitrag VW liefern wird.




VW-Gewinn wird fallen - aber nicht ausfallen


Die Gewinne von VW standen bisher für 13,7 Prozent der erwarteten Überschüsse aller 30 DAX-Unternehmen. Der Konsens der Analysten geht davon aus, dass die DAX-Gewinne 2015 um 11,5 Prozent auf rund 87 Milliarden Euro steigen werden. Knapp 12 Milliarden warf bis vor dem Skandal VW in die Waagschale. Offen sei die Frage, welchen Ergebnisbeitrag die Wolfsburger nun liefern. Für Ralf Zimmermann, Aktienstratege bei der Bank Lampe, reicht die Spanne von Null bis zu der bisher erwarteten Summe von 11,9 Milliarden Euro.




Im Worst-Case-Szenario, von dem bisher nicht ausgegangen wird, liefert VW gar nichts. Damit würden die kumulierten DAX-Gewinne 2015 um 4 Prozent fallen. Damit wäre auch ein DAX auf einem unveränderten Niveau zu begründen. Sollte VW dagegen einen Gewinn ausweisen, und davon geht weiterhin die Mehrzahl der Analysten aus, steigen die DAX-Gewinne und sprechen für einen steigenden Index.




Das Bankhaus Lampe, das die Aktie zum Verkauf empfiehlt, erwartet, dass Volkswagen 2015 ein EBIT von 5,7 Milliarden Euro erwirtschaften werde. Die UBS, die die Aktie diese Woche mit Kaufen bestätigt hat, geht davon aus, dass die Wolfsburger 14 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern erwirtschaften - und damit deutlich mehr als der Konsens der Analysten.




Konjunkturdaten bestätigen moderates Wachstum


Ein Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland und auch aus der Eurozone zeigt, dass die Wirtschaft weiterhin moderat wächst - von Einbruch keine Spur. So belegte der zur Wochenmitte veröffentlichte Einkaufsmanager-Index, dass die deutsche Wirtschaft im September trotz der globalen Konjunktursorgen robust gewachsen ist. Der nur einen Tag später veröffentlichte ifo-Index stieg sogar überraschend das dritte Mal in Folge. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn konstatierte, dass sich die deutsche Wirtschaft robust zeige. Die in die Zukunft gerichteten Erwartungen stiegen bei der Umfrage sogar leicht. Bisher ziehen auch von dieser Seite keine dunklen Wolken für den Aktienmarkt auf.




Euro, Zinsen und Notenbankpolitik sprechen für deutsche Aktien


Ein Blick auf die drei Hausse-Argumente vom Jahresbeginn zeigt, dass der Euro zum Dollar aktuell bei 1,11 notiert nach 1,08 Ende April. Dabei ist der Wechselkurseffekt sicherlich nicht mehr so stark wie zum Jahresbeginn einzustufen. Nach Euro-Dollar-Kursen von 1,30 vor einem Jahr dürfte der Euro aber weiterhin einen positiven Ergebnisbeitrag in den Drittquartalszahlen der Unternehmen liefern, auf keinen Fall aber einen negativen.




Ein Blick auf die Anleihemärkte macht deutlich, dass die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen von 0,5 Prozent zum Anfang des Jahres auf nun 0,65 Prozent gestiegen sind. Anfang April waren sie dagegen mit 0,1 Prozent deutlich niedriger. Eine echte Alternative bieten sie allerdings nicht, da auch von dieser Seite den Anlegern Kursverluste drohen.




Das dritte Kaufargument lieferte zum Jahresstart die Liquidität der Notenbanken. Da hat sich bisher wenig geändert. Die Europäische Zentralbank kauft Monat für Monat Anleihen für rund 60 Milliarden Euro aus dem Euroraum, die Überschussliquidität am europäischen Geldmarkt ist auf eine astronomische Summe von 500 Milliarden Euro gestiegen. Die US-Notenbank will, wie bereits Anfang des Jahres erwartet, in diesem Jahr die Zinsen anheben. An diesem Szenario hat sich nur wenig verändert, allenfalls hat sich der Zeitpunkt vom Frühjahr auf den Winter verschoben. Gewiss ist allerdings nicht, dass die Fed die erste Zinsanhebung seit über acht Jahren noch dieses Jahr umsetzen wird.




Damit stimmt das Umfeld für den deutschen Aktienmarkt weiterhin. Niedrige Zinsen, ein niedriger Euro sowie die Liquidität der Notenbanken sprechen weiterhin für ein gutes Aktienumfeld. Die aktuellen Wirtschaftsdaten rechtfertigen bisher nicht, dass der deutsche Aktienmarkt seit seinem Jahreshoch nahezu ein Viertel an Wert eingebüßt hat. Auch wenn das Rekordhoch bei 12.390 Punkten erst einmal außerhalb der Reichweite liegt, hat der DAX momentan sehr viel Negatives eingepreist und damit Erholungspotenzial.




Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com




DJG/thl/flf




(END) Dow Jones Newswires




September 25, 2015 07:27 ET (11:27 GMT)




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