DJ MARKT-AUSBLICK/DAX vor Entscheidung - Autoaktien geben Richtung vor




31.07.15 13:38
Dow Jones Newswires

DJ MARKT-AUSBLICK/DAX vor Entscheidung - Autoaktien geben Richtung vor


Von Michael Denzin


FRANKFURT (Dow Jones)--Reichlich Stoff für Kursbewegungen an den Aktienmärkten gibt es kommende Woche. Neben der immer hochtouriger laufenden Berichtssaison und den damit verbundenen Kursauschlägen in Einzeltiteln stehen vor allem Konjunkturdaten im Blick. Allen voran der ISM-Index und der monatliche Arbeitsmarktbericht aus den USA. Für die Aktienmärkte könnte dies eine entscheidende Phase einleiten.


Denn der DAX muss sich entscheiden, ob er nach oben will oder nicht. Die scharfe Korrektur von rund 11.800 bis dicht an die 11.000er-Marke binnen zwei Wochen kann noch als Rücksetzer auf den alten Abwärtstrend durchgehen. Technische Analysten sprechen hier von einem "Pullback" oder Test der alten Niveaus, bevor es weiter nach oben geht. Nur, der Index muss langsam Fahrt aufnehmen. Je länger er auf den aktuellen Levels unter 11.200 verharrt, desto deutlicher wird die Warnung, dass es mit der Aufwärtsdynamik nicht weit her ist. Vor allem die Autowerte und ihr ungebremster Kursverfall lasten auf dem DAX.


Gefahr droht aber auch von anderer Seite - von der Konjunktur bzw der lange vernachlässigten Preisfront. Nach dem überraschenden Inflationssprung in der Eurozone dürften Konjunkturdaten noch stärker in den Fokus rücken. Denn die Inflation im Euroraum war zwar im Juli konstant geblieben, wie die Daten am Freitag zeigten, die wichtigere Kerninflation zog aber überraschend an. Der Preisdruck ging dabei vor allem von Industriegütern und Dienstleistungen aus und ist damit substanziell. Die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise von Energie, Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol stieg um 1,0 Prozent nach zuvor 0,8 Prozent. Volkswirte hatten aber mit gar keiner Veränderung gerechnet.


Die EZB könnte sich diese "Belebung" zwar als Erfolg ihrer Geldpolitik anheften, für die Märkte ist das aber kein gutes Zeichen. "Fantasien auf eine Ausdehnung des Quantitative Easing, wie sie zuletzt durch Forderungen des IWF angetrieben wurden, dürften damit ihr Ende gefunden haben", sagte ein Händler. Das Argument der angeblichen Deflation in der Eurozone erweise sich als immer unpassender. Sollte es zu größerem Druck auf die Rentenmärkte kommen, würden auch die Aktienmärkte darunter leiden.


Besonders kritisch dürfte es für die Auto-Aktien werden. Sie stehen kommende Woche mit Daten im Blick und sind mit ihrer hohen Gewichtung im DAX wegweisend für dessen Zukunft. Die Branche läuft Gefahr, gleich von zwei Seiten in die Zange genommen zu werden. Mit steigender Inflation wächst die Furcht vor steigenden Zinsen. Damit bleibt immer weniger Spielraum nach oben für die Aktienbewertungen. Fundamentale Wachstumsfantasien könnten dies ausgleichen, aber genau hier sieht es mau aus: Seit Wochen belastet Autowerte die Befürchtung, dass die "Peak Sales" erreicht und die Zeiten des stärksten Absatzwachstums vorbei sind. Die Absatzprobleme in China und die Ankündigung diverser Gegenmaßnahmen durch die Autohersteller zeigen, wie groß die Schwierigkeiten sind. Die Rekordzahlen von Daimler und die guten Daten bei VW sowie den Zulieferern Faurecia und Valeo wurden daher vom Aktienmarkt ignoriert - sie werden als Zeichen einer vergangenen Zeit gesehen.


Der Kursverfall der Autos geht daher trotz guter Nachrichten ungebremst weiter. Eine Aktie wie VW ist seit ihrem Hoch im März bei rund 250 Euro auf 180 Euro zurückgefallen, ein Ende ist nicht in Sicht. Umso spannender dürfte kommende Woche die Reaktion auf die Quartalszahlen von BMW, Continental und ElringKlinger ausfallen. Auch Porsche und Pirelli sowie die japanische Toyota stehen im Blick, nachdem letztere gerade erst von VW als weltgrößter Hersteller abgelöst worden ist. Die Autolastigkeit der Konjunkturdaten wird verstärkt durch die US-Kfz-Absatzzahlen im Juli und die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland.


Auch jenseits des Autosektors steht eine Flut hochkarätiger Konjunkturdaten an. Der Blick ist vor allem auf die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten am Freitag gerichtet, nachdem die Fed bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung erneut die Abhängigkeit ihrer Entscheidungen von aktuellen Wirtschaftsdaten betont hat.


Dazu gesellen sich die ISM-Indizes für die US-Industrie und den Service-Bereich im Juli, der Auftragseingang in der US-Industrie und der ADP-Arbeitsmarktbericht. Zusätzlich werden die Revisionen der Einkaufsmanager-Indizes für den halben Globus vorgelegt. Von China über die USA bis hin zur Eurozone ist alles dabei. Sollte es zu größeren Revisionen in die eine oder andere Richtung kommen, dürften die Märkte stark reagieren.


In Deutschland dürfte vor allem auf den Auftragseingang im Juni geachtet werden, in Frankreich auf die Industrieproduktion. Überall warten die Märkte darauf, dass sich die Furcht vor einer Konjunkturabkühlung in Luft auflöst. Das Zittern vor der ersten Zinswende in den USA seit acht Jahren werden die Daten indes wohl nicht abstellen können: Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass vor allem der ISM-Index und der US-Arbeitsmarktbericht bestätigen werden, dass die Wende näher rückt. Zudem tagen in Japan, Großbritannien und Europa die Notenbanken. Nur von der US-Notenbank ist nichts zu erwarten, sie gönnt sich ihre Sommerpause.


Ansonsten wird die auf Hochtouren laufende Berichtssaison Bewegung in die Märkte bringen. Händler merken an, dass die Kursausschläge in Reaktion auf Quartalszahlen dieses Mal besonders heftig ausfallen. "Es ist kaum eine Aktie dabei, die nach ihren Zahlen nicht mindestens 3 Prozent Plus oder Minus macht", sagte ein Händler. Kandidaten für solche Ausschläge sind kommende Woche zehn DAX-Werte mit Zahlen: Commerzbank, BMW, Beiersdorf, Dt.Post, Merck, Telekom, Lanxess, Adidas, Münchener Rück und Allianz. Bei den Nebenwerten legen unter anderem Hannover Re, Evonik, Springer, Kion, Rheinmetall, Metro und Air Berlin Daten vor.


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


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July 31, 2015 07:38 ET (11:38 GMT)


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